ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2013Lernzielkatalog Medizinische Informatik: Wissen und Verantwortung

STATUS

Lernzielkatalog Medizinische Informatik: Wissen und Verantwortung

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-243 / B-227 / C-227

Dugas, Martin; Röhrig, Rainer; Stausberg, Jürgen

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Fotolia/Icons Jewelry
Foto: Fotolia/Icons Jewelry

Welche Kompetenzen in Medizinischer Informatik benötigen Ärztinnen und Ärzte? Erstmalig ist ein deutschlandweit abgestimmter Lernzielkatalog verfügbar.

Die dynamische Entwicklung der Informationstechnologie (IT) in den letzten Jahren beeinflusst und verändert alle Lebensbereiche, vor allem auch das Gesundheitswesen. Während IT-Systeme in Kliniken und Arztpraxen früher nur administrative Aufgaben erfüllt haben, wird heute die Patientenversorgung durch IT-Systeme direkt mitgestaltet. Die Vision der elektronischen Patientenakte ist Realität, digitale Bildverarbeitungssysteme sind im Einsatz, und Telemedizin gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Anzeige

Mehr als ein Viertel der ärztlichen Arbeitszeit betrifft das Management von Informationen zur Organisation der Krankenversorgung und zur Dokumentation. IT-Verfahren können die Patientenversorgung qualitativ verbessern und effizienter gestalten. Jedoch keine Wirkung ohne Nebenwirkung: IT-Systeme bringen auch neue Risiken und Probleme mit sich, insbesondere bei Patientensicherheit und Datenschutz. Daher benötigen Ärztinnen und Ärzte praxisorientierte Kompetenzen in Medizinischer Informatik, die sie im Rahmen des Medizinstudiums erwerben sollten.

Wichtig vom ersten Berufsjahr an

Vor diesem Hintergrund hat eine Projektgruppe der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS, www.gmds.de) unter Beteiligung von Medizinischen Informatikern aus ganz Deutschland erstmalig einen Katalog mit 42 Lernzielen erarbeitet und abgestimmt. Dieser Lernzielkatalog beschreibt Kompetenzen, die Ärztinnen und Ärzte ab dem ersten Berufsjahr benötigen (Tabelle). Er wurde vom Fachausschuss Medizinische Informatik der GMDS und der Gesellschaft für Informatik verabschiedet und vor kurzem publiziert (1).

Kompetenzlevel der Lernziele
Kompetenzlevel der Lernziele
Tabelle
Kompetenzlevel der Lernziele

Die Lernziele beziehen sich vor allem auf folgende sieben Themengebiete:

  • medizinische Dokumentation und Informationsverarbeitung
  • medizinische Klassifikationssysteme und Terminologien
  • Informationssysteme im Gesundheitswesen
  • Gesundheitstelematik und Telemedizin
  • Datenschutz und Datensicherheit
  • Zugriff auf medizinisches Wissen
  • medizinische Signal- und Bildverarbeitung.

Beispiele aus dem Lernzielkatalog

Der Umgang mit der elektronischen Patientenakte sollte Ärztinnen und Ärzten vertraut sein. Dazu ist ein Grundverständnis eines Krankenhausinformationssystems, seiner wesentlichen Komponenten (zum Beispiel ein Radiologieinformationssystem) und speziell der elektronischen Auftragskommunikation notwendig. Medizinerinnen und Mediziner sollten Risiken bei der Anwendung von IT-Systemen kennen und wissen, wie man diese minimieren kann – im Interesse der Patientensicherheit.

IT-Systeme im Gesundheitswesen bringen auch Risiken mit sich, daher benötigen Ärzte praxisorientierte Kompetenzen in Medizinischer Informatik. Foto: picture alliance
IT-Systeme im Gesundheitswesen bringen auch Risiken mit sich, daher benötigen Ärzte praxisorientierte Kompetenzen in Medizinischer Informatik. Foto: picture alliance

Ärztinnen und Ärzte sollten die wesentlichen Grundlagen der medizinischen Dokumentation kennen und Klassifikationssysteme (unter anderem die ICD) anwenden können. Dies sind zwar keine beliebten Themen („Bürokratie“), aber es geht um arbeitsintensive Routineaufgaben, die effizient von ärztlicher Seite organisiert werden müssen.

Bildgebende Verfahren spielen eine zentrale Rolle in der Patientenversorgung und der klinischen Forschung. Daher sollten Ärztinnen und Ärzte computerbasierte Verfahren zur Bildverbesserung und Bildauswertung anwenden können. Sie sollten Einsatzszenarien für telemedizinische Anwendungen kennen und – nicht nur in der Telemedizin – Grundsätze des Datenschutzes benbenennen und sachgerecht anwenden können. Darüber hinaus sollten sie in medizinischen Datenbanken recherchieren und die Ergebnisse der Recherche beurteilen können.

Zusammenfassend geht es beim Lernzielkatalog Medizinische Informatik um praxisorientierte Kompetenzen beim Einsatz von Verfahren der Informationsverarbeitung in der Medizin, nicht um technische Computerkenntnisse oder gar um Programmierung. Dieser Katalog wurde deutschlandweit abgestimmt und steht zudem auch im Einklang mit internationalen Empfehlungen (2).

Prof. Dr. med. Martin Dugas,
Universität Münster

Dr. med. Rainer Röhrig,
Universität Gießen

Prof. Dr. med. Jürgen Stausberg,
Ludwig-Maximilians-Universität München

@Lernzielkatalog Medizinische Informatik für Studierende der Humanmedizin: www.aerzteblatt.de/13243

1.
Dugas M, Röhrig R, Stausberg J: Welche Kompetenzen in Medizinischer Informatik benötigen Ärztinnen und Ärzte? Vorstellung des Lernzielkatalogs Medizinische Informatik für Studierende der Humanmedizin. GMS Med Inform Biom Epidemiol 2012; 8(1): Doc04, www.egms.de/de/journals/mibe/2012–8/mibe000128.shtml
2.
Mantas J, Ammenwerth E, Demiris G, Hasman A, Haux R, Hersh W, Hovenga E, Lun KC, Marin H, Martin-Sanchez F, Wright G: Recommendations of the International Medical Informatics Association (IMIA) on Education in Biomedical and Health Informatics. First Revision. Methods Inf Med. 2010 Jan; 49(2): 105–20. DOI: 10.3414/ME5119
1.Dugas M, Röhrig R, Stausberg J: Welche Kompetenzen in Medizinischer Informatik benötigen Ärztinnen und Ärzte? Vorstellung des Lernzielkatalogs Medizinische Informatik für Studierende der Humanmedizin. GMS Med Inform Biom Epidemiol 2012; 8(1): Doc04, www.egms.de/de/journals/mibe/2012–8/mibe000128.shtml
2.Mantas J, Ammenwerth E, Demiris G, Hasman A, Haux R, Hersh W, Hovenga E, Lun KC, Marin H, Martin-Sanchez F, Wright G: Recommendations of the International Medical Informatics Association (IMIA) on Education in Biomedical and Health Informatics. First Revision. Methods Inf Med. 2010 Jan; 49(2): 105–20. DOI: 10.3414/ME5119

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema