GELDANLAGE

Börsebius: Blackout

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-239 / B-223 / C-223

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LNSLNS

Es ist ungefähr zehn Monate her, dass ich mich an dieser Stelle zu Aktien aus der Solarbranche geäußert habe (Deutsches Ärzteblatt, Heft 15 vom 13. April 2012). Meine grundsätzliche Meinung im Börsebius unter dem Titel „Sonnenfinsternis“ lautete damals, eher Hände weg von diesen Titeln, weil das Investment viel zu unsicher ist.

Auch dem „Sonnengott“ der Branche, Frank Asbeck, habe ich nicht nur dort, sondern auch an anderer Stelle (Deutsches Ärzteblatt, Heft 41 vom 12. Oktober 2012) einige Zeilen gewidmet, nicht, weil er mir besonders sympathisch wäre oder möglicherweise das Gegenteil dessen, sondern weil er als Vorstandschef des Marktführers Solarworld AG eine herausragende und beachtenswerte Rolle in der Börsenlandschaft spielt, die den Anleger sicher auch interessiert. Interessieren muss.

Nun kommt es auch oft anders, als der Chronist denkt, zunächst wenigstens. Als vor ein paar Wochen die amerikanische Investmentlegende Warren Buffet verkündete, sich an einem US-Solarpark beteiligen zu wollen, da schossen auch deutsche Solaraktien, vor allem eben auch die Solarworld AG, fulminant in die Höhe. Zweistellige Kurszuwächse erfreuten die vorher frustrierten Börsianer, und auf einmal waren offenbar alle Bedenken beiseitegewischt und ohne Bedeutung für die Kursfindung. Es gab auch den einen oder anderen Leser, der mir freundlich bis süffisant zu verstehen gab, dass ich mich mit meinem Artikel „Wie Ikarus“ nun wohl gründlich geirrt habe. Mein Einwand, dass Buffets Investment ohne jede Bedeutung für die deutschen Solaraktien sei, führte jedenfalls nicht zu einem Abebben der Kaufwelle. 

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Die Freude der in Sonnentiteln engagierten Aktienbesitzer fand aber vor gut zwei Wochen ein jähes Ende, als Konzernchef Asbeck vor die Presse trat und ein gravierendes Schuldenproblem beim Bonner Konzern verkündete. Eine Milliarde Euro Schulden sei im Grunde nicht rückzahlbar, und bevor es zu einer Insolvenz käme, müsste halt mit den Banken und den Anleihegläubigern über einen Schuldenschnitt verhandelt werden. Eine unmittelbare Pleitegefahr bestehe aber nicht, verkündete Asbeck lapidar. Donnerwetter, der Mann hängt sich aber weit aus dem Fenster.

Frank Asbeck, da war doch noch was? Richtig, in den Medien wird dieser Tage genüsslich bis gehässig ausgebreitet, der Sonnenkönig habe sich zu dem Schloss, das er schon besitzt, ein weiteres um die Ecke zugelegt, um in ewigen Jagdgründen („Asbeckistan“) ungestört der Pirsch nachgehen zu können.

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