ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2013Pharmakologie: Herausforderung und Verpflichtung

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Pharmakologie: Herausforderung und Verpflichtung

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-229 / B-216 / C-216

Erdmann, Erland

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Der „Mutschler“ gilt bekanntermaßen als der Klassiker unter den Pharmakologielehrbüchern. Nach eigenem Anspruch sehen die Herausgeber die aktuelle zehnte Auflage dieses 1 200 Seiten umfassenden Werkes als Herausforderung und gleichzeitig Verpflichtung an, die Pharmakologie, Klinische Pharmakologie und Toxikologie auf dem neuesten Stand der Wissenschaft für Lernende, Lehrende und Nachschlagende korrekt und praxisnah darzustellen. Nach eingehender Lektüre darf man sagen, das ist ihnen wieder großartig gelungen.

Die fachliche Kompetenz und ebenso die besonderen didaktischen Fähigkeiten der Autoren merkt man in jedem einzelnen Kapitel, sowohl in der allgemeinen Pharmakologie, die oft unklugerweise rasch überschlagen wird (Pharmakokinetik und -dynamik, Arzneimittelwechselwirkungen und -interaktionen), als auch in der speziellen Pharmakologie und ebenso bei dem wichtigen Kapitel über Vergiftungen. Für den sich über ein Medikament informierenden Arzt ist die spezielle Pharmakologie mit den vielen farbigen und gut verständlichen Schemata weit genug in die Tiefe gehend und sehr verständlich konzipiert. Sie gliedert sich nach den Organsystemen, einigen sehr häufigen Krankheiten (zum Beispiel Infektions- oder Tumorkrankheiten) und besonderen Pharmaka (zum Beispiel Orphan drugs oder Kontrastmittel). An das recht ausführliche Kapitel über Vergiftungen schließt sich eine Tabelle über Vergiftungen an mit Auflistung der regelhaften Symptome und der Standardtherapie. Nicht unwichtig ist eine Erklärung medizinischer Fachausdrücke und wesentlich ein endlich einmal sorgfältig erstelltes Sachregister, mit Hilfe dessen man tatsächlich alles findet. Außerdem gefällt der Anhang auf den letzten beiden Seiten gut, der die wichtigsten Pharmaka auflistet, die durch Cytochrom-P-450 Isoenzyme abgebaut werden und/oder diese induzieren oder hemmen. Bei unseren vielen multimorbiden Patienten sind bei oft leider notwendiger Polypharmazie durch das Nachschauen in dieser Tabelle viele Medikamenteninteraktionen erklärbar oder sogar vorhersehbar.

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Zweifellos benötigt jeder verantwortungsbewusste Arzt, der wirksame Medikamente verordnet, ein aktuelles Werk, welches die Arzneimittelwirkungen, -wechselwirkungen und -interaktionen leicht verständlich und trotzdem richtig beschreibt. Das gilt natürlich besonders dann, wenn es neue Pharmaka betrifft oder neue Therapieformen und man sich nicht nur von einem Pharmareferenten beraten lassen will. Beispielhaft seien die pharmakologischen Eigenschaften der neuen Antikoagulantien, die selektiv Thrombin oder Faktor Xa hemmen, genannt, die bei Niereninsuffizienz kumulieren und von denen einige nicht mit Azol-Antimykotika, HIV-Proteinaseinhibitoren, Rifampicin, Johanniskraut oder Carbamazepin kombiniert werden dürfen.

Man ist auch von der zehnten Auflage des „Mutschler“ wieder begeistert und kann die Lektüre uneingeschränkt allen Kollegen empfehlen, die eine differenzierte Pharmakotherapie betreiben. Unter den Studierenden der Medizin und Pharmazie sowie unter Apothekern ist dieses Werk sowieso „der Renner“. Erland Erdmann

Ernst Mutschler, Gerd Geissling, Heyo K. Kroemer, Sabine Menzel, Peter Ruth: Mutschler Arzneimittelwirkungen. Pharmakologie – Klinische Pharmakologie – Toxikologie. 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2013, 1197 Seiten, gebunden, 73,60 Euro

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