ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2013Fortgeschrittenes Mammakarzinom: Antikörper-Toxin-Konjugat ist hochwirksam

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes Mammakarzinom: Antikörper-Toxin-Konjugat ist hochwirksam

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-224 / B-210 / C-210

Gulden, Josef

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Der Anti-HER2-Antikörper Trastuzumab ist fester Bestandteil der Therapie beim fortgeschrittenen und beim frühen HER2-positiven Mammakarzinom. Durch ein neues Therapieprinzip wird er nun noch wirksamer: In dem Konjugat T-DM1 (Trastuzumab-Emtansine) ist der Antikörper an DM1, ein Derivat des Spindelgifts Maytansin, gebunden, und zwar über einen chemischen Linker, der das Toxin erst im sauren Milieu in den Lysosomen der Brustkrebszellen freigibt. Dadurch werden dort hohe Dosen des Zytostatikums bei minimaler systemischer Toxizität erreicht.

In der Phase-III-Studie EMILIA waren 991 Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom randomisiert worden, die bereits ein Taxan und Trastuzumab erhalten hatten. Sie bekamen entweder eine Kombination aus Capecitabin und dem niedermolekularen HER2-Inhibitor Lapatinib oder T-DM1 (3,6 mg/kg i.v. alle drei Wochen). In der zweiten Interimsanalyse nach median etwa einjährigem Follow-up hatte T-DM1 das progressionsfreie Überleben gegenüber der konventionellen Kombination von 6,4 auf 9,6 Monate (Hazard Ratio 0,65; p < 0,001) und selbst das Gesamtüberleben hochsignifikant von 25,1 auf 30,9 Monate verlängert (HR 0,68; p < 0,001). Das galt für nahezu alle untersuchten Subgruppen von Patientinnen. Auch die Ansprechrate wurde durch das Antikörper-Toxin-Konjugat von 30,8 % auf 43,6 % erhöht (p < 0,001).

Dass die Linker-Technologie wie geplant funktioniert, zeigt sich bei den Toxizitäten: Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher waren unter T-DM1 seltener als in der Kontrollgruppe (40,8 % vs. 57,0 %), ebenso Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen (5,9 % vs. 10,7 %). Im T-DM1-Arm lag deshalb die mediane Dosisintensität bei 99,9 %, im Kontrollarm hingegen für Trastuzumab nur bei 93,4 % und für Capecitabin lediglich bei 77,2 %.

Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben (intention to treat) auf der Basis von 331 Todesfällen
Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben (intention to treat) auf der Basis von 331 Todesfällen
Grafik
Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben (intention to treat) auf der Basis von 331 Todesfällen

Fazit: Diese Ergebnisse belegen den deutlichen Erfolg eines neuen Therapieprinzips: Selbst Patientinnen, die bereits Trastuzumab erhalten haben, profitieren von der konjugierten Form dieses Antikörpers mit einer deutlichen Verbesserung der Überlebenschancen gegenüber der Kombination aus einem niedermolekularen HER2-Inhibitor und einem Chemotherapeutikum.

Josef Gulden

Verma S, et al.: Trastuzumab emtansine for HER2-positive advanced breast cancer. NEJM 2012; 367: 1783–91. MEDLINE

Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben (intention to treat) auf der Basis von 331 Todesfällen
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Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben (intention to treat) auf der Basis von 331 Todesfällen

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