ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2013Arztreport 2013: Kasse stellt Boom bei ADHS-Diagnosen fest

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Arztreport 2013: Kasse stellt Boom bei ADHS-Diagnosen fest

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-198 / B-186 / C-186

Richter-Kuhlmann, Eva

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Ärztinnen und Ärzte in Deutschland diagnostizieren bei immer mehr Kindern und Jugendlichen Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Dem Arztreport 2013 der Barmer-GEK zufolge stieg die Zahl der Fälle zwischen 2006 und 2011 um 42 Prozent. Im Jahr 2011 wurde ADHS bei circa 750 000 Personen festgestellt. Mit 620 000 Betroffenen entfiel das Gros auf die Altersgruppe bis 19 Jahre. Besonders hohe Diagnoseraten seien zum Ende des Grundschulalters vor dem Übergang auf weiterführende Schulen zu verzeichnen, stellten die Autoren des Reports, Dr. Thomas G. Grobe und Prof. Dr. Friedrich W. Schwartz vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover, fest. Dies könne den Druck der Eltern widerspiegeln, vermuten die Wissenschaftler.

Verordnungsanstieg: Sieben Prozent der elfjährigen Jungen und zwei Prozent der gleichaltrigen Mädchen erhielten 2011 Methylphenidat gegen ADHS. Foto: dpa
Verordnungsanstieg: Sieben Prozent der elfjährigen Jungen und zwei Prozent der gleichaltrigen Mädchen erhielten 2011 Methylphenidat gegen ADHS. Foto: dpa

Der Anstieg der Diagnoseraten erscheint dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Barmer-GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, inflationär: „Wir müssen aufpassen, dass die ADHS-Diagnostik nicht aus dem Ruder läuft.“ Pillen gegen Erziehungsprobleme seien der falsche Weg. Es komme auf trennscharfe Diagnosen an. Außerdem gebe es eine Reihe von Therapieoptionen, wie zum Beispiel Elterntraining oder Verhaltenstherapie. „Ritalin darf nicht per se das Mittel der ersten Wahl sein.“

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Die Verordnungsraten von Methylphenidat sind zwischen 2006 und 2011 ebenfalls gestiegen. Die höchsten Verordnungsraten gibt es bei Elfjährigen. ER

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