ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2013Gesund­heits­förder­ung: Gemeinsam stark - Special Olympics

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Gesund­heits­förder­ung: Gemeinsam stark - Special Olympics

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-216 / B-200 / C-200

Kaschke, Imke

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Auch bei den Nationalen Winterspielen für Menschen mit geistiger Behinderung in Garmisch-Partenkirchen wurde den Teilnehmern das Gesund­heits­förder­ungsprogramm von Healthy Athletes angeboten.

Das Team von Healthy Athletes bei der Eröffnung des Gesundheitsprogramms. Foto: ADAC/Tom Gonsior
Das Team von Healthy Athletes bei der Eröffnung des Gesundheitsprogramms. Foto: ADAC/Tom Gonsior

Vom 14. bis zum 17. Januar 2013 fanden die Special Olympics Garmisch-Partenkirchen, die Nationalen Winterspiele für Menschen mit geistiger (und mehrfacher) Behinderung, statt. Die Bilanz von Teilnehmern, Gastgebern und Organisatoren fällt durchweg positiv aus. „Wir hatten Winterspiele von hoher Qualität, es hat einfach alles gestimmt“, sagte der Präsident des Organisationskomitees, Hansgeorg Hauser. „Das Motto der Spiele – ,Gemeinsam stark‘ – ist in den vergangenen vier Tagen hier von den Athletinnen und Athleten, den Gastgebern, Organisatoren und der Bevölkerung mit Leben erfüllt worden.“ Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, erklärte bei der Eröffnungsveranstaltung, dass sie die Schirmherrschaft über Special Olympics Deutschland übernommen habe.

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Mit 700 Athleten aus 13 Bundesländern verzeichneten die Nationalen Winterspiele 2013 einen Teilnehmerrekord. Mehr als 4 500 Zuschauer besuchten die sportlichen Wettbewerbe und Veranstaltungen, Hunderte Schüler aus Garmisch-Partenkirchen und Umgebung engagierten sich als Volunteers oder in Fanprojekten.

Das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes

Mit dem Programm Healthy Athletes zur Verbesserung von Gesundheit und Fitness, das es seit 2004 auch in Deutschland gibt, bietet Special Olympics allen Athletinnen und Athleten bei internationalen, nationalen und zunehmend auch bei regionalen Sportveranstaltungen kostenfreie, umfassende Gesundheitsberatungen und Kontrolluntersuchungen an. Healthy Athletes trägt dazu bei, Lücken im Bereich der Gesund­heits­förder­ung und Prävention zu schließen; denn Menschen mit geistiger Behinderung oder Lernbehinderung haben ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen. Seit der Einführung wurden in Deutschland mit Unterstützung von circa 2 400 ehrenamtlichen Volunteers mehr als 20 000 Screenings durchgeführt.

Das Gesundheitsangebot umfasst folgende Bereiche: Beratungen zur gesunden Ernährung und Lebensweise, Untersuchungen des Hörvermögens und der Sehfähigkeit, Zahn- und Mundgesundheitsprogramm, Physiotherapie- und Podologieprogramm. Die ehrenamtlichen Leiter der Bereiche bilden entsprechend der medizinischen Disziplinen regelmäßig Volunteers fort, die aus den Veranstaltungsorten und der Umgebung gewonnen werden, und kalibrieren diese für die weltweit nach gleichen Kriterien stattfindenden Untersuchungen. Durch die Einbindung dieser vielen freiwilligen Fachleute (Ärzte, Zahnärzte, Studierende und medizinisches Fachpersonal) am Healthy-Athletes-Programm werden diese darüber hinaus für die besonderen Belange von Menschen mit geistiger Behinderung sensibilisiert. Das Gesundheitsprogramm kooperiert seit mehreren Jahren mit der Bundeszahnärztekammer und seit Mai 2011 auch erfolgreich mit der Bundes­ärzte­kammer. Darüber hinaus bestehen Kooperationen, zum Beispiel mit dem Verband der Augenoptikerinnung.

Viele der untersuchten Athleten litten an einer Hörstörung, die bis dahin nicht diagnostiziert worden war. Foto: Kaschke SOD
Viele der untersuchten Athleten litten an einer Hörstörung, die bis dahin nicht diagnostiziert worden war. Foto: Kaschke SOD

Die Screeningergebnisse bilden die weltweit größte Datenbasis zum Gesundheitszustand von Menschen mit geistiger Behinderung. Die Healthy-Athletes-Ergebnisse in Deutschland zeigen, dass ein noch größeres Augenmerk auf die Gesundheit der Athleten mit geistiger Behinderung zu richten ist. Fast jeder dritte Teilnehmer am Gesundheitsprogramm benötigt eine Weiterbehandlung beim Hörspezialisten oder HNO-Arzt. Dieser Wert überschreitet bei weitem die Prävalenz versorgungsbedürftiger Hörstörungen bei Erwachsenen ohne geistige Behinderung, die altersabhängig zwischen zwei und vier Prozent liegt. Sogar bei jedem zweiten untersuchten Athleten ist eine zahnärztliche Behandlung, bei mehr als 50 Prozent der Untersuchten eine Sehkorrektur erforderlich; sie erhielten beim Augenprogramm unentgeltlich eine korrekte Sehhilfe. Nahezu 40 Prozent der Athleten sind übergewichtig, und mehr als 70 Prozent haben bei der podologischen Untersuchung Nagel- oder Hauterkrankungen.

Special Olympics Garmisch-Partenkirchen 2013

Während der Special Olympics Garmisch-Partenkirchen wurde das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes unter Leitung der jeweiligen ehrenamtlichen Koordinatoren in drei Bereichen angeboten: Physiotherapie, Ohruntersuchung und Hörprüfung, Zahn- und Mundgesundheitsuntersuchung. Mit Unterstützung der Bayerischen Ärzte- und Zahnärztekammer sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München fanden mehr als 800 kostenfreie Beratungen und Untersuchungen durch etwa 90 ehrenamtlich engagierte Volunteers – Ärzte, Zahnärzte, Medizin- und Zahnmedizinstudierende, Physiotherapeuten und medizinisches Fachpersonal – statt.

HNO-Arzt Alexander Indermark, Leiter von Healthy Hearing – Untersuchungen des Hörvermögens – freut sich vor allem „über das große Interesse und die Unterstützung der ärztlichen Kollegen“ und hofft für die Zukunft auf das ehrenamtliche Engagement vieler Kollegen bei den regionalen Veranstaltungen von Special Olympics. Für die bayerische Koordinatorin von Healthy Hearing, Dr. med. Maria Schuster, Oberärztin für Audiologie, Phoniatrie und Pädaudiologie, steht fest, dass „insbesondere mit diesen Angeboten in kurzer Zeit sehr viele Menschen mit geistiger Behinderung erreicht werden können, was im Alltag nicht zu schaffen ist“. Nach den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen sei geplant, dieses Gesundheitsprogramm auch regional für Menschen mit geistiger Behinderung anzubieten.

Die bei den Beratungen und Untersuchungen erhobenen Daten dienen auch dazu, den medizinischen Bedarf aufzudecken und damit eine verbesserte Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung zu ermöglichen. Die Untersuchungen in Garmisch-Partenkirchen haben die vorliegenden Daten bestätigt: Durchschnittlich benötigten 45 Prozent der untersuchten Athleten die Entfernung von Zerumen, 27 Prozent von ihnen bestanden das Hörscreening nicht, aber nur in etwa fünf Prozent der Fälle war zuvor eine Hörstörung bekannt. Knapp 50 Prozent der Athleten erhalten die Empfehlung, einen HNO-Arzt, Phoniater/Pädaudiologen oder Hörgeräteakustiker aus mindestens einem der folgenden Gründe aufzusuchen:

  • regelmäßige Kontrolle wegen Zerumen
  • Probleme des äußeren Gehörgangs
  • Probleme des Mittelohrs und
  • audiometrische Untersuchung.

Sommerspiele 2014 in Düsseldorf

Der Staffelstab wurde anlässlich der Abschlussfeier der Special Olympics Garmisch-Partenkirchen weitergereicht. Die Nationalen Sommerspiele 2014 finden vom 19. bis 23. Mai 2014 in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens statt. Auch dort wird Healthy Athletes dabei sein und die ehrenamtliche Unterstützung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal benötigen.

Dr. Imke Kaschke MPH

Managerin Healthy Athletes®

Special Olympics Deutschland e.V.

imke.kaschke@specialolympics.de

Special Olympics

Special Olympics wurde in den 1960er Jahren in den USA von Eunice Kennedy-Shriver, der Schwester von John F. Kennedy, aus der Idee heraus gegründet, Menschen mit geistiger Behinderung eine Teilhabe an Sportaktivitäten und -veranstaltungen zu ermöglichen. Heute ist Special Olympics mit mehr als 3,1 Millionen Athletinnen und Athleten in 175 Ländern vertreten und somit weltweit die größte, vom IOC offiziell anerkannte Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Special Olympics Deutschland (SOD) wurde 1991 gegründet und verschafft Kindern und Erwachsenen mit geistiger Behinderung durch ganzjähriges, regelmäßiges Sporttraining und Wettbewerbe in einer Vielzahl von Sportarten Zugangs- und Wahlmöglichkeiten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dies reicht von wettbewerbsfreien Angeboten über die Teilnahme an Sportarten bis zu integrativen Mannschaften. Menschen mit geistiger Behinderung können aus diesem Angebot selbstbestimmt nach eigenen Interessen, Bedürfnissen und Wünschen auswählen.

Special Olympics ist dabei mehr als Sport und versteht sich als Alltagsbewegung mit einem ganzheitlichen Angebot. Ein Beispiel dafür ist das weltweite Gesundheitsförderprogramm Healthy Athletes zur Verbesserung von Gesundheit und Fitness.

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