ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2013Europaweites Netzwerk gegen Antibiotikaresistenz gefordert

AKTUELL: Akut

Europaweites Netzwerk gegen Antibiotikaresistenz gefordert

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-200 / B-188 / C-188

Siegmund-Schultze, Nicola

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Wegen der internationalen Ausbreitung antibiotikaresistenter Bakterien und einem Vakuum bei der Entwicklung von Substanzen mit neuartigen Wirkprinzipien droht eine Antibiotikakrise: „Wir sind in den therapeutischen Optionen eingeschränkt, zum Beispiel bei Erregern aus dem Spektrum der gramnegativen Bakterien“, sagte Prof. Dr. med. Heike Brötz-Oesterhelt, Universitätsklinik Düsseldorf, beim 37. Interdisziplinären Forum der Bundes­ärzte­kammer in Berlin. In der Human- und in der Veterinärmedizin müsse die Anwendung von Antibiotika unter dem Leitsatz stehen, dass „Antibiotika etwas Schützenswertes sind“.

Die meisten in klinischer Entwicklung befindlichen Antibiotika stammten aus etablierten Substanzklassen, seien i.v. applizierbar, und unter ihnen gebe es nur wenige mit guter Aktivität gegen gramnegative Bakterien wie Pseudomonas sp. und ESBL. „Wir haben derzeit noch Resistenzbrecher aus bekannten Antibiotikaklassen, aber es gibt großen Bedarf an peroral wirksamen, gut penetrierenden Substanzen, neuen Medikamenten für pädiatrische Patienten und einen massiven Mangel an innovativen Wirkstoffklassen“, erklärte Brötz-Oesterhelt.

Das Europäische Parlament hat vor kurzem mit großer Mehrheit eine Entschließung für Maßnahmen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen verabschiedet. „Es darf uns nicht ruhen lassen, dass jährlich circa 25 000 Menschen in Europa an Infektionen mit resistenten Bakterien sterben“, meinte der Europaabgeordnete Dr. med. Peter Liese. Zu den Forderungen gehöre, dass Patienten in Beipackzetteln deutlichere Hinweise zur korrekten Einnahme von Antibiotika erhielten, eine Forschungsförderung, die Anreize für die Entwicklung neuer Antibiotika inklusive Reservepräparate schaffe, und eine Reduzierung von Antibiotika in der Tiermast, kombiniert mit einer besseren Kontrolle. Es sollte ein europäisches Netzwerk nationaler Überwachungssysteme für den Human- und Veterinärbereich in den 27 Mitgliedstaaten geschaffen werden, um Tiere und Tierprodukte strenger zu kontrollieren.

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Der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) kann von Nutztieren auf den Menschen übertragen werden und tiefgehende Haut-Weichgewebe-Infektionen hervorrufen, die einer chirurgischen Intervention bedürfen. Anders als in konventionell betriebenen Schweinemastanlagen sind bei alternativen Haltungsformen weder Tiere noch tierexponierte Menschen mit MRSA besiedelt (Bundesgesundheitsblatt 2012; 11/12: 1385).

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

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