ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2013Diskriminierung wegen Kopftuchverbot in der Praxis

RECHTSREPORT

Diskriminierung wegen Kopftuchverbot in der Praxis

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-244 / B-228 / C-228

Berner, Barbara

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Wird eine Bewerberin um eine Ausbildungsstelle als Zahnmedizinische Fachangestellte wegen des Tragens eines Kopftuchs abgelehnt, hat sie einen Anspruch auf Entschädigung nach dem Antidiskriminierungsgesetz (AGG). Dies hat das Arbeitsgericht Berlin entschieden.

Bei einer Zahnarztpraxis hatte sich eine muslimische Abiturientin beworben. In dem Bewerbungsgespräch wies der Zahnarzt darauf hin, dass in der Zahnarztpraxis einheitliche Kleidung verlangt werde. Das Kopftuch, das sie wegen ihres muslimischen Glaubens trage, müsse die Frau daher ablegen. Als sie dies zurückwies, erhielt sie eine Absage. Das Arbeitsgericht ist ihrer Auffassung gefolgt, dass sie wegen ihrer Religion diskriminiert worden sei.

Das Kopftuch ist kein gewöhnliches Kleidungs- oder Schmuckstück, bei dem der Ausbilder aus Gründen der Arbeitssicherheit, der Ästhetik, der Gleichbehandlung oder der Normsetzung im Rahmen einer Kleiderordnung das Ablegen begehren könnte. Vielmehr stellt es den unmittelbaren Ausdruck der eigenen Religiosität gegenüber der Umwelt dar, und sein Tragen ist Akt der Religionsausübung. Das Tragen des Kopftuches steht somit nicht im Belieben der Klägerin, sondern ist Bestandteil ihres Bekenntnisses. Es bestehe kein medizinischer Grund das Kopftuch abzulegen. Der Zahnarzt könne sich in diesen Fällen auch nicht auf seine Berufsausübungsfreiheit berufen, da das AGG dies einschränke. Das Arbeitsgericht hat der Abiturientin eine Entschädigung in Höhe von drei Monatsgehältern zugesprochen. (Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 28. März 2012, Az.: 55 Ca 2426/12) RAin Barbara Berner

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige