ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2013Engwinkelglaukom: Linsenentfernung senkt den Augeninnendruck effektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Engwinkelglaukom: Linsenentfernung senkt den Augeninnendruck effektiv

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-224 / B-210 / C-210

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ein primärer Verschluss des Kammerwinkels ist das Ergebnis enger anatomischer Verhältnisse im vorderen Augensegment; der dabei entstehende Kontakt der peripheren Iris mit dem Trabekelmaschenwerk löst das Engwinkelglaukom aus, das für etwa die Hälfte aller Glaukomerblindungen weltweit verantwortlich ist (in Europa ist allerdings das primäre Offenwinkelglaukom häufiger). Bei vielen der betroffenen Augen liegt eine dickere und weiter nach vorn als normal verlagerte Linse vor – Augen mit engen Kammerwinkelverhältnissen sind oft von kurzer Achsenlänge und damit häufig weitsichtig.

Kommt der Engwinkelpatient in das Alter, in dem eine Katarakt, eine Trübung der Linse, manifest wird, kann der Ophthalmochirurg zwei Probleme gleichzeitig beheben: Die Entfernung der bereits über eine visusrelevante Trübung verfügenden Linse kann zu einer deutlicheren Senkung des Intraokulardrucks (IOD) führen als die standardmäßig bei diesen Augen durchgeführte Prophylaxe, die periphere Laseriridotomie. Eine Studiengruppe des renommierten Moorfields Eye Hospitals in London hat an
55 Augen mit Kammerwinkelverschluss von 39 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 71 Jahren bei einer Nachbeobachtungszeit von 7 Monaten eine Senkung des Augeninnendrucks von präoperativ durchschnittlich 18,7 mmHg auf postoperativ 14,1 mmHg dokumentiert.

Diese IOD-Reduktion war besonders ausgeprägt in jenen Fällen, bei denen sie therapeutisch hochwillkommen ist: bei Patienten mit manifestem Engwinkelglaukom, also mit Schädigung des Sehnervs (Senkung um 5,6 mmHg vs. 2,5 mmHg bei Engwinkel ohne Optikusschaden) und bei Augen mit sehr hohem Ausgangs-IOD: Patienten mit präoperativem Druckwert zwischen 22 und 30 mmHg verzeichneten einen durchschnittlichen Rückgang um 9 mmHg, jene mit einem IOD vor der Kataraktoperation über 31 mmHg sogar eine Reduktion um 17 mmHg. Die für eine Phakoemulsifikation (die Zertrümmerung und Absaugung der Linse mit Ultraschall bei anschließender Implantation einer Kunstlinse) typische Visusverbesserung verzeichneten drei Viertel der Patienten; in Fällen von fortgeschrittener glaukomatöser Sehnervschädigung ist kaum ein Funktionsgewinn zu erwarten.

Fazit: Mit der Linsenextraktion kann eine Augendrucksenkung erzielt werden, die bei zahlreichen Engwinkelglaukompatienten relevant ist und zum Beispiel zu einer Reduzierung der antiglaukomatösen Medikamente führt oder eine Trabekulektomie vermeiden lässt, die gerade bei den besonderen anatomischen Verhältnissen des kurzen Bulbus häufig nicht ohne Komplikationen verläuft.

Vom Engwinkelglaukom werden im Jahr 2020 Schätzungen zufolge weltweit 20,7 Millionen betroffenen sein. Es wird mit 5,3 Millionen beidseits an dieser Glaukomform Erblindeten gerechnet.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Shams PN, Foster PJ: Clinical outcomes after lens extraction for visually significant cataract in eyes with primary angle closure. J Glaucoma 2012; 21: 545–50. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema