ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2013„Vampirismus“: Diagnostische Einordnung umstritten

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„Vampirismus“: Diagnostische Einordnung umstritten

PP 12, Ausgabe Februar 2013, Seite 82

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Die Gier nach menschlichem Blut gehört eher in die Welt der Mythen als in die reale. Es gibt jedoch seltene Fälle, in denen Patienten sich selbst oder andere verletzen oder sich Blutkonserven besorgen, um Blut trinken zu können. Die diagnostische Einordnung eines solchen „Vampirismus“ ist schwierig und umstritten. Er wird in der Fachliteratur beispielsweise als mentale Retardation, sexuell gefärbte Aggression oder Form der Schizophrenie bezeichnet. Türkische Psychopathologen um Direnc Sakarya vom Denizli Military Hospital (Denizli, Türkei) und von der Universität Istanbul (Istanbul, Türkei) beschreiben jetzt hingegen einen Fall, der dissoziative Züge trägt. Es handelt sich um einen 23-jährigen Mann, der eine „Sucht nach menschlichem Blut“ verspürt, seit er Zeuge mehrerer Todesfälle und Morde geworden ist. Er ist gewalttätig, kriminell und suizidal und kommt aus schwierigen Verhältnissen. Innerlich empfindet er sich als zwei getrennte Wesen, wobei er sich an die Taten (wie Bluttrinken) des einen Wesens nicht erinnern kann. Aufgrund der Abspaltung von Ich-Anteilen ordnen die Autoren die Störung als dissoziative Identitätsstörung ein, kombiniert mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Diese diagnostische Einordnung könnte zu einer gezielteren Behandlung führen, denn die Psychopharmaka, mit denen der Patient bisher behandelt wurde, haben nicht dazu beigetragen, seine außergewöhnliche Sucht zu beenden. ms

Sakarya D, Gunes C, Ozturk E, Sar V: „Vampirism“ in a case of dissociative identity disorder and post-traumatic stress disorder. Psychotherapy and Psychosomatics 2012; 81(6): 322–3.

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