ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2013Traumatisierte Patienten: EMDR beeinflusst Teile des Gedächtnisses

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Traumatisierte Patienten: EMDR beeinflusst Teile des Gedächtnisses

PP 12, Ausgabe Februar 2013, Seite 83

MS

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Ein Spezifikum des Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) besteht in den gelenkten, rhythmischen Augenbewegungen. Dass sie traumatisierten Patienten helfen, ihre Traumata zu überwinden, wurde mehrfach empirisch nachgewiesen. Trotzdem ist immer noch unklar, welche Wirkung die Augenbewegungen genau entfalten. Die beiden Psychologen Fiona Jeffries und Paul Davis von der University of Surrey (Großbritannien) haben verschiedene Studien ausgewertet, die sich mit der Wirkung von EMDR befasst haben. Sie kamen zum Ergebnis, dass die Augenbewegungen ein essenzieller Bestandteil der Therapie sind. Die Augenbewegungen tragen möglicherweise zu einer bilateralen Stimulierung des Gehirns bei, sodass die beiden Gehirnhälften besser synchronisiert werden. Dies verbessert den Zugang zum episodischen Gedächtnis und zu traumatischen Erinnerungen. Darüber hinaus werden Bilder des Traumas im räumlich-visuellen Speicher abgeschwächt. Da die Augenbewegungen eine visuelle und räumliche Komponente enthalten, wird das Arbeitsgedächtnis stärker beansprucht und ist weniger auf die traumatischen Erinnerungen konzentriert.

Der Einfluss der Augenbewegungen auf verschiedene Gedächtnissysteme im Gehirn bewirkt, dass die Angst, die traumatische Erinnerungen hervorrufen, reduziert wird, dass der Zugang zu traumatischen Erinnerungen und ihre Verarbeitung erleichtert werden und dass Missempfindungen im Zusammenhang mit dem Trauma abgebaut werden.

„Es gibt bisher keine klaren Hinweise dafür, dass EMDR einer traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie über- oder unterlegen ist“, berichten die Autoren. Die Entscheidungen für eine der beiden Methoden (oder für eine Kombination aus beiden) sollte daher dem Patienten und dem Therapeuten überlassen bleiben. ms

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Jeffries F, Davis P: What is the role of eye movements in Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) for Post-Traumatic Stress Disorder (PTSD)? Behavioural and Cognitive Psychotherapy, published online 29.10.2012, DOI: 10.1017/S1352465812000793.

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