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ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2013Psychotherapie in der Frühen Kindheit: Dem hohen Anspruch gerecht geworden

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Psychotherapie in der Frühen Kindheit: Dem hohen Anspruch gerecht geworden

Röpke, Christine

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Frühe Kindheit (0 bis 3 Jahre), Beratung und Psychotherapie für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern – ein hoher Anspruch, wenn man bedenkt, dass die Entwicklungszeit zwischen null und drei Jahren fast unüberschaubar komplex und grundlegend strukturierend für das gesamte spätere Leben ist. Und nicht nur das – zusätzlich kompliziert wird die Thematik durch die Tatsache, dass man sie nicht lediglich vom künftigen Klienten oder Patienten, dem Kind aus, betrachten kann, sondern ganz wesentlich die Mutter, den Vater, das elterliche Beziehungssystem sowie die Umweltbedingungen mitberücksichtigen muss.

Dem vorliegenden „Handbuch“, wie es der Herausgeber Manfred Cierpka selbst in seinem Vorwort klassifiziert, ist es in erstaunlicher Weise gelungen, diesem Anspruch gerecht zu werden.

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Schon das 14-seitige Inhaltsverzeichnis hilft dem Leser schnell zu dem Kapitel zu finden, das ihm auf eine konkret auftauchende Frage schnell eine gleichermaßen präzise, aber auch durchaus vertiefende Antwort gibt. Sieben ausführliche Kapitel zeigen den Weg von den „Grundlagen: Entwicklung des Kindes und Anforderungen an die Familie“, „Regulationsstörungen“ und „Problemstellungen und Belastungen“ über „Die Beratungs- und Psychotherapiekonzepte“ zu den „Diagnostischen Methoden“, den „Effekten der Säuglings-/Kleinkindinterventionen“ und „Präventiven Konzepten“. Die feingliedrige Unterteilung des jeweiligen großen Kapitels weist auf eine umfangreiche und gründliche Beleuchtung des Themas aus den verschiedensten Theoriekonzepten, aber auch wissenschaftlichen Disziplinen hin.

Mit besonderem Interesse habe ich den Teil der Grundlagen gelesen, der sich mit „pränataler Entwicklung und neurobiologischen Grundlagen der psychischen Entwicklung“ beschäftigt und dabei einen guten Überblick liefert über Aufbau, Bedeutung und Vulnerabilität der sechs neurobiologisch-psychischen Grundsysteme: Stressverarbeitung, Selbstberuhigung, Selbstbewertung und Motivation, Impulskontrolle, Bindung und Empathie, Realitätssinn und Risikowahrnehmung.

Ein Muss für alle, die mit kleinen Kindern arbeiten. Analytische Kollegen, die mit erwachsenen Patienten arbeiten, finden darin ebenfalls bedeutsame Inhalte zu psychischen Erlebens- und Verarbeitungsmechanismen der gleichermaßen reichen und vulnerablen frühen Entwicklungszeit. Christine Röpke

Manfred Cierpka (Hrsg): Frühe Kindheit 0-3 Jahre. Beratung und Psychotherapie für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern. Springer, Berlin 2012, 552 Seiten, gebunden, 52,99 Euro

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