ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2013Berichte an den Gutachter: Leitfaden mit aufmunternder Grundhaltung

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Berichte an den Gutachter: Leitfaden mit aufmunternder Grundhaltung

PP 12, Ausgabe Februar 2013, Seite 85

Mackenthun, Gerald

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Die Bücher von Udo Boessmann sind bislang Standard bei der oftmals mühsamen und ungeliebten Abfassung von Berichten für die Beantragung einer ambulanten Psychotherapie. Kann der Bonner Psychotherapeut Dieter Adler mit diesem Buch etwas Neues bringen? Der erste Eindruck: Das Buch ist mit unhandlichen 584 Seiten zu dick. Müssen wirklich alle Vorschriften, Richtlinien und Formulare in einem mehr als 100 Seiten umfassenden Anhang abgedruckt werden, zumal sie sich noch einmal auf der beiliegenden CD befinden?

Auf den zweiten Blick freilich bündelt Adlers Angebot alle relevanten Themen, die man bei Boessmann auf mehrere Bücher verteilt vorfindet, und greift zudem noch ein wenig darüber hinaus. Denn Adler beginnt nicht mit fachlichen Fragen, sondern beschäftigt sich zunächst ausführlich mit den psychologischen Hemmschwellen, denen sich viele niedergelassene Therapeuten beim Abfassen von Antragsberichten gegenübersehen. Die inneren Widerstände sind durchaus überwindbar und zugleich psychologisch interessant. Hat der Therapeut keine Lust, einen Bericht zu schreiben, weil er mit dem Patienten nicht wirklich zusammenarbeiten will? Oder bricht der Therapeut wegen unzulänglicher Organisiertheit vor dem Berg anstehender Berichte zusammen?

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Im hinteren Teil des Buches werden praktische Tipps zur Bewältigung des Antragsverfahrens gegeben. Adler entwickelte dazu ein Software-Programm, das aus der Sicht des erfahrenen Praktikers vor allem den Ausbildungskandidaten und Therapeuten-Neulingen zur Hand gehen möchte. Das der beiliegenden CD aufgespielte Programm „Antrag Pro“ darf der Käufer des Buches ein halbes Jahr lang kostenlos ausprobieren. Bei Weiterverwendung werden mindestens 289,00 Euro fällig. Die Software ist so aufgebaut, dass in einem Fenster Formulierungsvorschläge für den jeweiligen Berichtspunkt gemacht werden, die in einem zweiten Fenster an den jeweiligen Patientenbericht angepasst werden können. Die Registrierungsnummer zur Aktivierung befindet sich versteckt auf Seite 467. Das Programm kann auch über das Internet heruntergeladen werden.

Zurück zum Buch: Natürlich werden sämtliche Themen rund um das Berichteschreiben anschaulich und umfänglich behandelt. Mit Hilfe von zahlreichen Textbeispielen kann der Therapeut Punkt für Punkt seines Antragsberichtes abarbeiten. Es komme darauf an, betont der Autor, über den Patienten eine stringente und lebendige Geschichte zu erzählen. Für ihn sei die Anamnese schwerer zu schreiben als die allgemein gefürchtete Psychodynamik. In der Sozialgeschichte sollen die wesentlichen Fakten, die zur Störung führten, herausgearbeitet werden.

Adler nimmt alle Antragsformen auch anhand von Musterberichten durch und bespricht die möglichen Reaktionen der Gutachter (vor allem die Ablehnungen) sowie die angemessenen Antworten der Therapeuten darauf. Gutachter seien keine „natürlichen Gegner“ des Psychotherapeuten und Angst vor ihnen sei unbegründet. Die aufmunternde Grundhaltung Adlers spornt an.

Mit Adlers Leitfaden wird die vorhandene Literatur zum Berichteschreiben um ein beachtenswertes Buch ergänzt. Das Handbuch ist ganz auf die tiefenpsychologisch fundierte und die psychoanalytische Psychotherapie zugeschnitten, einschließlich der Kinder- und Jugendlichen- und der Gruppenpsychotherapie. Die Verhaltenstherapie blieb hier ausgeklammert. Gerald Mackenthun

Dieter Adler: Der Antrag auf psychodynamische Psychotherapie. Ein Leitfaden zur Berichterstattung (inkl. Kinder- und Jugendlichen- und Gruppenpsychotherapie). Mit Begleit-CD und Programm „Antrag Pro 2.0“. Psychosozial-Verlag, Gießen 2012, 584 Seiten, gebunden, 59,90 Euro

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