ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2013Qualitätsanalyse überfällig
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Kutschmann et al. (1) analysierten Neonataldaten von circa 7 400 Frühgeborenen aus den Jahren 2007–2009 aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und fanden, dass das risikoadjustierte Sterberisiko in kleineren Krankenhäusern mit einer geringeren Fallzahl von < 30 Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht < 1 500 g pro Jahr signifikant höher war, als in Häusern mit einer höheren Fallzahl (Odds Ratio: 1,34). Dieses Ergebnis unterstützt frühere Ergebnisse aus Niedersachsen. Bartels et al. (2) untersuchten die Mortalität aller Lebendgeborener. In der Arbeit von Kutschmann et al. (1) hingegen wurden nur von den Krankenhäusern eingereichte Behandlungsdaten (an die Neonatalerhebung gemeldete Aufnahmen in die Kinderklinik) analysiert. Die Autoren verweisen in ihrer Diskussion darauf, dass im Vergleich zur amtlichen Geburtenstatistik circa 33 % der Todesfälle von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht < 1 000 g in der Neonatalerhebung fehlen (3), und dass die Erfassungslücke seit 2010 geschlossen sei. Diese Annahme erweist sich derzeit als falsch, zumal zum Beispiel in Baden-Württemberg von den 99 laut amtlicher Statistik im Jahr 2010 lebend gemeldeten Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht < 500 g nur 56 an die Neonatalerhebung gemeldet wurden. Laut amtlicher Statistik sind davon 28 Kinder gestorben, in der Neonatalerhebung wurden aber nur 13 Todesfälle registriert. In Bayern wurden im Jahr 2010 von 69 amtlich registrierten Frühgeborenen < 500 g nur 34 an die Neonatalerhebung gemeldet, von den 39 amtlich registrierten Todesfällen wurden nur 15 in der Neonatalerhebung erfasst. Eine an das Geburtenregister gekoppelte Qualitätsanalyse ist überfällig. Ein Blick in skandinavische Länder zeigt, dass eine solche Erfassung möglich ist, die Datenqualität verbessert und wichtige Erkenntnisse liefern kann (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0117b

Prof. Dr. med. Helmut Hummler

Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Ulm

helmut.hummler@uniklinik-ulm.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Kutschmann M, Bungard S, Kötting J, Trümner A, Fusch C, Veit C:
The care of preterm infants with birth weight below 1 250 g: risk-adjusted quality benchmarking as part of validating a caseload-based management system. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(31–32): 519–26 VOLLTEXT
2.
Bartels DB, Wypij D, Wenzlaff P, Dammann O, Poets CF: Hospital volume and neonatal mortality among very low birth weight infants. Pediatrics 2006; 117: 2206–14. CrossRef MEDLINE
3.
Hummler HD, Poets C: Mortalität sehr unreifer ̈Frühgeborener – Erhebliche Diskrepanz zwischen Neonatalerhebung und amtlicher Geburten-/Sterbestatistik. Z Geburtshilfe Neonatol 2011; 215: 10–7. CrossRef MEDLINE
4.
The EXPRESS Group: One-year survival of extremely preterm infants after active perinatal care in Sweden. JAMA 2009; 301: 2225–33. CrossRef MEDLINE
1.Kutschmann M, Bungard S, Kötting J, Trümner A, Fusch C, Veit C:
The care of preterm infants with birth weight below 1 250 g: risk-adjusted quality benchmarking as part of validating a caseload-based management system. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(31–32): 519–26 VOLLTEXT
2.Bartels DB, Wypij D, Wenzlaff P, Dammann O, Poets CF: Hospital volume and neonatal mortality among very low birth weight infants. Pediatrics 2006; 117: 2206–14. CrossRef MEDLINE
3.Hummler HD, Poets C: Mortalität sehr unreifer ̈Frühgeborener – Erhebliche Diskrepanz zwischen Neonatalerhebung und amtlicher Geburten-/Sterbestatistik. Z Geburtshilfe Neonatol 2011; 215: 10–7. CrossRef MEDLINE
4.The EXPRESS Group: One-year survival of extremely preterm infants after active perinatal care in Sweden. JAMA 2009; 301: 2225–33. CrossRef MEDLINE

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