ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2013Diabetes mellitus: Die Inzidenz ist bei Brustkrebsüberlebenden erhöht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes mellitus: Die Inzidenz ist bei Brustkrebsüberlebenden erhöht

Dtsch Arztebl 2013; 110(7): A-273 / B-254 / C-254

Siegmund-Schultze, Nicola

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Eine Assoziation zwischen der Entwicklung eines Mammakarzinoms und Diabetes wird seit längerem vermutet. Offen war bislang, ob die Inzidenz des Diabetes bei postmenopausalen Frauen mit Mammakarzinom erhöht ist. Diese Frage untersuchten kanadische Forscher in einer populationsbasierten Kohortenstudie mit 24 976 Brustkrebsüberlebenden (55 Jahre oder älter; Diagnose 1996–2008). Jeder Patientin wurden fünf in Bezug auf relevante Parameter wie Morbidität, Alter und Wohnort gematchte Kontrollen ohne Brustkrebs zugeordnet (124 880 Frauen). Diabetes in der Anamnese war ausgeschlossen.

9,7 % aller Teilnehmerinnen hatten nach zehn Jahren Diabetes. Die kumulative Diabetesinzidenz betrug 19,6/1 000 Personenjahre bei Brustkrebsüberlebenden mit adjuvanter Chemotherapie, 18/1 000 Personenjahre bei Krebsüberlebenden ohne Chemotherapie und 16,1/1 000 Personenjahre bei Frauen ohne Mammakarzinom. Die Diabetes-Risiko-Erhöhung der Mammakarzinomüberlebenden im Vergleich zur Kontrollpopulation lag zwei Jahre nach Diagnose bei 7 % und erreichte nach zehn Jahren eine Hazard Ratio (HR) von 1,21 (95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,09 bis 1,35). Bei unbehandelten Krebspatientinnen stieg das Risiko langsamer als unter adjuvanter Therapie und war zehn Jahre nach Diagnose um 24 % (95-%-KI 1,10 bis 1,38) erhöht. Unter adjuvanter Therapie (n = 4 404) erhöhte es sich in zwei Jahren um den gleichen Faktor (HR 1,24; 95-%-KI 1,12 bis 1,38), sank aber auf 8 % nach zehn Jahren ab.

Adjustierte Hazard Ratio für die Diabetesinzidenz von Frauen mit Brustkrebsdiagnose versus Frauen ohne Mammakarzinom im Beobachtungszeitraum bis zu zehn Jahren
Adjustierte Hazard Ratio für die Diabetesinzidenz von Frauen mit Brustkrebsdiagnose versus Frauen ohne Mammakarzinom im Beobachtungszeitraum bis zu zehn Jahren
Grafik
Adjustierte Hazard Ratio für die Diabetesinzidenz von Frauen mit Brustkrebsdiagnose versus Frauen ohne Mammakarzinom im Beobachtungszeitraum bis zu zehn Jahren

Fazit: Die Häufigkeit für Diabetes ist für postmenopausale Frauen mit Mammakarzinom moderat erhöht und variiert mit dem zeitlichen Abstand zur Diagnose und der Behandlung. Als mögliche Ursachen werden Gewichtszunahme unter Chemotherapie diskutiert und der Einfluss von Glukokortikoiden zur Behandlung von Übelkeit auf den Zuckerstoffwechsel. Ein für beide Erkrankungen überlappender Risikofaktor ist die Insulinresistenz.

„Die Studiendaten lassen es sinnvoll erscheinen, Frauen mit Mammakarzinom intensiver als bisher auf Diabetes zu untersuchen“, kommentiert der Diabetologe Prof. Dr. med. Manfred Dreyer, Leiter des Zentrums für Innere Medizin am Asklepios-Westklinikum Hamburg. „Dies gilt umso mehr bei Vorliegen weiterer klassischer Diabetesrisikofaktoren wie Adipositas, positive Familienanamnese und Gestationsdiabetes in der Anamnese.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Lipscombe LL, Chan WW, Yun L, et al.: Incidence of diabetes among postmenopausal breast cancer survivors. Diabetologica 2012; e-pub before print: doi 10.1007/s00125- 012-2793-9 MEDLINE

Adjustierte Hazard Ratio für die Diabetesinzidenz von Frauen mit Brustkrebsdiagnose versus Frauen ohne Mammakarzinom im Beobachtungszeitraum bis zu zehn Jahren
Adjustierte Hazard Ratio für die Diabetesinzidenz von Frauen mit Brustkrebsdiagnose versus Frauen ohne Mammakarzinom im Beobachtungszeitraum bis zu zehn Jahren
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Adjustierte Hazard Ratio für die Diabetesinzidenz von Frauen mit Brustkrebsdiagnose versus Frauen ohne Mammakarzinom im Beobachtungszeitraum bis zu zehn Jahren

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