ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2013Diabetes: Sulfonylharnstoffe erhöhen Herzinfarktrisiko

AKTUELL: Akut

Diabetes: Sulfonylharnstoffe erhöhen Herzinfarktrisiko

Dtsch Arztebl 2013; 110(7): A-250 / B-234 / C-234

EB

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Metformin schützt Patienten mit Typ-2-Diabetes besser vor Herzinfarkten und Schlaganfällen als Medikamente aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe. Dies ergab eine US-amerikanische Studie, die in den „Annals of Internal Medicine“ veröffentlicht wurde (2012; 157: 601– 10). Demnach liegt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter einer Therapie mit Sulfonylharnstoffen um 21 Prozent höher als bei einer Metforminbehandlung. Aus Sicht der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) untermauern die Studienergebnisse die Empfehlung, die Therapie des Typ-2-Diabetes nach Möglichkeit immer mit Metformin zu beginnen.

Viele Diabetespatienten sterben frühzeitig an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Eine multifaktorielle Diabetestherapie, die das Ziel hat, den Blutzucker, die Blutfette sowie den Blutdruck optimal einzustellen, kann dies häufig verhindern“, erläutert Prof. Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der DDG. In den vergangenen Jahren wurde jedoch beobachtet, dass bei gleicher Blutzuckersenkung die Diabetesmedikamente nicht gleich effektiv schützend wirken. So wurde beispielsweise der Wirkstoff Rosiglitazon vor zwei Jahren vom Markt genommen, weil er das Risiko von Herzinfarkten erhöht.

Auch zwischen Metformin und den Sulfonylharnstoffen gibt es diesbezüglich deutliche Unterschiede. Dies ergab jetzt eine Auswertung der Krankenakten von mehr als 250 000 US-Veteranen, die ein Team um Marie Griffin vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville, Tennessee, durchgeführt hat. Bei allen Patienten war ein Typ-2-Diabetes neu diagnostiziert worden. Alle waren zunächst mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff behandelt worden. In den USA verordnen Ärzte vor allem die Sulfonylharnstoffe Glibenclamid und Glipizid, das in Deutschland nicht auf dem Markt ist. Patienten in Deutschland erhalten meist Glibenclamid und Glimepirid.

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Die Auswertung der Krankenakten ergab nun: Unter der Therapie mit Glibenclamid und Glipizid ereigneten sich 21 Prozent mehr Todesfälle oder Krankenhausbehandlungen wegen Herzinfarkt oder Schlaganfall als unter Metformin. „Das erhöhte Risiko war für beide Sulfonylharnstoffe nachweisbar, so dass es sich eher um ein Risiko handeln dürfte, das die Wirkstoffklasse insgesamt und nicht einzelne Wirkstoffe betrifft“, erklärt Prof. Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG aus Tübingen. Die Ursache für die erhöhte Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist nicht bekannt. EB

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