ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996PKV/Ärzte: Nicht akzeptieren
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LNSLNS Ich habe mich entschlossen, den Standardtarif nicht zu akzeptieren. Die so Versicherten werden von den PKVen offenbar propagandistisch als sozial schwach hingestellt. Tatsache ist, daß sie zumindest bei ihrem Eintritt in die PKV durch überdurchschnittliches Einkommen privilegiert waren. Wenn sich dies nicht ganz rosig weiterentwickelt hat, ist das nicht die Schuld von uns Ärzten. Wie die PKVen für solche Mitglieder auch im Alter noch bezahlbare Tarife schaffen, ist ihr Problem: eines des Umgangs mit ihrem Gewissen und nicht eines unseres Verzichts (nach acht Jahren GOÄ-Nullrunde und GSG!). Wahrscheinlich handelt es sich um einen Testballon, wie leicht wir uns jetzt weiterem Druck beugen. (Als Vater von fünf Kindern und nach acht Jahren Afrika-Einsatz glaube ich zu wissen, was Bescheidenheit ist.)
Anfragenden Patienten (und PKVen!) werde ich folgendes mitteilen: "Von Privatpatienten, auch im Rentenalter, nehme ich an, daß sie nicht in finanzieller Not sind. Ich werde daher mein Honorar nach dem 2,3 (beziehungsweise 1,8)fachen GOÄ-Regelsatz berechnen. Um zu dokumentieren, daß mein Motiv nicht Geldgier ist, werde ich die Differenz zum 1,7fachen Satz im Namen des betreffenden Patienten einer Menschenrechtsorganisation geben, die sich wirklich um die Ärmsten der Armen kümmert: der ,Christian Solidarity International' (CSI) aus Singen, die überkonfessionell Hilfe für die seit Jahrzehnten unter Völkermord leidende Bevölkerung des Südsudans leistet. Sicher geht es Ihnen nicht so schlecht, daß Sie für diese geschundenen Menschen nichts erübrigen könnten. Sollten Sie dies dennoch meinen, bitte ich Sie, mir Ihre Notlage offenzulegen, um gemeinsam eine Lösung zu finden – oder aber eine andere Praxis aufzusuchen."
Dr. Holger Tubbesing, Kölnische Straße 4, 34117 Kassel
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