ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2013Gesundheitssystem: Praxisfern

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Gesundheitssystem: Praxisfern

Dtsch Arztebl 2013; 110(7): A-276 / B-257 / C-257

Kornalik, Rainer

Patienten mit ihren Sorgen und Ängsten sind schlechter gestellt als Kunden im Baumarkt (DÄ 47/ 2012: „Patient in Deutschland: Gehört die Zukunft Dr. Google?“ von Markus Müschenich).
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. . . Um Missverständnissen vorzubeugen: Selbstverständlich sind die von Herrn Kollegen Müschenich geforderten Grundkonzeptionen wie einfach und breit verfügbare zentrale Datenbanken mit patientenbezogenen Befunden, Laborwerten etc. in unser aller Interesse (schon seit Jahren!). Auch der mündige, gut informierte Patient findet unsere ungeteilte Zustimmung, sofern er kein Halbwissen aus zweifelhaften Foren gewinnt und dieses dann in „sozialen Netzwerken“ verbreitet. In der Regel stellen sich uns und unseren Patienten hier noch hohe Hürden mit Schweigepflicht, Datenschutz, Schnittstellenproblemen etc. entgegen, die wir leider eben nicht selbst beeinflussen können.

In ungebremster EDV- und internetbasierter Informationstechnologie in naher Zukunft das Heil zu erwarten, zeigt aber einmal mehr die Praxisferne des Schreibers. Wer das Betriebssystem eines Rechners („unauffällig, vernetzt und reibungslos“) als Vorbild für das Gesundheitssystem sieht, hat selbst noch nie etwas mit Datenmigration zwischen verschiedenen Datenbanken, Betriebssystemumstellungen, Festplattenfehlern etc. zu tun gehabt, sonst wüsste er, dass die aktuelle „Performance“ unserer EDV-Systeme in Hinblick auf Zuverlässigkeit und Fehlerhäufigkeit bestenfalls der Automobiltechnologie des Jahres 1910 entspricht, wo man immer eine Anlasserkurbel bei sich führen musste. Dies betrifft auch „die Werkzeuge unserer Kommunikation“, die nur dann „so einfach gestaltet sind, dass Grundschüler die Funktionalitäten der Smartphones spielerisch begreifen lernen“, wenn vorher der EDV-Freak aus der Nachbarschaft das High-tech-device eingerichtet hat. Dies sage ich aus eigener leidvoller Erfahrung als Aufsichtsrat einer Ärztegenossenschaft, die einen praxisverwaltungssystemübergreifenden Datenaustausch (wohlgemerkt: ohne höheren Zeitaufwand für den Anwender!) anstrebt, als Ärztlicher Leiter in einem papierlosen MVZ und als glücklicher Smartphone-Besitzer aus derselben Altersgruppe wie der Autor.

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Verfallen wir Ärzte vor Ort also bitte nicht wieder – wie so oft – in den Fehler, uns von außenstehenden, marktwirtschaftlich geprägten Experten vorsagen zu lassen, wie Patientenversorgung richtig geht, und wie einfach doch alles wäre, wenn wir nur wollten und uns nicht so dumm anstellen würden.

Dr. Rainer Kornalik, 91301 Forchheim

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