ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2013Börsebius: Winterblues

GELDANLAGE

Börsebius: Winterblues

Dtsch Arztebl 2013; 110(7): A-288 / B-268 / C-268

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Auch in diesem Jahr ist der Börsebius-Leserservice vielgefragt. Jeden ersten Samstag im Monat können die Leser des Deutschen Ärzteblattes von neun bis 13 Uhr Fragen rund ums Geld stellen. Leider sind etliche Anrufer zuletzt wieder nicht durchgekommen. Daher gebe ich an dieser Stelle ein Medley über die wichtigsten Fragen.

Vielen Lesern lag das Thema Rente und Altersvorsorge auf dem Herzen. Eine Frage hierzu möchte ich breiter ausformulieren. Eine Bank riet ihrem Kunden, der just das 60. Lebensjahr durchschritten hatte, seine Aktienfonds in Rentenfonds umzuschichten. Prinzipiell ist die Aussage, je älter, desto weniger Risiko sollte sein, schon richtig. Aber was heißt schon älter? Ich sehe nicht ein, warum ein heute Sechzigjähriger nicht noch zehn oder 20 Jahre einen gewissen Aktienanteil halten kann, der ihn unruhig schlafen ließe. Hinzu kommt, dass derzeit ein Tausch in Rentenwerte mangels erzielbarer Rendite echt kein Hit ist, woran sich in nächster Zeit auch nicht viel ändern wird. Im Übrigen sollte der Kunde beachten, dass der Wunsch der Bank oft nur vorgeschoben ist, um Wechselgebühren zu schinden.

Ach ja, mickrige Zinsen. Viele Anrufer fragen nach einer Mitgliedschaft in einer Volksbank, Raiffeisenbank oder bei der Apobank, weil dem „Genossen“ hohe Ausschüttungen winken. Das wäre doch eine echte Alternative zum popeligen Tages- und Festgeld. Ich werde jetzt den Teufel tun, hier etwas gegen eine Bank aus dem Genossenschaftsverbund zu schreiben, ich rate auch nicht von solchen Anteilen ab. Gleichwohl frage ich die Anrufer, ob sie denn wüssten, wie sie denn mit ihrer Einlage haften. Von zehn Leuten glauben neun, dass halt das eingezahlte Kapital gefährdet sei, wenn die Bank den Bach runtergeht. Das ist realiter aber eben gerade nicht so. Die Haftung eines Genossen ist immer das Doppelte der Einlage, „doppelter Haftsummenzuschlag“ genannt. Höhere Renditen gehen nun einmal mit einem höheren Risiko einher. Außerdem dauert es bei einer Kündigung des Anteils bis zu zweieinhalb Jahren, bis der Kunde dann wirklich an sein Geld kommt. Der Aha-Effekt ist am Telefon durchaus zu vernehmen. Regelmäßig.

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„Im Winter falle ich viel öfter auf unseriöse Anlageangebote herein als im Sommer“, beklagte sich ein Leser und gab auch gleich die passende Diagnose, es handele sich wohl um eine Art Winterblues. Donnerwetter, das habe ich auch noch nicht gehört. Das wäre doch ein dankbares neues Thema für die Wissenschaft und potenzielle Doktoranden. Man kann nirgends abschreiben, und die Promotion bleibt somit sicher.

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