ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2013Honorararztwesen in Deutschland: Eine gefährliche Entwicklung

POLITIK: Kommentar

Honorararztwesen in Deutschland: Eine gefährliche Entwicklung

Dtsch Arztebl 2013; 110(7): A-261 / B-243 / C-243

Andres, Alexander H.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Als Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin halte ich das Honorararztwesen mit freiberuflich tätigen Ärzten im Krankenhaus für nicht förderlich, ja sogar für gefährlich.

Dr. med. Alexander H. Andres
Dr. med. Alexander H. Andres

Vom fachlichen Aspekt her birgt die Beschäftigung von Honorarärztinnen und -ärzten im Krankenhausablauf erhebliche Risiken. Es gibt einige hervorragende, aber auch ausgesprochen schlecht arbeitende Honorarärzte. Viele wollen möglichst ohne Übernahme von Abteilungs- oder Teamverantwortung wenig anspruchsvolle Tätigkeit leisten. Das Interesse an struktureller Arbeit in einer Abteilung geht oft gegen null. Anders als die festangestellten Mitarbeiter kennen Honorarärzte die konkreten Organisationsabläufe im Krankenhaus nicht (wie auch?), was zu unvollständiger Arbeit, aber auch zu Kommunikationsproblemen und Missverständnissen führt. Zudem wird die Etablierung und Einhaltung von Standards, die der optimalen Versorgung und der Sicherheit von Patienten dienen (wie beispielsweise in der Anästhesie das Melden von gelegten regionalen Kathetern an den Akutschmerzdienst), durch den Einsatz von Honorarärzten deutlich erschwert. Auch die Etablierung von wissenschaftlichen und technischen Neuerungen kann kaum durchgesetzt werden, von IT-Veränderungen und IT-Standards ganz zu schweigen. Der fehlende Wille, sich mit den krankenhausspezifischen Regeln auseinanderzusetzen, hat meines Erachtens weniger mit einer Auflehnung gegen starre Krankenhaushierarchien oder einer unflexiblen Arbeitszeit zu tun, sondern entspringt vielmehr einer gewissen Gemütlichkeit.

Anzeige

Der im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Honorararztstudie (DÄ, Heft 22/2010) zufolge sind die Honorarärzte unzufrieden „mit den derzeitigen Strukturen im deutschen Gesundheitswesen, der fehlenden beruflichen Autonomie und der mangelnden Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten“. Ich möchte hier vom wissenschaftlichen Aspekt her nicht weiter auf die methodischen Schwächen des Instruments „Umfrage“ eingehen, aber diese Behauptungen können nicht nur ich, sondern viele meiner ärztlichen Kollegen so nicht nachvollziehen. Das in diesem Zusammenhang angeführte Modell des despotischen Chefarztes ist heutzutage Vergangenheit, ebenso wie die Unmöglichkeit von Teilzeitstellen. Wenn man sich die Stellenangebote im Deutschen Ärzteblatt ansieht, steht fast bei jeder Stelle auch der Passus „in Teilzeit möglich“. Dies wird auch so gelebt, meine eigene Abteilung beschäftigt 60 Prozent der Mitarbeiter in Teilzeit.

Mit bis zu 120 Euro je Stunde und darüber liegen die Honorare der zeitlich befristet tätigen Ärzte deutlich über denen der festangestellten Ärzte. Das Gehaltsgefälle führt bei den festangestellten Mitarbeitern des Krankenhauses nachvollziehbar zu einer erheblichen und zunehmenden Unzufriedenheit. Dass bei den festangestellten Ärzten beim Thema Gehalt noch Raum nach oben ist, sei hier nur nebenbei angemerkt. Durch den Kontakt mit den Leihärzten kommen einige Fachärzte zudem auf die Idee, ebenfalls unabhängig tätig zu sein oder die Stelle zu reduzieren, um an den freien Tagen honorarärztlich tätig zu werden und so das Einkommen zu steigern.

Vor allem volkswirtschaftlich ist das Phänomen der Honorarärzte aber auch bedenklich. Denn nicht nur die Stundenlöhne der „Freelancer“, sondern auch die hohen Provisionen der zahlreichen Vermittler und Vermittlungsgesellschaften im Markt entziehen der Patientenversorgung viel Geld und blockieren dringend benötigte Finanzmittel für die Patientenversorgung. Natürlich lässt sich anführen, dass der Markt die Preise gestaltet, aber es handelt sich hier schließlich um Versichertengelder, die in der direkten Patientenversorgung besser aufgehoben wären.

Vor diesem Hintergrund ist weder das Qualitätszertifikat hilfreich, das der Berufsverband der Honorarärzte nun einführen will (DÄ, Heft 46/2012), noch ist es möglich, den Fokus im Honorararztwesen von den rein finanziellen Aspekten auf das Thema Qualität zu lenken. Dies wirkt bei den festangestellten Mitarbeitern wie blanker Hohn. Allein schon die Tatsache, dass dem Bundesverband ein Qualitätszertifikat notwendig erscheint, lässt doch auf grundlegende fachliche Defizite einiger honorarärztlich tätiger Kollegen schließen. Meine eigenen Mitarbeiter müssen kein Qualitätszertifikat vorlegen.

Das Honorararztwesen beginnt, unsere ärztliche Versorgung zu destabilisieren. Es sind zu viele „Rosinenpicker“ unterwegs, die die Stammbelegschaft verunsichern und belächeln. Honorarärzte weisen keine oder wenig Identifikation mit dem Arbeitgeber auf. Über viele Jahre hinweg ist der ärztliche Stand mit unzähligen unbezahlten Überstunden und 30-Stunden-Schichten sicher hoffnungslos ausgebeutet worden, aber diese Entwicklung hat sich ins Gegenteil verkehrt und entspricht nicht mehr unserem Berufsbild, in dem das Wohl des Patienten das wichtigste Gut darstellt.

Unser Ziel muss es jedenfalls sein, so wie es der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Prof. Dr. med. Jürgen Schüttler, formuliert hat, die „Aussteigerbewegung Honorararzt“ zu stoppen und wieder mehr Wert auf stabile patienten- und mitarbeiterorientierte Klinikstrukturen zu legen.

Dr. med. Alexander H. Andres, Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Martin-Luther-Krankenhaus Bochum-Wattenscheid

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #609347
peterpohle
am Dienstag, 9. Februar 2016, 15:52

dr.med.Peter Pohle

Sehr geehrter Herr Kollege! Habe schon in diesem Forum
einenn Beitrag über die "bösen Honorarärzte" abgegeben.
Habe allerdings vergessen zu erwähnen, daß ich die regel-
mässige Fortbildung mache, damit der vertretene Kollege oder
Kollegin keinen Regress von seiner KV bekommt. Die entspre-
chenden Dokumente lege ich vor Antritt der Tätigkeit zur
Verwahrung vor. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, daß die
betroffenen Kollegen froh waren, daß sie einen Honorarzt ge-
funden haben, der ihre Praxis selbständig, sorgfälit und
gewissenhaft bis zu 17 Monaten am Stück vertreten hat.
Avatar #609347
peterpohle
am Dienstag, 9. Februar 2016, 15:52

dr.med.Peter Pohle

Sehr geehrter Herr Kollege! Habe schon in diesem Forum
einenn Beitrag über die "bösen Honorarärzte" abgegeben.
Habe allerdings vergessen zu erwähnen, daß ich die regel-
mässige Fortbildung mache, damit der vertretene Kollege oder
Kollegin keinen Regress von seiner KV bekommt. Die entspre-
chenden Dokumente lege ich vor Antritt der Tätigkeit zur
Verwahrung vor. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, daß die
betroffenen Kollegen froh waren, daß sie einen Honorarzt ge-
funden haben, der ihre Praxis selbständig, sorgfälit und
gewissenhaft bis zu 17 Monaten am Stück vertreten hat.
Avatar #609347
peterpohle
am Dienstag, 9. Februar 2016, 15:52

dr.med.Peter Pohle

Sehr geehrter Herr Kollege! Habe schon in diesem Forum
einenn Beitrag über die "bösen Honorarärzte" abgegeben.
Habe allerdings vergessen zu erwähnen, daß ich die regel-
mässige Fortbildung mache, damit der vertretene Kollege oder
Kollegin keinen Regress von seiner KV bekommt. Die entspre-
chenden Dokumente lege ich vor Antritt der Tätigkeit zur
Verwahrung vor. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, daß die
betroffenen Kollegen froh waren, daß sie einen Honorarzt ge-
funden haben, der ihre Praxis selbständig, sorgfälit und
gewissenhaft bis zu 17 Monaten am Stück vertreten hat.
Avatar #609347
peterpohle
am Dienstag, 9. Februar 2016, 15:35

dr.med.Peter Pohle

Ich gehöre ja auch zu den "bösen Honorarärzten". Mag ja sein, daß die Klagen berechtigt sind. Ich persönlich möchte
von mir behaupten nach über 6 Jahren Honorararzttägigkeit,
daß ich zu den Patienten freundlich, engagiert etc bin und
mehr als einmal von Kollegen wiederholt zu Praxisvertretun-
gen engagiert worden sind z.B. wegen Urlaub oder Krankheit.
Meist bin ich seit Jahren bei fast denselben Kollegen tätig, was ja dafür spricht, daß ich offensichtlich zu der "positiven Sorte" der Honorarärzte gehöre, denn sonst würde
ich nicht seit Jahren von einer Kollegin 2 - 3 x pro Jahr
engagiert werden. Die Patienten sind es auch zufrieden, daß immer derselbe Urlaubsvertreter kommt, der ihre Probleme kennt. Es sollte auch nicht - leider - vergessen -
werden, daß auch manche Patienten recht unverschämt sein
können. Ich mußte mir trotz sehr höflichen Auftretens Be-
schimpfungen wie "elender Hund" etc gefallen lassen. Im altrömischen Recht gilt die Regel "audiatur et altera pars", vielleicht sollten sich manche "unverschämte" Honorarärzte zu Wort melden. Ich hatte zweimal die Erfahrung gemacht, daß ich trotz engagierter Arbeit und Beliebtheit bei den Patienten das vereinbarte Honorar anmahnen mußte, in einem Fall stimmten nie die Bankdaten, obwohl ich sie korrekt angegeben hatte. Das ging dann teilweise soweit, daß ich mit meinen laufenden Finanzverpflichtungen in die Klemme kam.
Avatar #25537
Corteso
am Samstag, 12. Juli 2014, 16:17

Warum ich gerne Honorararzt bin

Wenn ich mir den zugrundeliegenden Artikel des Herrn Kollegen Endres und die Kommentare derer zu Gemüte führe, die argumentativ versuchen, in die gleiche Bresche zu schlagen, dann fühle ich mich im Nachhinein in meiner Entscheidung, parallel zu meiner Privatpraxis als Honorararzt tätig zu sein mehr als bestärkt - ich habe diesen Entschluss bislang noch nie bereut. Und es gibt m.E. für mich gute Gründe für diese Entscheidung
1. Durch meine verschiedensten Einsatzbereiche habe ich in dieser Zeit weit mehr an Input und Erfahrungen sammeln können, als in all den Jahren als Assistenzarzt festangestellter FA zuvor (wovon auch in erster Linie meine Patienten profitieren). Durch entsprechende Referenzen und effizientes Arbeiten bin ich mein Geld wert - immer wieder aufs Neue. Mich schützen kein Arbeitsvertrag und kein Betriebsrat, mich müssen keine Kollegen mit durchschleppen - und das braucht es auch nicht. Wenn ich meine Arbeit gut mache, werde ich wieder nachgefragt - ansonsten halt nicht. Der Verweis, dass honorarärztliche Kollegen eher weniger qualifiziert seien als angestellte Ärzte, hat hierbei den Beigeschmack der peinlich versuchten Häme einer Führungskraft, dren kompetenter Mitarbeiterstab ihr nach und nach mit den Füßen abstimmen geht. Wer nichts taugt – der ist draußen – gilt zumindest für Freiberufler…
2. Mein Honorar ist Verhandlungssache – dazu gehören immer zwei Seiten. Wenn ich mich gut verkaufe, dann verdiene ich mehr – und muss mehr leisten, wenn ich die Maßstäbe halten will, das ich setze. Ansonsten eben nicht! Das nennt man Marktwirtschaft. Ohne die Antwort genau zu kennen, stelle ich einfach mal die Frage in den Raum: Was entzieht dem Gesundheitsmarkt mehr Geld? Freelancer, die sich durch Qualität und Effizienz ein entsprechendes Einkommen erwirtschaften – oder Fehlplanungen, Fehlsteuerungen und Organisationsschäden durch schlecht qualifizierte und unmotivierte Mitarbeiter und Angestellte? Ist es denn nicht umgekehrt eher so, daß sich hinter dieser Honorarkritik der Ärger verbirgt, daß unbezahlte Überstunden und Mehrarbeit nicht untergeschoben werden können?
3. Respekt ist keine Einbahnstraße – diese Erkenntnis in beruflicher Sicht ist für mich noch nicht alt. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine neue Aufgabe/Vertretung übernehme, neue Kollegen kennen zu lernen, von Ihnen zu lernen und mich mit ihnen auszutauschen. Ich muss nicht mehr um ein paar Tage Urlaub im Sommer betteln, mir „Weiterbildungen“ (im Interesse des AGs) durch noch mehr Zusatzleistung „verdienen“, ständig Dienste übernehmen und Krankheitsausfälle im Dauerzustand als Selbstverständlichkeit unentgeltlich und ohne Freizeitausgleich ausgleichen. Ich kann NEIN sagen – und es hätte nur die Konsequenz, daß ich weniger verdienen würde – oder mir einen anderen Vertragspartner suchen könnte – ganz ohne quälende Kündigungsfrist, weil der AG einem nicht aus dem Vertrag rauslässt…

Die letzten Jahre haben mich mit meiner Berufswahl wieder versöhnt. Ich bin heute wieder gerne Arzt, sehr gern sogar – nicht so sehr wegen des besseren Einkommens (dafür habe ich jetzt mehr Urlaub und mehr Zeit für meine Familie) – sondern weil ich wieder unter Bedingungen arbeiten kann, unter denen ich meine Arbeit gut machen kann – ohne organisatorisches Chaos und ständiger Quersubventiontion struktureller Insuffizienzen mit meiner Lebenszeit. Ich schätze Hierarchie sehr (solange ich nicht an der Spitze sein muß) – solange Führungsqualität und Kompetenz die qualitativen Hauptkomponenten sind. Jedoch – ich fand diese Kombination einfach zu selten. Ich für mein Teil werde nie wieder eine Festanstellung antreten – einfach weil ich es nicht mehr muß!
Avatar #5206
asuraso
am Freitag, 22. März 2013, 09:39

Frust

Was ein erbärmliches Niveau. Sie meinen bestimmt Ihre ehemaligen Chefarztkollegen, die wegen Unfähigkeit entlassen wurden und sich jetzt als Honorarärzte anbiedern um durch dieses Hintertürchen wieder. ins Geschäft zu kommen und abzuzocken!
Pick Pick Pick, ich bin untröstlich.....kann man Ihnen helfen?
Avatar #5206
asuraso
am Mittwoch, 20. März 2013, 17:11

Niveaulos

Was ein erbärmliches Niveau. Sie meinen bestimmt Ihre ehemaligen Chefarztkollegen, die wegen Unfähigkeit entlassen wurden und sich jetzt als Honorarärzte anbiedern um durch dieses Hintertürchen wieder. ins Geschäft zu kommen und abzuzocken!
Pick Pick Pick, ich bin untröstlich.....kann man Ihnen helfen?
Avatar #5206
asuraso
am Mittwoch, 20. März 2013, 11:03

Kollegialität

Lieber Herr Kollege,
daß Sie als junger dynamischer CA öffentlich über honorarärztlich tätige Kollegen ablästern gibt zu denken. Diese Mißtöne aus Ihrem Munde sind doch sehr befremdlich, zumal Sie immer bemüht sind stets freundlich und sympathisch rüberzukommen. Schwarze Schafe gibt es leider in allen Bereichen, inklusive Chefetagen.
Habe für Ihre Situation größtes Verständnis, wenn ich wie Sie zeitweise nur einen festangestellten Mitarbeiter im Team hätte, würde ich auch Frust schieben!
Avatar #5206
asuraso
am Dienstag, 19. März 2013, 19:56

Honorarärzte

Sehr geehter Herr Kollege,

besten Dank! Bei aller Liebe, was Sie vortragen gehört in den Bereich Fantasie. Sorry, man hat den Eindruck Sie wissen nicht wovon Sie sprechen und ist entsetzt über Ihre Unkenntnis. Das Honorarzt(un)wesen ist lediglich das Resultat eines vergifteten Klimas, mitnichten die Ursache.

Stundensätze von 120 Euro sind nicht üblich........von unfähigen Kollegen sollte man sich rasch trennen,
Avatar #89767
kosmo
am Freitag, 15. März 2013, 07:38

Honorararztwesen-in-Deutschland-Das-Symptom-nicht-die-Krankheit

http://www.aerzteblatt.de/archiv/135229/Honorararztwesen-in-Deutschland-Das-Symptom-nicht-die-Krankheit?s=Flintrop

Stimme dem Kollegen Montgomery zu,
dass die Attraktivität des Berufs gesteigert werden muß, wobei die Freiberuflichkeit, auch bei Krankenhausärzten, mehr an Bedeutung gewinnen sollte. Solche Modelle wie maatschap (Gesellschaft) in NL, wo Kollegen nicht direkt im KH angestellt sind, sondern auf Basis der langfristigen Verträge arbeiten, wären denkbar. Dafür müsste aber die immer noch allgegenwärtige Hierarchie weg...
Avatar #558329
notarzt-dmeh-querfurt
am Mittwoch, 6. März 2013, 19:04

Warum gibt es Honorarärzte?

In aller Deutlichkeit und nach 15 Jahren Tätigkeit als Ltd. OA, der folgenden Neustrukturierung der Krankenhauslandschaft, der folgenden "Degradierung" zum OA und der weiteren Verweigerung der rarifgerechten Entlohnung (Der Streit ging bis zum BAG und endete damit, dass ich gegen das Klinikum obsiegt habe), anschließend ausgeprägtes Mobbing von höchster Stelle im Klinikum und am Ende das Beenden des Arbeitsverhältnisses vor dem Arbeitsgericht mit einer nicht gerade geringen Abfindung zeigen deutlich, dass die Strukturen im deutschen Gesundheitswesen bis auf wenige Fälle nicht mehr zeitgemäß sind. Chefarztverträge mit Bonusregelung, die beschönigend "Zielvereinbarung" genannt werden führen dazu, dass persönliche monetäre Zielstellungen sowohl den Interessen der Patienten entgegen stehen, als auch das "untergebene" Personal regelrecht ausbeuten. Man möge mir andere Beispiele nennen, aber ich kenne keinen Chefarzt mit einer unterzeichneten Zielvereinbarung, der anders handelt.
Am Ende habe ich erleben müssen, wie mein Fachgebiet mit Hilfe des Chefarztes und entsprechend dem Ziel der Geschäftsführung (der Geschäftsführer ist diplomierter Labndwirt ;-) ) immer mehr seiner Identität beraubt wurde. Zunächst wurde die Schmerztherapie (selbstredend nur die postoperative) durch die operativen Fächer übernommen, die Anordnungen der Anästhesie zunehmend weniger "zur Kenntnis" genommen. Dann wurde die Intensivstation weggenommen und der Inneren Medizin zugeordnet (übrigens auch die operative Intensivmedizin), die Notfallmedizin wurde der Anästhesie weggenommen und am Ende wurde nur noch die Kernanästhesie belassen. Damit sind in einem akademischen Lehrkrankenhaus die Belange des Fachgebietes nicht mehr vermittelbar, was die zugehörige Universität auch nicht stört. Achja, am Anfang stand natürlich, das die "Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin" zur "Funktionsabteilung Anästhesie" erhoben wurde. Als einer der letzten langjährigen Fachärzte habe ich das Klinikum verlassen, natürlich mit viel Frust und dem Gefühl das falsche Berufsleben ausgesucht zu haben.
Ein Jahr Honorartätigkeit schloss sich gezwungenermaßen an, vorwiegend in einem in der Größe vergleichbaren Klinikum, wo die Klinik für Anästhesiologie der beschäftigtenstärkste Bereich war und anerkannt war. Dieses Jahr hat mir geholfen meine Idendität als Anädthesiologe wieder zu gewinnen und am Ende zu wissen, dass ich meinen Beruf und meine Fachrichtung nicht umsonst gewählt habe.
Nun kurz vor dem Erreichen des möglichen Renteneintrittsalters bin ich nur noch notärztlich tätig, weil die geschilderten Jahre der fachlichen Unterdrückung auch gesundheitliche Spuren hinterlassen haben.
Keine Frage: nicht nur unter den Führungskräften gibt es schwarze Schafe, auch unter den Honorarärzten. Aber diese Ausnahmen können nicht die Grundlage dafür bilden, dass i.d.R. die guten Fachärzte aus der Klinik in die Honorartätigkeit wechseln.
Avatar #662969
pearlfisher
am Mittwoch, 27. Februar 2013, 10:22

Italienisches Kalkül

Demagogie hat offensichtlich Hochkonjunktur.

Sei es in Italien, wo ein ehemaliger Ministerpräsident sein Volk mit Unwahrheiten und un-haltbare Versprechen an den Rand des Abgrunds führt. Sei es von einem unbedeutenden Arzt, dem - warum auch immer - eine ganze Seite im offiziellem Organ der deutschen Ärzte-schaft zur Verfügung gestellt wird.

Je platter eine Stimmungsmache, desto eher dringt sie durch. Herr Andres wettert seinen Frust ab gegen eine ihm persönlich unliebsame Entwicklung. Ein letzter Aufschrei? Es riecht nach Plagiat. Und der vermutete Ideengeber wird am Ende des Artikels gleich genannt: der ehemalige DGAI-Präsident, peinlich in Erinnerung wg. seines unsäglichen Interviews im Fo-cus.

Letztlich ist Herr Andres halt nur das Sprachrohr einer Lobby von Chefärzten, die um ihre Pfründe bangen.

Worum geht es?

Je mehr Honorarärzte durch die KH-Verwaltungen eingesetzt werden, umso weniger Gestal-tungshoheit und somit Bedeutung kommt den Chefärzten im "Produktionsprozess Kranken-haus" zu. Umso mehr werden sie degradiert zu "Befehlsempfängern" und "Ausführenden" in einem zunehmend betriebswirtschaftlich geprägten Geschäftsfeld.

Zu lange konnten sich CÄ hinter den hohen Mauern der medizinischen Fachlichkeit ver-schanzen und ungestört ihr - z.T. exzentrisches - Süppchen kochen. Stichwort: Götter in Weiß. Zu lange hatten sie freie Hand, koste es, was es wolle.

Nun kommen die Betriebswirtschaftler und wollen ein Wörtchen mitreden. Sie wissen, wie ein System zu organisieren ist, wie es an Effizienz gewinnt ohne an Qualität zu verlieren, wie es gerettet werden kann. Ein massiver Schritt auf diesem Weg ist der Eingriff in die Perso-nalhoheit der Abteilungen. Gelegentlich einen Honorararzt einzusetzen ist kostengünstiger, als langfristig Leerkapazitäten zu finanzieren.

Natürlich fordert es einem CA mehr Management-Kapazität ab, wenn nicht jede Belastungs-spitze personell hinterlegt ist. Natürlich erfordert es mehr Kraft, seine Mitarbeiter zu fördern, zu motivieren und zu einem Team zu formen. Natürlich ist es kein Selbstläufer, neues Per-sonal (Honorarärzte) auszuwählen und in die örtlichen Gegebenheiten einzuweisen. Natürlich ist es (für den CA) unliebsam über Benchmarks (von der Verwaltung) gesteuert zu werden. Aber all das gehört zu seinem Job. Und es hat den Anschein, daß Herr Anders dem nicht gewachsen ist. Würde er sonst den Aufwand für diese typischen Führungsaufgaben beklagen? Würde er stattdessen über seine erfolglosen Versuche berichten, Honorarärzte adäquat zu integrieren? Es ist schlicht sein Unvermögen, das er hier präsentiert.

Vorbei sind die Zeiten, wo ein CA zu Beginn seiner Ernennung einmalig "den Acker bestellt" und dann als Gutsherr das schöne Leben genießt. Alternativen gibt es allemal. Nichts leichter für eine Verwaltung, als die kostenintensive Personaldecke den Bedürfnissen anzupassen und Honorarärzte dort einzusetzen, wo sie es betriebswirtschaftlich für sinnvoll erachtet. Deren Fachlichkeit läßt sich problemlos über das Qualitätssystem der Ärztekammern sicher-stellen. Jeder Arzt unterliegt einer standardisierten Qualifikations-, Weiter- und Fortbildungs-zertifizierung. Wem das nicht reicht, der bittet den Facharzt um Referenzen. Für die operati-ve Vor-Ort-Steuerung ist der Chefarzt zuständig. Führen will gelernt sein. Das ist nicht zum Nulltarif zu haben. Aufgrund des alt hergebrachten "Meisterprinzips" in der Medizin ist dies für Manche aber noch neu.

Wachen Sie auf Herr Andres.
Avatar #634945
schlafpille
am Montag, 25. Februar 2013, 19:51

War das schon alles?

Ich muss den Vorschreibern (außer dem Beierlein natürlich) uneingeschränkt bepflichten - leider hat aber der wie auch immer geartete/gesponsorte Beitrag von Herrn Andres hier keinen shitstorm ausgelöst, ebensowenig hat er Befürworter geweckt: eine echte Auseinandersetzung ist das hier leider nicht.
Was bleibt ist die Tatsache, dass in DEM deutschen Ärzteorgan auf solch erbärmlichem Niveau beleidigt werden darf, im Übrigen auf eine Weise, wie sie im Tagesgeschäft von unreflektierten Neidern ohne jedes Interesse für die Ursache der Situation regelmäßig vorkommt.
Herrn Andres wünsche ich viele fleißige Fachärzte höchster Ausbildungsstufe, die gerne in Teilzeit arbeiten und vielleicht die Gehaltsgrenze ein klitzekleines bisschen ausreizen - allein, er wird sie nicht bekommen.
Avatar #662714
j.jablonka
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 21:46

Volkswirtschaft und Medizin

Herr Andres zitiert einen gängigen Fehlschluss mit den misslungenen Floskeln aus der Volkswirtschaftslehre: die "dringend benötigten Finanzmittel für die Patientenversorgung" würden als Versichertengelder durch das " Phänomen der Honorarärzte" der direkten Versorgung entzogen...
Lieber Herr Andres, dazu braucht man nicht mal vier Grundrechenarten. Die wenigen Honorarärzte werden das deutsche Gesundheitssystem nicht zu Fall bringen. Vielleicht haben Sie auch mitbekommen, dass das Krankenhaus ein profitorientiertes Unternehmen ist, wo strategische Marktentscheidungen (Hüft- und Knieprothesen statt Geburtshilfe, ICD's und Coro's statt Kinderabteilung), Lenkung der Patientenströme, Fallzahlsteigerung auch auf Kosten der falschen Indikationen und die Höhe der Ausschüttung der von Ihnen erwähnten Versichertengelder an die Aktionäre die operativen Ziele sind. Non-profit soziale Medizin im Sinne eines sorgfältigen Umgangs mit den Sozialbeiträgen ist die Vergangenheit der letzten 20 Jahre. Verschwenden Sie also Ihre Energie nicht im Kampf gegen imaginäre Feinde, sonst kriegen Sie nicht mit, warum Ihr Krankenhaus samt Ihrer Vorzeigeabteilung gemäß dem politischen Willen der Reduktion des Leistungsangebots im Gesundheitswesen einem expandierenden Maximalversorger zum Opfer fallen und einfach geschlossen wird. So viel zur Volkswirtschaftslehre.
Und sonst... wenn Sie mit den Honorarärzten nicht zufrieden sind, brauchen Sie sie nicht zu beschäftigen.
Mit besten Empfehlungen
J. Jablonka
Avatar #662706
advocatus diaboli
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 17:42

Honorarärzte stabilisieren die ärztliche Versorgung

Ohne Honorarärzte brechen Abteilungen zusammen. Festangestllte Kollegen sind überarbeitet und freuen sich über Entlastung. Sie können in den geplanten Urlaub fahren, auch selber einmal krank sein - weil Honorarärzte da sind. Patienten sind
versorgt, sicher und schneller behandelt. Honorarärzte sind auch da wo sonst keiner arbeiten will.
Avatar #90533
nicolaischaefer
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 17:24

Ausführliche Stellungnahme des BV-H e.V

Lesen Sie unsere ausführliche Stellungnahme auf unserer Webseite (Bundesverban der Honorarärzte - BV-H e.V. (www.bv-honoraraerzte.de).
Mit freundlichen Grüßen,
N. Schäfer
Avatar #662702
t.mueller
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 16:11

Wie frei ist der Freie Beruf Arzt ?

Per Definition ist der Arzt ein klassischer freier Beruf nach deutschem Recht.
So nutzen seit einigen Jahren ein Teil der Ärzte genau dieses Recht. Denn nach meiner Ansicht ist der Honorararzt ein Freiberufler, der sich um das kümmert, was er gelernt hat - Patienten zu versorgen und nicht in Bürokratie und hierarchischen Klinikstrukturen.
Herr Dr. Andres schürt mit Demagogie, bekannten Vorurteilen und falschen Behauptungen bewusst Angst und Aggressivität gegen die Honorarärzte.
Ich halte einen solchen Artikel über Kollegen, die die Freiberuflichkeit wörtlich nehmen, in dem offiziellen Organ der deutschen Ärzteschaft bedenklich und gefährlich.
Ich hoffte, dass die Hatz auf Menschen, die sich selbst verwirklichen wollen und dabei nicht die gewohnten Wegen gehen wollen, spätestens seit dem 03.Oktober 1990 in Deutschland der Vergangenheit angehören.
Bin ich jetzt eines besseren belehrt?
Wie frei darf der freie Beruf Arzt in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2013 sein?


Avatar #661846
derliebestefan
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 14:32

Cui bono??

Neid und Verdruss höre ich. 60% Teilzeitstellen? Da kotzt doch jeder Chef, aber heimlich, ist ja nicht pc! Und jetzt diese Honorarärzte...
Wir als Honorarärzte sind doch die Speerspitze der Wiederbelebung des Arztberufs zu alter Größe, sage ich mal etwas aufgeblasen! Wenn wir weiter uns hätten gängeln lassen etc., nicht ausgestiegen wären. Dann gäbe es jetzt vielleicht weniger
strukturierte Weiterbildungsstellen, etc., keine langsam ansteigenden Gehälter für die Angestellten etc.. Für Chefarzt Andres werden genug Rosinen aus seinem Vertrag rauskommen. Der Kuchen ist doch groß genug. Aber nein, da werden Pfründe geschützt, den Arbeitgebern in die Hände gespielt etc.. Es müssten noch viel mehr Leute ihre festen Stellen kündigen!!! Und raus auf den Markt!!! Früher bekamen wir gezeigt, wo der Hammer hängt, AiP, drei Arbeitsverträge in einem Jahr gehabt bei einem AG des Öffentlichen Dienstes/LWV Hessen, etc., jetzt gehts halt mal anders herum. So ist das Leben. Habe noch keinen Tag meiner dreieinhalb Jahre als Honorarzt diese Entscheidung bereut. Ach, und WO bitte gibts 120 Euro für Psychiater? Ich hatte bis jetzt maximal 70% davon.
Avatar #98397
KaMi230756
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 12:26

Unseriös

Die Äußerungen von Herrn Andres sind neben der Tatsache, dass sie x-mal abgenutzte Vorurteile wiederholen, besonders unseriös, wenn man betrachtet, dass seine Klinik nur durch den Einsatz von Honorarärzten überhaupt existiert hat, als er seine Chefarztstelle antrat!
Zahlreiche Einsätze als HA für Chirurgie/Viszeralchirurgie haben mir gottseidank gezeigt, dass viel Chefärzte anders denken und den sinnvollen Einsatz qualifizierter Honorarärzte durchaus zu schätzen wissen.
Avatar #603654
cfortner
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 09:54

Qualität ohne Honorarärzte am Sinken!

Herr Andres scheint sich mit der Realität in deutschen Kliniken nicht auseinandergesetzt zu haben. Wir als Fachärzte erleben immer wieder Situationen, in denen beispielsweise in einer Klinik mit sechs Op's ein Facharzt für den Thoraxsaal eingeteilt ist, darüber hinaus nur Jungassistenten im ersten und zweiten Jahr ohne fachärztliche Betreuung, geschweige denn Ausbildung in ihrer "Kinderstube" alleine vor sich hin werkeln. Ein Honorar-Facharzt verbessert die Qulität in diesen Kliniken oft erheblich!
Die geordnete Ausbildung in den Krankenhäusern liegt schon seit Jahren brach, da sich im Grunde niemand wirklich dafür interessierte und sie als Bürde und Kostenfaktor empfunden wurde, nicht als Chance, Personal für die Zukunft zu rekrutieren - gerade von Chef- und Oberärzten sowie Verwaltungsleitern.

Das rächt sich jetzt und die Honorarärzte sind Reaktion und Kompensation dieses Mißstandes, sicherlich nicht ihre Ursache.

Eine Kollegin, die vor Jahren ihr MBA machte, wurde in der ersten Vorlesung zu ihrer Studienwahl beglückwünscht, denn es gäbe keine Berufsgruppe, die so leicht zu führen sei wie Ärzte, da sie bei schlechter Bezahlung immer noch zu Höchstleistungen motivierbar sei.

Das ist vorbei! Glücklicherweise,und daran werden Irrläufer wie Herr Andres nichts mehr ändern.

Es wäre auch nicht schlecht, bei der Wahrheit zu bleiben und Stundenvergütungen von 120 Euro als das zu bezeichnen, was sie sind - eine absolute Ausnahme!
Avatar #545446
Dr. J. Kirs. DO
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 09:48

Einseitige Sichtweise

Der Autor scheint doch eine sehr einseitige Sichtweise in die Dinge des Gesundheitssystems zu haben. Die Probleme kommen doch woanders her (DRGs, Budget, Arbeitsbedingungen etc.). Der Honorararzt ist doch das Symptom und nicht die Krankheit. Der Honorararzt ist in anderen Ländern ein Teil des Systems.
Avatar #662677
SDSDS
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 09:37

Abwanderung

Mich würde es nicht wundern, wenn Äußerungen wie diese zur weiteren Abwanderung von wertvollen Spezialisten, gut ausgebildeten honorarärztlich tätigen Kollegen in Länder, in denen deren Leistungen geschätzt werden, maßgeblich beitragen. Etliche werden sich diesem Klima der Konfrontation nicht aussetzen wollen. Integration und Verständigung scheinen mir ein Gebot der Zeit zu sein.
Avatar #658765
medleaks
am Dienstag, 19. Februar 2013, 16:28

Mitleid

Nachdem dieser Beitrag bereits in aller honorarärztlicher (In-)Kompetenz fundiert und sachlich zerrissen wurde und wir uns fragen, wer eigentlich das DÄB dafür bezahlt regelmäßig wiederkehrend diesen Blödsinn zu veröffentlichen, möchten wir dem Autoren dennoch unser Mitgefühl aussprechen. Natürlich bricht eine Welt zusammen, wenn man sich Jahre und Jahrzehnte dem System angedient und die eigenen Wertvorstellungen verbogen hat, um endlich Chefarzt zu sein, und nun feststellen muss, dass man zwar nach oben weiterhin der Bückling (des kmD) bleibt, aber nach unten hin immer mehr Freiberufler turnen, die sich wenig um unsinnige Dienstanweisungen u.ä. kümmern und denen man auch sonst nichts vorschreiben kann. Verbitterung ist da vorprogrammiert.
Vorschlag: Es wäre für Sie mit Sicherheit erleichternd, doch einmal in allen Facetten offen zu legen, mit welcher Intention, von wem angeregt und mit welchen persönlichen Erwartungen Sie diesen Artikel verfasst haben! Probieren Sie's aus, es könnte sich lohnen!
Avatar #87675
beekay
am Dienstag, 19. Februar 2013, 07:29

Erfahrungen aus dem Ausland

Ich moechte jetzt nicht die Qualitaet der Honaraaerzte im Allgemeinen kommentieren, in den meisten Faellen finde ich es angebracht den Plural zu vermeiden.

Ich habe 5 Jahre lang in Neuseeland gearbeitet, wo Honoraraerzte (locums) ueblich sind. In machen (zugegebenermassen eher unattraktiven) Gegenden werden gibt es kaum noch festangestellte Aerzte und die Krankenhausversorgung wird fast nur von locums geleistet. Trotz aller im Forum genannten Vorteile des Honorararztwesens (auch fuer die Krankenhaeuser) ist dies sicherlich kein wuenschenswerter Zustand. Uerbigens hatten wir in unserem Krankenhaus leider tatsaechlich schlechte Erfahrungen mit locums gemacht, die sich auch statistisch darstellen liessen.
Grundsaetzlich waren wir Aerzte bereit Personalluecken durch Mehrarbeit (Ueberstunden) zu kompensieren. Unser Vorschlag war, geleistete Ueberstunden per locum-Tarif zu vergueten (das waren NZ$250 pro Stunde, also etwa 130 Euro). Natuerlich war die Geschaeftsleitung von der Idee anfaenglich nicht begeistert, jedoch haben wir das Konzept durchgesetzt. Schliesslich wurden Reise-, Unterkunft- und Agenturkosten gespart und die Patientversorgung durch Kontinuitaet verbessert.

Ich denke, Kollegen-Bashing aufgrund Neids hilft sicher nicht, die “Probleme” muessen wohl auf hoeherer Ebene (auch von der Gewerkschaft) angegangen werden.
Avatar #605986
noern1
am Montag, 18. Februar 2013, 23:59

Honorarärzte gefährlich?

In jedem Beruf gibt es mehr oder weniger engagierte Mitarbeiter, auch bei den leitenden Chefärzten. Seit Beginn des Honorararztwesens fällt vor allem eins auf. Nicht die Gemütlichen verlassen die archaischen Kran­ken­haus­struk­tu­ren, sondern es sind eben die fachlich qualifiziertesten und überdurchschnittlich engagierten Fachärzte, besonders aus der Anästhesie, die keine Lust mehr haben, bei mieserabler Bezahlung und gänzlich ohne Wertschätzung, sich von ewig gestrigen Abteilungsleitern und Krankenhausmanagern auf der Nase rum tanzen zu lassen. Ihre Ausführungen dazu sind ein gutes Beispiel für die Verwechslung von Ursache und Wirkung.
Avatar #662615
scmoe
am Montag, 18. Februar 2013, 21:10

Die Gefahren liegen ganz woanders!

Sehr geehrter Herr Kollege Andres,

eigentlich sollte man auf Ihren revisionistischen Schundbeitrag gar nicht reagieren - leider haben Ihre Zeilen dennoch eine gewisse Signalwirkung, die man nicht in letzter Konsequenz vernachlässigen darf.
Im Wesentlichen liegen Ihren Formulierungen altbekannte Äußerungen zu Grunde, deren Urheber auch regelmäßig gegen Honorarärzte aus ziemlich eindeutiger Intention ins Feld ziehen. So stammt die Verknüpfung eines jeden Unheils mit Honorarärzten aus der Feder von Prof. Schüttler (das allseits bekannte Focus-Interview (20.06.2010) 'Narkoseärzte haben es sich bequem gemacht'. Er forderte: '....dem Unwesen der Honorarärzte ein Ende zu machen.') Dem entspricht hier Ihre Feststellung '....das Honorararztwesen .... ja sogar für gefährlich. Der Bequemlichkeits- bzw. Gemütlichkeitsgedanke findet sich dann auch prompt im zweiten Absatz wieder.
Ihre Recherche hat noch einen anderen publizierenden Dauerbrenner im Kampf gegen die Honorarärzte zu Tage gefördert: J. Flintrop taucht in einigen Formulierungen als Schatten auf: er hatte seinerzeit die Mär von 120 EUR-Stundenlohn kreiert und fortan die Stimmung der Zweckgemeinschaft Honorarärzte / Tarifangestellte aufs Ärgste belastet (Einsatz von Honorarärzten: Lösung auf Zeit; Dtsch Arztebl 2011 und Editorial Heft 8, 2011). Bei Flintrop findet sich auch erstmalig der Terminus 'Rosinenpickerei' in niedergeschriebener Form.
Ihre Behauptungen, beispielsweise über die despotischen Chefärzte kann ich nur traurig konnotieren: sie sind weiterhin in der Überzahl existent, den Beweis gebe ich gerne an anderer Stelle. Andere (Falsch-)Behauptungen von Ihnen hinsichtlich der geforderten Anpassung an Ihre gedachten Wunschstrukturen werden durch gebetsmühlenartige Wiederholung auch nicht wahrer.
Kurzum: sie rekapitulieren altbekannte und undurchdachte Statements. Sie verwechseln das Symptom mit der Diagnose oder die Ursache mit der Wirkung.

Wer hat Ihren Beitrag wohl gesponsert, mindestens initiiert? Im einfachsten Fall hat Ihre ureigenste Geschäftsführung Ihnen 'Mut' machen wollen, damit Sie eben keine (angeblich) teuren Honorarärzte benötigen (obgleich man anderes aus Ihrem Haus hört).
Höre ich auf meine eigenen Recherchen aus 2012, dann wird die hintergründige Komplexität Ihres Artikels deutlicher: es laufen seit mindestens 2009 Bestrebungen, das Honorararztwesen auszurotten. Hier nur schlagwortartig einzelne Interessengruppen: DKG, Geschäftsführer der Aktiengesellschaften und andere Private; Politiker und selbsternannte Gesundheitsökonomen. Es hat sich mittlerweile eine konzertierte Aktion im Kampf gegen die Honorarärzte gebildet, leider agiert diese nur indirekt in der Außenwirkung durch einzelne Protagonisten wie Sie.
Die Appelle pro Honorararzt u.a. vom Bundesärztekammerpräsidenten interessieren Sie jedenfalls nicht! Unser Dachverband hat sich wesentlich differenzierter mit der Bedeutung von Honorarärzten beschäftigt. Eine andere Interessengruppe dürfte sich hinter all jenen verbergen, die das alte Hierarchiesystem wollen und sich der immanenten Veränderungen gar nicht bewusst werden wollen, Kollegen, die ausschließlich DRG-zentriert nach Fallpauschalen und Zielvereinbarungen arbeiten und den eigentlichen Auftrag einer adäquaten Patientenversorgung vergessen haben. Ist das die von Ihnen so hochgepriesene Hinwendung zum Patienten?
Leider kann man die gesamte Thematik, der Sie sich so ausgesprochen simplifizierend widmen, hier im Ärzteblatt nicht ansatzweise diskutieren. Leserbriefe werden hier im elektronischen Teil noch zugelassen, die Erfahrung lehrt jedoch, dass die Printversion nur ausgesuchte Leserbriefe enthält. Ich möchte Sie ermutigen, mich gerne ein Mal zu kontaktieren, damit Sie auch eine Stellungnahme eines Honorararztes jenseits der organisierten Kollegen berücksichtigen können!

MfG scm
Avatar #662514
Volker Ulrich
am Montag, 18. Februar 2013, 13:25

Schmerzensgeld oder Gefahrenzulage

Wenn Sie Honorarärzten 120 Euro/Stunde zahlen müssen, um überhaupt welche zu finden, verbuchen Sie das dann unter Schmerzensgeld oder Gefahrenzulage?
Avatar #108454
sieger2011
am Montag, 18. Februar 2013, 12:05

Auweia....

Polemischer Beitrag, der wenig Substanzielles zur aktuellen Diskussion leistet. Die Qualität der Honorarärzte unterscheidet sich nicht von denen festangestellter Ärzte, im guten wie im schlechten Sinne. Und was Herr Andres verwechselt ist, daß Honorarärzte Symptom des kranken Gesundheitssystems sind, nicht deren Ursache. Was Herrn Andres wie viele andere Chefärzte, die sich unter großen Mühen und Entbehrungen an eine vermeintliche Spitze gekämpft haben, aber wirklich stört ist letzendlich der strukturelle Angriff den die bloße Existenz des Honorararztwesens auf überkommene Arbeitsplatzstrukturen in den Krankenhäusern bedeutet. Strukturen, die früher den Obersten, nicht zuletzt aufgrund mehr oder weniger subtiler Druckmechanismen, ein angenehmes Leben ermöglichten, aber heutzutage, eben auch wegen zunehmender Personalprobleme und zunehmenden wirtschaftlichen Drucks etc., kein Garant mehr dafür sind. Seien Sie doch mit mir froh Herr Andres, wenn es noch ein paar fließend deutsch sprechende Ärzte gibt, die hochengagiert den von ökonomischen Zwängen und bedingt kompetenten Verwaltungen dominierten und insgesamt als unangenehm zu betrachtenden Krankenhausjob noch machen wollen. Und eines zeigen uns die Honorarärzte außerdem: Nur weil man Arzt geworden ist, ist man noch lange nicht der Krankenhauskrake mit Haut und Haaren ausgeliefert.
Avatar #662514
Volker Ulrich
am Montag, 18. Februar 2013, 09:48

Noch mehr Fragen

Wie ist eigentlich Ihre aktuelle Besetzung?
Wie viele Säle müssen Sie zu machen, weil Sie keine Leute haben?
Oder kollaborieren Sie doch mit den Söldnertruppen des Feindes?
Ausgeschrieben haben Sie ja mindestens eine Stelle.
Allerdings ohne Email-Adresse, sonst hätte ich mich glatt beworben, bei einem so fürsorglichen Chef.
Lesen Sie das hier eigentlich, wissen Sie überhaupt, dass es das DÄB auch online gibt?
Ich schicke Ihnen mal vorsichtshalber den Link.

MfG
Avatar #91889
watnu
am Montag, 18. Februar 2013, 09:32

Strukturelle Arbeit/Organisationsabläufe??

komisch.....-in all den Jahren als Honorararzt bin ich noch NIE offiziell gefragt worden, was denn so in der Abteilung/OP-Organisation gut bzw. schlecht läuft.....
dabei sind es gerade wir Honorarärzte, die das sehr schnell beurteilen können, da wir ja viele Kliniken zum Vergleich haben. Leider können die meisten von uns das nicht in so schöne betriebswitschaftliche Phrasen packen.... -da kauft man doch liebe eine teure Consultingfirma ein. Soviel zu Ihrem Interesse an struktureller Arbeit und Organisationsabläufen.....
Der restliche Artikel ist so voller Polemik, daß er sich nicht mal als Glosse eignet. Damit ist mir meine (teure?) Zeit zu Schade, diesen Blödsinn weiter zu kommentieren. Machen Sie mal weiter so wie bisher, dann wird sicher alles gut!
Avatar #662514
Volker Ulrich
am Montag, 18. Februar 2013, 09:18

Fragen zu Ihren Ausführungen

Sehr geehrte Dres. Andres und Beierlein,

zu Ihren Ausführungen hätte ich noch ein paar Anmerkungen und Fragen:

Sie sprechen von sehr unterschiedlich qualifizierten Honorarärzten, das ist aber ein Problem der gesamten Ärzteschaft. Unter Honorarärzten kursieren auch genügend Geschichten über ungeeignete Angestellte, die jedoch im Gegensatz zu HÄ über Jahre vom restlichen Personal mit durchgezogen werden.

Wie wollen Sie Ihre Mitarbeiter vor Honorarärzten abschirmen?
Trauen Sie ihnen nicht zu, sich selbst eine Meinung zu bilden?
Wollen Sie einen „Antihonorarärztlichen Schutzwall“ bauen?
Vor was haben Sie Angst?!?
Dass noch mehr Ihrer Leute Geschmack an der Freiheit finden und sie bald „alleine und vom Feind umgeben“ im Krankenhaus stehen?

Ihre Angestellten brauchen natürlich auch kein Zertifikat. Sie brauche noch nicht mal deren Approbations- und Facharzturkunden zu kontrollieren oder sich in einem persönlichen Gespräch einen Eindruck von ihnen zu verschaffen, sooo gut sind die!

Welche „Rosinen“ haben Sie denn noch für Ihre Mitarbeiter? Oder haben Sie sie schon selber verputzt?

Honorarärzte arbeiten sich in der Regel sehr schnell ein, schneller als Mitarbeiter, die das nicht so oft machen. Das gilt auch für die EDV, und „gemütliche“ Honorarärzte sitzen ohne Aufträge da.

Warum haben Sie denn nicht, wie so viele andere Kliniken, einen Pool an „festen“ Honorarärzten. Wir werden oft seit Jahren von den selben Kliniken gebucht, damit erübrigt sich das Problem mit der Einarbeitung.
Oder sind die Zustände bei Ihnen so, dass nicht mal mehr die Honorarärzte bei Ihnen arbeiten wollen? Das würde erklären, warum bei Ihnen auf Dauer nur noch die „Zweitbesten“ wieder kommen, die wo anders keiner mehr haben will.

Ich gebe Ihnen Recht, dass der Chefarzt als oberster Despot mittlerweile seltener anzutreffen ist. Diese Rolle haben häufig die Verwaltungen und Geschäftsführer eingenommen, die Chefärzte haben sich zu deren Handlangern degradieren lassen.

Ich finde es schade, dass Sie als hoffentlich auch betriebswirtschaftlich gebildeter Chefarzt den Unterschied zwischen Honorar und Angestelltengehalt noch nicht verstanden haben. Informationen dazu finden Sie auf den Seiten des BVH (www.bv-honoraraerzte.de).

Sind Sie vielleicht neidisch, dass andere aus diesem System ausgestiegen sind? Werden Sie doch Mitglied im BVH, wir helfen Ihnen gerne dabei!

Die (Honorar-)Ärzte und Leser des DÄB freuen sich auf Ihre Antworten!

MfG
Avatar #3300
mfunk
am Sonntag, 17. Februar 2013, 23:51

... Ganz so einfach ist es dann doch nicht, oder?

Herr Andres, ich gebe Ihnen völlig recht. Es wäre viel besser, hätten wir endlich wieder „stabile patienten- und mitarbeiterorientierte Klinikstrukturen“ . Dass allerdings Honorarärzte das Deutsche Krankenhaus destabilisieren, hat selbst Herr Prof. Schüttler so wohl nicht gemeint, als er seinen Angriff auf Honorarärzte seinerzeit im Focus-Interview auf dem nachfolgenden Westdeutschen Anästhesietag als „so nicht intendiert“ bezeichnete.

Über den Begriff „Aussteigerbewegung Honorararzt“ kann man trefflich diskutieren. Die meisten Freiberufler können ihr Fach nur noch auf diese Art und Weise bedienen und sind auf diese Art GEBLIEBEN. Meist Leute, denen man patientenorientiertes Engagement schlechterdings nicht absprechen kann – wenn auch nicht immer nach dem Willen eines Abteilungsleiters.

Die Betriebsprüfer der DRV interessieren sich für sowas. Und Sie sollten das auch auf Ihrem Schirm haben. Vorläufig befindet die DRV meist auf „scheinselbständig“. Das wiederum sollte zunächst jeden Geschäftsführer interessieren. Kostet nämlich auch.

Nachhaltig betrachtet kann niemand mehr Interesse daran haben, ärztliche Freiberufler im Krankenhaus unmöglich zu machen. Die wenigsten unter Ihnen könnten sich allein aufgrund Ihres schmerzlich erlebten faktischen „Rauwurfs“ vorstellen, wieder in Anstellung zu gehen. Sicher, die ideologischen Gräben sind noch tief. Selbst Schüttler spricht die hierarchische Organisation und die steigende Arbeits- und Fehlbelastung an.

Aber es liegt m.E. eine große Chance darin, durch die krisenhafte personelle Versorgungssituation mit einer Flexibilisierung des ärztlichen Arbeitsplatzes endlich eine echte dialogische Kommunikation zu entwickeln. Das funktioniert offenbar nicht von oben und auch nicht MB-Seminar-intendiert. Wir Ärzte werden in den nächsten Jahren alle Hände voll zu tun haben, uns den negativen Auswirkungen des Ökonomismus im Interesse der Patienten entgegenzustellen. DAS (vielleicht?) wäre unsere kollektive Aufgabe. Nicht die Erfüllung von Zielleistungsvereinbarungen! Sie wären nicht der erste ehemalige Chefarzt, der (obwohl er „alles richtig“ gemacht hat) das Wort „Akquise“ für sich neu entdeckt.

Man mag auf Ihre sonstige Polemik nur insofern eingehen, als Ihre einfaltspinselig-rechtmeinend-agitativpropagandistischen Einlassungen hoffentlich nicht eigenem Impuls geschuldet sind. Es beruhigt nicht, einen solchen selbstreflektiv eher unauffälligen Beitrag in einem ansonsten beruflich nicht zu umgehenden Druckwerk vorzufinden.

Ich stelle mir aber schon die Frage nach dem redaktionellen Hintergrund. Und den finde ich eher beunruhigend. Themennah (Umgang mit dem Ärztemangel vor Ort) kann man von dieser Fachzeitschrift mehr verlangen, als Kollegen gegeneinander auszuspielen und die defizitäre Patientenversorgung mit diesem Klamauk (der Zeitpunkt passt ja) zu verbinden.
Avatar #59325
schulte-hillen-2
am Sonntag, 17. Februar 2013, 18:47

einseitige Darstellung... schade...

Sehr geehrter Herr Kollege Andres,

als Honorararzt und Facharzt für Allgemeinmedizin halte ich das Honorararztwesen für eine dringend notwendige Lösung zur Überbrückung struktureller Schwächen, die durch jahrelange Misswirtschaft im Gesundheitswesen verursacht wurden.

Ich kann Ihre Argumentation: "Vom fachlichen Aspekt her birgt die Beschäftigung von Honorarärztinnen und -ärzten im Krankenhausablauf erhebliche Risiken. Es gibt einige hervorragende, aber auch ausgesprochen schlecht arbeitende Honorarärzte."
zwar inhaltlich nachvollziehen aber den Sinn dieser Äußerung verstehe ich nicht.

Genauso gut könnte man sagen, dass die Tätigkeit des Anästhesisten im Krankenhausablauf erhebliche Risiken birgt, da es einige hervorragende und ausgesprochen schlecht arbeitende Anästhesisten gibt.

Weiterhin verwechseln Sie in Ihrer Argumentation Ursache und Wirkung: Nüchtern betrachtet bietet Ihr Haus offenbar so wenig Anreiz für genügend fest angestellte Mitarbeiter dass Sie auf Honorarärzte zurückgreifen müssen. So einfach ist das.

Sie beklagen den Einsatz von Honorarärzten ohne überhaupt auf die dahinterliegenden strukturellen Probleme die diesen Einsatz erforderlich gemacht haben oder mögliche Alternativen einzugehen.
Das ist angesichts der Tatsache, dass Sie weder diese Ursachen beheben können noch Alternativen kennen, zwar nachvollziehbar aber was wollen Sie damit eigentlich sagen?

Ihre Klage kommt mir vor wie jemand, der den wenig ästhetischen Aspekt eines Industriefeuerlöschers beim Flächenbrand beklagt.

Vergessen Sie nicht, dass Honorarkräfte immer dann eingesetzt werden, wenn der operative Betrieb der Klinik mit normalem Personal nicht mehr gewährleistet ist. Insofern helfen die freiberuflich tätigen Kollegen auch, die Klinik überhaupt am Leben zu halten und damit die Stellen der festangestellten Kollegen zu sichern.

Zur Frage der Kosten: Der Einsatz von Honorarkräften ist zwar immerhin so teuer, dass die Entscheidung, diese zu beschäftigen von Seiten der Geschäftsleitung und nicht vom Chefarzt gefällt wird, aber finanziell auch nicht so verheerend, wie oft angenommen wird:

Basierend auf der tariflichen Arbeitszeit und den üblichen Fehlzeiten und Urlauben eines festangestellten Facharztes errechnen sich ca. 220 Arbeitstage a 8 Stunden. Ein Honorarzt, der genau soviel arbeitet, verdient netto im Vergleich zu einem z.B. 3 jährigen Facharzt der Heliosgruppe etwas über das Doppelte der festangestellten Kollegen. Der Honorararzt kostet den Auftraggeber aber weit weniger als das Doppelte, da Sozialbeiträge und Lohnfortzahlung im Urlaubs / Krankheitsfall entfallen.

Natürlich sind monatliche Bruttoeinkommen von mehr als 25.000 Euro für einen Honorararzt problemlos möglich und das ärgert im Land der Neider selbstverständlich viele. Aber auf diese Summen kommt man nur mit weit über 80 Wochenstunden, eine Arbeitsleistung, die für Festangestellte gesetzlich überhaupt nicht möglich ist.
Die wenigsten der Honorarärzte, die ich kennen arbeiten so und das ist auch sicher weder der Gesundheit noch der Möglichkeit, im Schadensfall vor Gericht nachweisen zu können, dass man ausgeruht gewesen ist, zuträglich. Und diese Einsatzzeiten werden auch nur dann von den Kliniken vom Honorararzt erbeten wenn es ums Überleben der Klinik geht.

Es tut mir leid, dass Sie so schlechte Erfahrungen mit den Kollegen Honorarärzten gemacht haben aber die aufgeführten Beispiele (z.B. "das Melden von gelegten regionalen Kathetern an den Akutschmerzdienst") lassen für mich vermuten, dass das Problem - wie in vielen Kliniken in denen ich gearbeitet habe - ganz einfach daran liegt, dass es keine gültigen Arbeitsprozessbeschreibungen gibt.
Wenn Sie mit Ihrem Team, welches traurigerweise nach Ihren Angaben "kein Qualitätszertifikat vorlegen muss" (in welchem Haus arbeiten Sie denn?) eher nach dem Motto der "Gewohnheitsprozesse" als nach schriftlich fixierten und für alle verbindliche Standard operational Procedures arbeiten, werden Sie Honorarärzte nie effizient in Ihrer Abteilung unterbringen können.

Natürlich verfügt der frisch bei Ihnen eingetroffene Honorararzt nicht über die hausinternen Kenntnisse, da haben Sie absolut Recht.
Aber so, wie Sie Ihre Argumentation aufbauen, wollen Sie aus einem Honorararzt ein vollwertiges Mitglied Ihres Teams machen und sind enttäuscht, dass dies nicht klappt.

Wenn Sie einen vollwertig hauspolitisch und strukturell eingebundenen Kollegen suchen, stellen Sie einen Kollegen fest ein und bieten Sie Ihr/Ihm einen vernünftigen Lohn und / oder gute Arbeitsbedingungen / Karrierechancen an.

Den Honorararzt selber interessieren die hausinternen politischen Probleme in der Regel herzlich wenig und er will als Arzt eingesetzt und bezahlt werden und nicht als das Multifunktionswesen zu dem viele fest angestellten Kollegen missbraucht werden, die alle möglichen zusätzlichen Tätigkeiten aufgehalst bekommen („bitte denken Sie daran, die Blumen im Arztzimmer zu giessen“).

Insofern ist die Aussenwirkung des honorarärztlichen Kollegen Ihnen gegenüber vielleicht ein wenig indifferent selbst wenn er gute Arbeit macht aber da er ohne Kündigungsschutz (und ohne soziales Netz, was oft vergessen wird!) arbeitet ist er vielleicht heute noch in Garmisch und in der nächsten Woche in Kiel.

Das was Sie als mangelnde Identifikation des Leiharbeiters mit dem eigenen Krankenhaus bezeichnen, ist für den Honorararzt vielleicht einfach neben der Besinnung auf das Wesentliche eine Art Selbstschutz. Trennungen tun besonders nach langen Engagements in einer Klinik sehr weh und ich weiß wovon ich spreche.

Allerdings verstehe ich nicht, warum der zielgerichtete Einsatz des Honorararztes bei Ihnen nicht klappt. Die Tätigkeit des Anästhesisten ist – so wie ich das aus den Kliniken in denen ich gearbeitet habe – zwar extrem differenziert und nötigt mir auch bei jeder Unterhaltung mit den Kollegen grenzenlose Bewunderung ob der angewandten Pharmakologie und der handwerklichen Fähigkeiten ab, aber im Grunde handelt es sich doch um ein Tätigkeitsfeld, bei dem es leicht wäre, Honoraranästhesisten mit bestimmten Routinen (OP Aufklärung, Narkose) zu betreuen.
In anderen Fachbereichen klappt der gezielte Einsatz von Honorarkräften sehr gut. Ich kenne Häuser, bei denen Allgemeinmediziner für die Stationsarbeit in operativen Fächern eingesetzt werden um den weiterbildungswilligen Jung-Chirurgen / -Urologen / -Orthopäden die für die Weiterbildung erforderlichen Operationen oder die Zeit in den Funktionsabteilungen zu ermöglichen.

Die artgerechte Haltung des Honorararztes ist die, ihn möglichst effizient und gesamtkostensparend für die Klinik einzusetzen. Dies wird dadurch erreicht, dass man sie / ihn möglichst nur die Tätigkeiten verrichten lässt, zu denen der Einsatz eines Arzte unabdingbar ist.
Alternativ kann es bei schlecht differenzierten Arbeitsprozessen erforderlich sein, sie/ihn so einzusetzen, dass den Kollegen im Haus, die man unbedingt behalten möchte, die Chance gegeben wird, ihre Weiterbildungszeit sinnbringend auszufüllen (OP Kataloge voll zu bekommen, Funktionsabteilungen zu besetzten usw).

Insofern folgt der Notwendigkeit des Einsatz von Honorarkräften zwar die bittere Erkenntnis über strukturelle selbst – oder fremdverschuldete operationelle Fehlentscheidungen in der Vergangenheit, sie bietet aber die Möglichkeit, den operativen Betrieb aufrechtzuerhalten und dabei die eigenen STOPs neu zu überdenken und künftig den festangestellten Kollegen ein Tätigkeitsfeld zu schaffen, in dem sie sich so wohlfühlen, dass der Arbeitgeber künftig den Einsatz von Honorarkräften vermeiden kann.

Das ist langfristig der richtige weil nachhaltige Weg, Versichertengelder sinnvoll in die Krankenversorgung zu investieren.

Insgesamt finde ich den Artikel von Ihnen etwas einseitig (Sie kennen ja nur die eine Seite...) aber bei kritischer Würdigung des Gesagten kann ich mich nicht des Eindruckes erwehren, dass dieser Artikel seine argumentative Fallhöhe aus persönlichen schlechten Einzelerfahrungen, basierend auf einer grundsätzlich falschen Auffassung über den effizienten Einsatz von Leiharbeitern schöpft.

In einem Punkt muss ich Ihnen jedoch uneingeschränkt beipflichten:
Sie schreiben: „Durch den Kontakt mit den Leihärzten kommen einige Fachärzte zudem auf die Idee, ebenfalls unabhängig tätig zu sein oder die Stelle zu reduzieren, um an den freien Tagen honorarärztlich tätig zu werden und so das Einkommen zu steigern.“

Ja, das ist fürwahr korrekt und Sie sollten sich glücklich schätzen, kritische und intelligente Kollegen zu beschäftigen, bei denen irgendwann die Erkenntnis dämmert, dass es durchaus zu rechtfertigen ist, als Honorararzt den Stundenlohn eines Klemptners (bei uns in München 85 Euro/h, Anfahrt und Lehrling, der daneben steht, nicht mitgerechnet) für die verantwortungsvolle Arbeit als Arzt zu erzielen.

Aber statt den Überbringer der Botschaft, den Honorararzt, der die Mitarbeiter „auf böse Ideen bringt“ an den Pranger zu stellen, sollten Sie vielleicht Ihren leider nur kurz angerissenen Punkt des „nach oben offenen Spielraums des Gehaltes der festangestellten Ärzte“ etwas weiter ausarbeiten und vielleicht überlegen, wo denn wirklich das Geld der Versicherten besser aufgehoben ist: Bei den „Rücklagen“ der GKV oder bei den Leistungserbringern am Patienten, sei es nun als festangestellter oder freiberuflicher Kollege.

Abschließend in eigener Sache: Wie die meisten Honorarärzte arbeite ich nicht deswegen freiberuflich weil ich das müsste sondern weil ich das so will. Ich tausche bewusst die Sicherheit eines sozialen Netzes gegen die Freiheit, jederzeit kurzfristig eine Arbeitsstelle aufgeben zu können und weiterzuziehen wenn mir die Atmosphäre oder der Chefarzt nicht mehr taugt.

Der Punkt des sehr interessanten Honorars stellt dabei nur einen Teilaspekt dar. Viel wichtiger als ein hohes Einkommen ist die bessere Life-Work Balance und der eklatante Unterschied, zu arbeiten weil man will statt weil man muss.
Diese Grundhaltung schlägt sich sicher in meiner Arbeitsweise nieder und die Tatsache, dass jede Klinik, in der ich bislang gearbeitet habe, versucht hat, mich fest einzustellen, fasse ich als sichtbaren Aspekt dieser Arbeitseinstellung und Arbeitsleistung auf. Dieses Feedback an sich ist unbezahlbar.

Gerne biete ich Ihnen an, sofern ich keine anderen Aufträge habe, bei Ihnen in einer Position als Honorararzt zu arbeiten, die ich als Facharzt für Allgemeinmedizin ausüben kann, vielleicht kann ich den schlechten Eindruck, den sie über die Honorarärzte haben, etwas ausbügeln. Wo arbeiten Sie denn?

Kollegiale Grüße,

Dr. Jan Schulte-Hillen
FA für Allgemeinmedizin
Honorararzt
Mail: jan@lupara.org
Avatar #114970
markusgoerdes
am Sonntag, 17. Februar 2013, 17:56

Re: Honorararztwesen in Deutschland: Eine gefährliche Entwicklung

Lange nicht mehr so viel Stuss gelesen.
Avatar #653267
asklepion
am Sonntag, 17. Februar 2013, 14:36

Gefährliches Honorararztwesen?

Stimmt, es gefährdet die im Text genannten Chefarztstrukturen zugunsten von eigenständig denkenden Fachärzten, analog dem angelsächischen System.
Natürlich sind unter den honorarärztlich tätigen Kollegen aller Fachrichtungen auch unbequeme und/oder weniger kompetente Kollegen. Dieses Merkmal teilen sie mit allen anderen Ärzten in unserem Land. Vermutlich finden sich auch Abstufungen innerhalb der Abteilung des Kollegen Andres.

Zertifikate als Ausdruck einer überprüfbaren Qualität sind hierzulande weit verbreitet (DIN ISO 9600, KTQ und andere). Wenn diese ein Nachweis fehlender Qualität sind, sollten gerade die Klinken dringend anfangen umzudenken.
Gefährlich und ausgesprochen unkollegial ist jedoch die Vermischung von Halbwahrheiten und nachvollziehbaren Unwahrheiten seitens des Autors. Kompetenz hat nichts mit der Art der Beschäftigung zu tun. Sollte sich Dr. Andres morgen entschliessen seine Stelle als Chefarzt zu kündigen um als Honorararzt zu arbeiten ändert dies nichts an seinen fachlichen Fähigkeiten.
Das Anwerben von Ärzten aus aller Herren Länder (das DÄB berichtete erst kürzlich) um die selbstverursachten Personallücken in unserem Gesundheitswesen auf Kosten der medizinischen Versorgung in anderen Ländern zu stopfen stellt mit Sicherheit eine grössere Belastung des Personals in den Kliniken dar, als das Honorararztwesen.
Der Vergleich von Umsatz (Stundenlohn eines Honorararztes) mit dem Stundenlohn eines abhägig beschäftigten Angestellten ist betriebwirtschaftlicher Unsinn. Eine Nennung des eigenen Stundensatzes hätte zumindest eine annähernde Vergleichbarkeit ermöglicht. Letztlich sind Honorarärzte Fachärzte in ihrem jeweiligen Gebiet, genau wie der Autor.

Abschliessend möchte ich dem Autor in einem Punkt direkt widersprechen.
Die Ausbeutung der anhängig angestellten Ärzte, insbesondere der in Ausbildung begriffenen Kollegen, war zu keinem Zeitpunkt unserer Geschichte ein Teil des ärztlichen Berufsbildes. Die aktive Förderung und die passive Duldung dieser Unsitten durch die Chefärzte dieses Landes in der Vergangenheit ist ein bleibender Schandfleck unseres Berufsstandes.
Dies als Ursache des bestehenden ärztlichen Personalmangels zu leugnen zeugt von fortwährender Ignoranz.
Avatar #662486
BDAerzte
am Sonntag, 17. Februar 2013, 12:05

Honorarärzte: eine gute Alternative zur Festangestellung oder Niederlassung

Mit der Meinung vom Chefarzt Dr. Meisers bin ich nicht einverstanden. Es ist schade, dass er nur negative Erfahrungen mit Honorarärzten gemacht hat. Es gibt sehr viele andere Erfahrungen der deutschen Krankenhäuser, die über mehrere Monate und in Einzelfällen Jahren die Honorarärzte beschäftigen. Es ist natürliche eine Notsituation für das Haus aber wenn es an Qualität bei solcher Ärzte gemangelt hätte, hätten die Krankenhäuser es über mehrere Jahren nicht gemacht. Normalerweise, wenn ein Honorararzt über eine ernsthafte Vermittlungsagentur an das Krankenhaus vermittelt wird (was natürlich einbichsen mehr kostet) wird auf das Qualität des Arztes streng geachtet, bei mangelnder Qualität oder einer negativen Rückmeldung des vorherigen Auftrag- bzw. Arbeitsgebers wird der Arzt/in nicht weiter vermittelt. An der Stelle sind die Regeln bei den guten Agenturen hart.
Nun allgemein zu pauschalisieren und zu sagen, alle Honorarärzte haben ganz schlechte Qualität finde ich schlicht weg falsch. Es gibt natürlich einige negative Ausnahmen aber meistens mit denen ich während meiner Tätigkeit als Ärztevermittler konfrontiert war, waren sehr gute, kreative Personlichkeiten, qualitativ gut ausgebildetete Ärzte und flexible Kollegen, die ich erleben durfte. Wenn ich mit denen gesprochen und gefragt habe, was für Grund sie hatten als Honorararzt tätig zu sein viele haben (natürlich neben dem Wunsch besser verdienen zu können, was allgemein menschlich verständlich ist) gesagt, dass sie unabhängig sein wollten, eigene Zeit selbst planen können, die Familie und den Beruf flexibel verbinden können, frei von den Krankenhauszwängen zu sein. Sind das nicht gute Bewegungsgründe und eine gute Alternative zu einem Festangestellten Arzt oder einer Niederlassung?
An der Stelle des Autors würde ich mich fragen, warum suchen viele festansgestellte Ärzte eine Alternativmöglichkeit? Das Geld spielt dabei natürlich eine große Rolle. Aber es ist nicht nur das Geld, sondern auch die Weiterbildungsmöglcihkeit, Intergration in ein neues Team, Lernen, wie es in den anderen Häusern läuft.
Häufig höre ich von vielen Honorarärzten, dass sie sich auf Dauer nicht binden wollen und möchten sich flexibel fühlen. Es sagt aber nicht über deren mangelnde Fachqualität, sondern mehr über ihren eigenen Wunsch nach einer relativer Freiheit.
Aus meiner Sicht ist ein Honorararzt zu sein eine "dritte" gute Alternative zu den seit Jahren bekannten und bestehenden in Deutschland zwei anderen Modellen wie eine Festanstellung oder eine Niederlassung. Ich finde ist es gut entsprechend eigener Persönlichkeit frei entscheiden zu dürfen, was man machen möchte. Wenn man eine Sicherheit neben seinem zu Hause mit niedrigerem Gehalt sucht, ist eine Festanstellung sicherlich eine gute Variante, wenn man aber jung, kreativ gut ausgebildet, risikobereit, örtlich flexibel ist, könnte man diesem Arzt eine Honorararzttätigkeit empfehlen. Ich bin überzeugt, dass es gut ist, dass heuzutage mehr Alternativmodellen im Bereich Medizin existieren.
Und ich finde, dass solche künstliche Versuche diesen Weg den Ärzten zu unterbinden schädlich.

Vladimir Krassilschikov
BDAerzte/Ärztevermittlungsagentur
Avatar #662479
Rempe
am Sonntag, 17. Februar 2013, 10:51

Gefühlte Qualität?

Die vom Autor gewonnenen Erkenntnisse machen nicht den Eindruck, als seien sie von höherer Evidenz als die des von ihm selbst kritisierten Instruments Umfrage.
Qualitativ bewegt sich der Honorararzt wohl eher im gleichen Bereich wie die im Angestelltenverhältniss tätigen Kollegen. Warum sollte es anders sein? Weil nur die Totalausfälle in die Freiberuflichkeit wechseln? Unwahrscheinlich.
Wo wir schon bei Qualität sind: schön zu erleben, dass der Honorararzt das Ende der qualitätsorientierten Medizin sein soll (Hr. Schüttler), aber die Kollegen aus dem Rest der Welt, bar jeder Sprach- und Sachkenntnis, offenbar als die Rettung der deutschen Krankenhauswesens gefeiert werden.
Das Herr Andres als Chefarzt natürlich der Ansicht ist, die Hieracheien seien flach und die Chefs von heute alle total knorke versteht sich von selbst. Daher kann er auch kein Verständnis dafür aufbringen, das Menschen der Befehlsgewalt seinesgleichen entfliehen möchten.
Die Angesprochenen Stundenlöhne sind schon recht hoch gegriffen, ich habe leider noch nie einen solchen aushandeln können. Unabhängig davon ist die finanzielle Belastung, die ein Söldner darstellt, überschaubar:
1) mangels Lohnnebenkosten, Urlaub, Krankheit und Fortbildung sind Söldner auf's Jahr gerechnet auch nicht wesentlich teuerer als eine Oberarztstelle
2) Da die unbesetzten Stellen nicht 1-zu-1 mit Freiberuflern besetzt werden spart ein Krankenhaus ja schon einige Assistentengehälter ein, wovon ein Söldner prima zu finanzieren ist.
3) Vor nicht allzu langer Zeit waren die Kliniken noch bereit den Chefärzten exorbitant hohe Gehälter zu bezahlen. Das hat sich geändert, aber auch damals war der Aufschrei der Empörung, daran würde das Gesundheitssystem zerbrechen und die Beiträge der Versicherten verschwendet, nicht zu hören. Schon gar nicht von den Chefärzten, nebenbei bemerkt.

Aber wenn wir schon bei "aus meiner Erfahrungs"-Geschichten sind:
Oft genug bin ich (ein Honoraranästhesist) der letzte im OP, oft genug bin ich derjenige für die aufwendigen OP's, was vielleicht auch daran liegen mag, dass ich nicht selten auch der einzige Facharzt weit und breit bin und die so kollegialen Herren Chefärzte die aktive Tätigkeit im OP an echten Patienten als unter Ihrer Würde betrachten.

Zum Thema "Qualitätszertifikat"
Auch die Mitarbeiter von Herrn Andres müssen ein Qualitätszertifikat beibringen, auch wenn er es vielleicht nicht so empfindet: sie müssen (als Fachärzte) ihre Fortbildungspunkte sammeln und nach fünf Jahren ein Fortbildungszertifikat erwerben, ein polizeiliches Führungszeugnis beibringen, eine Arbeitserlaubnis, Sprachzertifikat, Approbation etc. vorweisen können. Im wesentlichen sind das auch die Inhalte des angedachten Qualitätszertifikats des Berufsverbandes, wobei es schon eine ziemliche Unverschämtheit ist zu postulieren, das, wer seine Qualifikation nachzuweisen gewillt ist, scheinbar ein Problem mit derselben habe. Sonst könnten wir ja auch die ärztliche Prüfung abschaffen und einfach davon ausgehen, dass alle sowieso ganz schwer auf Scheibe sind, jedenfalls wenn sie im Angestelltenverhältnis zu arbeiten gedenken.

In einem Punkt muss ich Herrn Andres jedoch recht geben:
Honorarärzte weisen keine oder wenig Identifikation mit dem Arbeitgeber auf.
Allerdings haben wir dadurch, dass wir uns weniger mit dem Erlös der Klinik beschäftigen müssen, wieder mehr Zeit uns für die Patienten zu interessieren.

Zum Kommentar von Dr. Beierlein:
"Meist sind sie unfreundlich (bis unverschämt), unmotiviert (schlimmstenfalls arbeitsverweigernd) und zu einem nicht unerheblichen Anteil mäßig kompetent."
Genau, und die meisten sind auch hässlich, riechen schlecht und schlagen ihre Kinder.

Herr Andres: ich habe im Mai noch Zeit, sprechen sie mich an, ich helfe gerne.

Avatar #601646
Krankenhausarzt
am Sonntag, 17. Februar 2013, 10:27

Zu offensichtlich

Meine eigenen Erfahrungen mit Honorarärzten sind das genaue Gegenteil: Mit Honorarärzten erreiche ich Kollegen,
die noch nicht völlig desinteressiert, abgearbeitet und desillusioniert vom Krankenhausalltag Dienst nach Vorschrift machen.
Denn da kommen zeitlich flexible, fast immer überdurchschnittlich gut ausgebildete und engagierte Mitarbeiter.
Klar sind die selbstbewusst und genau scheint dass stört den Kollegen Andres zu stören.
Klar verdienen die pro Stunde mehr, wenn sie denn gebucht werden (der Lohnabstand zwischen den Honorarärzten und dem Kollegen Andres wird aber schon noch groß genug sein).
Der Kommentar zeigt doch nur, dass einigen leitenden Ärzten in Deutschland gedanklich die Felle wegschwimmen, denn ihre ständischen Privilegien kommen unter die Räder. Darum geht es.
Die Personalpolitik des deutschen Krankenhauses, vor allem aber die innerärztlichen Strukturen sind auf dem Nivau der fünfziger Jahre.
Die Herausforderungen sind aber die von 2013. Honorarärzte geben zumindest eine Antwort auf diese Herausforderungen.
Deshalb: Es wird kein back to the roots geben, so offensichtlich hier Lobbyarbeit für die Restauration des allen Lesern sattsam bekannten deutschen Krankenhauses betrieben wird.
Avatar #90533
nicolaischaefer
am Sonntag, 17. Februar 2013, 09:20

Einladung zum Gastvortrag

Sehr geehrter Herr Dr. Andres,
hiermit möchte ich Sie zu unserem diesjährigen Symposium zum Thema Honorarärzte im Deutschen Gesundheitswesen vom 6.9. bis 8.9. in Berlin Dahlem einladen. Ich würde mich über Ihre Beteiligung im Rahmen eines kritischen Vortrags zum Thema sehr freuen! Ich darf Ihnen hiermit persönlich einen ausreichenden Raum für eine ordentliche und ausführliche Diskussion zusichern, die hier im DÄB allerdings jeden Rahmen sprengen würde.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Nicolai Schäfer, Bundesverband der Honorarärzte (BV-H e.V.)
Avatar #593371
Dr. Beierlein
am Samstag, 16. Februar 2013, 21:16

Durchgehende Zustimmung

Die Ausführungen des Kollegen Andres sind zu unterstreichen: Auch ich habe (leider) durchweg schlechte Erfahrungen mit Honorarkollegen gemacht: Meist sind sie unfreundlich (bis unverschämt), unmotiviert (schlimmstenfalls arbeitsverweigernd) und zu einem nicht unerheblichen Anteil mäßig kompetent. Der Gedanke der "Rosinenpickerei" drängt sich auf! Die Gefahren die Herr Andres sieht sind m. E. real und versorgungsgefährdend.
Deutsches Ärzteblatt plus
Honorarztforum

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema