ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2013Annette Schavan: Nun auch Ehrendoktor in Gefahr

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Annette Schavan: Nun auch Ehrendoktor in Gefahr

Dtsch Arztebl 2013; 110(7): A-253 / B-237 / C-237

Richter-Kuhlmann, Eva

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Kampf um Titel: Der akademische Doktortitel ist Schavan vorerst aberkannt, der Doctor honoris causa (Dr. h. c.) von der Universität zu Lübeck zuerkannt, aber noch nicht verliehen. Foto: dapd
Kampf um Titel: Der akademische Doktortitel ist Schavan vorerst aberkannt, der Doctor honoris causa (Dr. h. c.) von der Universität zu Lübeck zuerkannt, aber noch nicht verliehen. Foto: dapd

Nach ihrem entzogenen Doktortitel könnte Schavan auch noch eine Ehrendoktorwürde verlieren. Die Universität zu Lübeck will jedoch an der Ehrung festhalten und verweist auf Schavans Engagement im Bereich der Medizin.

Die Schlagzeilen um Annette Schavan (CDU) überschlagen sich: Vier Tage, nachdem ihr die Universität Düsseldorf den Doktortitel entzogen hatte, trat die Bun­des­for­schungs­minis­terin zurück. Sie begründete diesen Schritt mit dem Respekt vor ihrem Amt und kündigte zugleich eine Klage gegen die Universität an.

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Nun ist auch noch einer von Schavans Ehrendoktortiteln gefährdet. Kurz nach der Aberkennung des Doktortitels durch die Universität Düsseldorf teilte allerdings das Präsidium der Universität zu Lübeck mit, an der geplanten Würdigung Schavans mit dem Ehrendoktortitel festhalten zu wollen. Offiziell verliehen ist der Titel nämlich noch nicht. Der Akademische Rat der Universität hatte ihn ihr vor gut einem Jahr – also Monate vor Bekanntwerden des Plagiatsverdachts – bereits zuerkannt, die Überreichung jedoch aufgrund von Landtagswahlen auf dieses Frühjahr verschoben.

Der Präsident der Universität zu Lübeck, Prof. Dr. Peter Dominiak, bleibt dabei: „2010 hat Schavan entscheidend dazu beigetragen, die Medizin als akademisches Fach an der Universität Lübeck zu erhalten. Ohne die Medizin wäre die gesamte Lübecker Universität existenziell bedroht gewesen und damit auch die vor Ort betriebene Wissenschaft“, argumentiert er. Seiner Ansicht nach ändert daran die Plagiatsaffäre nichts. Die Ehrendoktorwürde sei schließlich kein akademischer Grad.

Unter Ärztinnen und Ärzten ist Schavan, die als eher „stille“ Ministerin gilt, jedoch nicht nur durch ihre „Rettungsaktion“ der Medizin in Lübeck bekannt, sondern vor allem durch eine neue strategische Ausrichtung der Förderung von medizinischer Forschung und durch die Etablierung der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung.

Den Grundstein für die Zentren legte Schavan mit dem 2010 verabschiedeten „Rahmenprogramm Gesundheitsforschung“. „Eine neue Ära der Gesundheitsforschung bricht an“, prophezeite sie im Sommer vergangenen Jahres bei der offiziellen Vorstellung der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung in Berlin. Alle sechs geplanten Zentren bestehen mittlerweile: das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung, das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung, das Deutsche Zentrum für Lungenforschung und das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung. Erst vor wenigen Wochen, im Dezember vergangenen Jahres, wurde das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung eröffnet. In den sechs Zentren arbeiten Wissenschaftler aus insgesamt mehr als 120 universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen an 39 Standorten zusammen.

Die Zentren sollen vordergründig optimale Forschungsbedingungen für den Kampf gegen die Volkskrankheiten schaffen und Deutschland international konkurrenzfähig halten. Mit ihrem Projekt verfolgte Schavan aber auch noch eine andere Intention: Sie wollte die „Versäulung“ in der medizinischen Forschung abschaffen. Dabei setzte sie auf eine Koppelung von präklinischer und klinischer Forschung sowie auf eine (unter den Akteuren nicht unumstrittene) Kooperation von universitärer und außeruniversitärer Forschung. Dies hat sie sich einiges kosten lassen: Bis 2015 stellt das Bun­des­for­schungs­minis­terium etwa 700 Millionen Euro dafür zur Verfügung.

Für Schavans Nachfolgerin, die 61-jährige CDU-Politikerin und Mathematikerin Dr. Johanna Wanka, bleibt im Gegensatz zu Schavan, die sieben Jahre Bun­des­for­schungs­minis­terin war, bis zur Bundestagswahl im September nicht mehr viel Gestaltungsspielraum. Wanka leitete von 2000 bis 2009 in Brandenburg und ab 2010 in Niedersachsen das Hochschulressort.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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Avatar #655364
DrWoRa
am Freitag, 15. Februar 2013, 16:04

Studentin an einer PH

Für mich ist vollkommen ungeklärt, ob Frau Prof. Dr. hc. Schavan mit ihrer Fächerkombination an einer "richtigen" Universität, in ihrem Fall Bonn und Düsseldorf, oder an einer Pädagogischen Hochschule (PH), in ihrem Fall der PH Rheinland mit Zweigstellen in Bonn und Neus (!!!!) studiert hat?
Erst im Jahr 1980 wurde die PH Neuss in die Universität Düsseldorf aufgenommen. Im Jahr 1980 beendete Frau Prof. Dr. Schavan gerade ihr Studium mit einer Dissertation der PH Neuss. Ihr Doktorvater von der PH Neuss wurde danach zum Professor an der Uni Düssseldorf ernannt.
Wer die Verhältnisse in den 70-iger Jahren kannte, weiß, daß es einen sehr großen Unterschied zwischen einem PH-Studium und einem Universitäts-Studium gab!



Ach ja, sehr gerne erinnere ich mich an die Mensa der PH Münster......;)

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