ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2013Syndrom des Trockenen Auges: Tränenfilm stabilisiert sich unter Phytoöstrogenen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Syndrom des Trockenen Auges: Tränenfilm stabilisiert sich unter Phytoöstrogenen

Dtsch Arztebl 2013; 110(7): A-273 / B-254 / C-254

Gerste, Ronald D.

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Die Produktion des Tränenfilms und seine zur Erfüllung der physiologischen Aufgaben notwendige korrekte Zusammensetzung sind in hohem Maß von den Sexualhormonen abhängig; Rezeptoren für Androgene und Östrogene sind im Bindehautepithel, auf der Oberfläche der Hornhaut und in den an der Tränensekretion beteiligten Drüsen nachgewiesen. Tränenfilmstörungen mit der daraus resultierenden Sicca-Symptomatik („Trockenes Auge“), zu der Reizungen, Fremdkörpergefühl und Mikroläsionen der Hornhaut gehören, sind bei Frauen nach der Menopause häufig.

In einer doppelblinden placebokontrollierten randomisierten Crossover-Studie aus Italien erhielten 66 an Sicca-Symptomatik leidende Frauen mit mindestens einem Jahr ohne Ovarialfunktion (Durchschnittsalter 57 Jahre) in den ersten 30 Studientagen ein Phytoöstrogen oder Placebo. Danach schloss sich eine Auswaschzeit von 30 Tagen an, dann wurde ein Crossover durchgeführt und in der ehemaligen Placebogruppe das Phytoöstrogen und in der ehemaligen Phytoöstrogengruppe das Placebo gegeben. Zu den Inhaltsstoffen der Phytoöstrogentabletten gehörten alpha-Liponsäure, Eicosapentaensäure, Diosgenin und steroidales Saponin. Die Supplementation führte zu einer deutlichen Änderung der Werte in den beiden wichtigsten Tests zur Evaluierung des trockenen Auges: Die Break-up Time (BUT) stieg von 0,72 Sekunden vor Beginn der Supplementation auf 7,54 Sekunden am Ende der 30-tägigen Therapie (T30) an; am Ende der Auswaschzeit (T60) war sie auf 1,72 Sekunden, nach Crossover auf Placebo (T90) auf 0,6 Sekunden gesunken. Die Kontrollgruppe erlebte nach Umstellen von Placebo (T30 = 0,9 Sekunden) eine ähnliche Verbesserung der BUT auf 6,54 Sekunden (T90). Der Schirmer-Test verzeichnete eine Verbesserung der Fließstrecke von 1,45 mm auf 5,63 mm (T30) in der zuerst behandelten Gruppe und von 1,09 mm (T60) auf 6,36 mm (T90) in der Kontrollgruppe nach dem Cross-over. In beiden Gruppen nahm unter Therapie die Tränenfilmosmolarität ab.

Fazit: Phytoöstrogene können bei schweren postmenopausalen Tränenfilmstörungen die topische Therapie, die Gabe von Tränenersatzmitteln, unterstützen und die Parameter der Tränenfilmfunktion deutlich verbessern. Die erneute Verschlechterung dieser Parameter nach Washout und Crossover zum Placebo zeigt, dass der Effekt transient ist. Dr. med. Ronald D. Gerste

Scuderi G, Contestabile MT, Gagliano C, et al.: Effects of phytoestrigen supplementation in postmenopausal women with dry eye syndrome: a randomized clinical trial. Can J Ophthalmol 2012; 47: 489–92. MEDLINE

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