ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2013Ergebnisse ins Gegenteil verkehrt
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Frau Diemert zitiert, dass als Konsequenz aus der Invasivität offener Fetalchirurgie zur Behandlung von Ungeborenen mit Myelomeningozelen, die Entwicklung minimal-invasiver Techniken zu fördern sei. Dabei weist sie auf einen von mir entwickelten fetoskopischen Ansatz hin, dem sie jedoch „eher ernüchternde Ergebnisse“ aufgrund „einer hohen Komplikationsrate“ konstatiert. Leider gibt sie damit eine veraltete Datenlage wieder und bezieht sich lediglich auf die ersten 19 von fast 70 behandelten Patienten. Dies hat Konsequenzen.

Diemerts Beschreibung charakterisiert die klinische Einführungsphase dieses technisch komplexen Operationsverfahrens. Für die Gegenwart trifft das Gegenteil zu (siehe auch Kohl T, Kawecki A, Degenhardt J, Axt-Fliedner R, Neubauer B: Early neurological findings in 20 infants after minimally-invasive fetoscopic surgery for spina bifida at the University of Giessen 2010 – 2011 Ultrasound Obstet Gynecol 2012; 40(Suppl 1): 9. und Degenhardt J, Schürg R, Kawecki A, et al.: Maternal outcome after minimally-invasive fetoscopic surgery for spina bifida . The Giessen experience 2010 – 2012. Ultrasound Obstet Gynecol 2012; 40(Suppl. 1): 9.), (1). Die frühen kinderneurologischen Ergebnisse der vergangenen zwei Jahre sind ausgesprochen ermutigend, denn sie attestieren einem Großteil der Kinder erstaunlich gute Beinfunktionen. Eine Besserung der Chiari-II-Malformation sowie eine geringere Notwendigkeit zur nachgeburtlichen Shunt-Anlage werden ebenfalls regelmäßig beobachtet, und das bei einer niedrigen Rate maternaler und fetaler Komplikationen, einer fetalen Sterblichkeit von unter 3 % (1/40) und einem Geburtszeitpunkt erst im letzten Schwangerschaftsviertel bei inzwischen 85 % der Kinder.

Diemert und Kollegen verkehren die Ergebnisse ins Gegenteil – mit gravierenden Konsequenzen für Schwangere mit erkrankten Ungeborenen. Angesichts dieses fehlerhaften Fazits werden Betroffene weiterhin in hohem Maße zu einem Schwangerschaftsabbruch neigen. Zumindest ein Teil der Kinder, die dennoch, aber ohne vorgeburtliche Therapie zur Welt kommen, haben vermutlich einen deutlich schlechteren Start ins Leben.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0134b

Prof. Dr. med. Thomas Kohl

Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM)
Deutsches Zentrum für Fetalchirurgie &
minimal-invasive Therapie (DZFT)
thomas.kohl@uniklinikum-giessen.de

1.
Degenhardt J, Kawecki A, Enzensberger C, Stressig R, Axt-Fliedner R, Kohl T: Reversal of hindbrain herniation within a few days after minimally-invasive fetoscopic surgery for spina bifida indicates the desired water-tight closure of the lesion. Ultrasound Obstet Gynecol 2012; 40(Suppl. 1): 74.
2.
Diemert A, Diehl W, Glosemeyer P, Deprest J, Hecher K: Intrauterine Surgery—Choices and Limitations. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(38): 603–8 VOLLTEXT
1. Degenhardt J, Kawecki A, Enzensberger C, Stressig R, Axt-Fliedner R, Kohl T: Reversal of hindbrain herniation within a few days after minimally-invasive fetoscopic surgery for spina bifida indicates the desired water-tight closure of the lesion. Ultrasound Obstet Gynecol 2012; 40(Suppl. 1): 74.
2.Diemert A, Diehl W, Glosemeyer P, Deprest J, Hecher K: Intrauterine Surgery—Choices and Limitations. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(38): 603–8 VOLLTEXT

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