ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2013Weitere wichtige Arzneimittelinteraktionen
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Im Fokus der Betrachtungen sollten auch schwerkranke oder gefährdete Patienten sein, wie intensivmedizinisch oder onkologisch betreute Patienten, für die eine lege artis durchgeführte medikamentöse Behandlung die Grundlage eines Gewinns an Lebenszeit oder Besserung bildet.

So könnte ein in der vorliegenden Publikation nicht thematisierter möglicher Wirkungsverlust bei inadäquatem Applikationsintervall, wie zwischen der Gabe von Dexamethason und Temozolomid für Hirntumor-Patienten, bedeutungsvoll sein. Beide Arzneimittel werden unter klinischen Bedingungen in der Regel einmal täglich morgens gleichzeitig verabreicht. Maximale Blutspiegel werden nach Gabe beider Arzneimittel nach circa 0,5–2 Stunden erreicht. Dexamethason verfügt über eine membranstabilisierende und stark abdichtende Wirkung auf die Blut-Hirn-Schranke (1, 2), so dass die mit nur 30 % angegebene niedrige ZNS-Bioverfügbarkeit von Temozolomid vorhersehbar beeinträchtigt wird und zum unerwünschten Misserfolg der Therapie beitragen kann. Eine zeitlich versetzte Gabe von Dexamethason, zum Beispiel 4–6 Stunden nach Temozolomid, wäre auf Grund der pharmakokinetischen Eigenschaften beider Arzneimittel ratsam.

Eine Veränderung der Wirkungsstärke durch Verdrängung aus der Plasmaproteinbindung wird nicht erwähnt. Dies trifft auch für das stark an Albumin gebundene Dexamethason in Wechselwirkung mit ebenfalls an Plasmaeiweiß gebundenen anderen Arzneimitteln zu.

Unter den Antidepressiva/Antipsychotika wäre Lithium mit seinem ausgeprägten Interaktionsspektrum zu ergänzen (Vortrag von K. Lehmann, „Interaktionen von Lithium“, 2. Jahrestagung der ANPT Dresden, 15.–18. 9. 1993).

Interaktionen von Arzneimitteln mit niedriger therapeutischer Breite einschließlich ihrer klinisch relevanten Konsequenzen kommt generell ein besonderer Stellenwert zu, der explizit thematisiert werden sollte.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0133a

Dr. med. Karla Lehmann
Eibau OT Walddorf
0Karla.Lehmann@t-online.de

1.
Fachinformation Dexamethason Jenapharm, Stand März 2009.
2.
Möhnle P, Uhl E, Briegel J: Glukokortikoide in der Neurointensivmedizin – welche Indikationen sind gesichert? J Neurol
Neurochir Psychiatr 2008; 9: 7–12.
3.
Cascorbi I: Drug interactions — principles, examples and clinical consequences. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(33–34): 546–56 VOLLTEXT
1. Fachinformation Dexamethason Jenapharm, Stand März 2009.
2. Möhnle P, Uhl E, Briegel J: Glukokortikoide in der Neurointensivmedizin – welche Indikationen sind gesichert? J Neurol
Neurochir Psychiatr 2008; 9: 7–12.
3. Cascorbi I: Drug interactions — principles, examples and clinical consequences. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(33–34): 546–56 VOLLTEXT

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