ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2013Börsebius: Negerkönig, Pfeffersäcke

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Börsebius: Negerkönig, Pfeffersäcke

Dtsch Arztebl 2013; 110(8): A-336 / B-308 / C-308

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Ein Sturm der Entrüstung braust über Deutschland hinweg. Von Sexismus bis Rassismus ist alles dabei, die Brüderles dieser Welt erstaunen uns, Schaum schlagend wie auch denselben erzeugend. Und spätestens seit eine leibhaftige Familienministerin ihrem Kind beim Vorlesen Pippi Langstrumpfs Negerkönig einfach unterschlägt, genauer namentlich umtopft, wissen wir, die Gesellschaft ist in solchen Dingen mittlerweile hochsensibel und stellt alles Sexistische und Rassistische infrage.

Die Gesellschaft? Alles? Von wegen. Es gib einen Bereich, in dem sexistische wie rassistische Begriffe fröhliche Urständ feiern, und kein Mensch regt sich darüber auf. Das ist bestimmt nicht richtig. Auf dem glatten Parkett rund ums Geld, um Aktien, an den Börsen wimmelt es gerade von politisch unkorrekten Beschreibungen und Zuordnungen.

Ein ganzer Berufsstand muss darunter leiden, wenn es gilt, eine in die Jahre gekommene Aktienblüte zu beschreiben, die kurz vor dem großen Krach steht. „Dienstmädchenhausse“ nennen die Börsianer dieses Phänomen, und niemand aus dieser Berufsgruppe rennt zum Kadi oder zum öffentlichen Medienpranger. Dass das Synonym für dieselbe Entwicklung auch als „Hausfrauenrallye“ bezeichnet wird, regt auch niemanden auf. Ich habe bislang jedenfalls noch keine Hausfrauenarmada gesehen, die organisiert auf der Straße dagegen demonstriert hätte. Unfassbar. Jetzt wird es aber höchste Zeit, die beiden diskriminierenden Begriffe durch „Butlerbaisse“ zu ersetzen, weil ja auch Hausdiener ihre Westen gut ausfüllen können.

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Und überhaupt, was soll die Attacke gegen ein gewisses Fräulein Lieschen Müller, deren namentliche Nennung an der Börse immer dazu hergenommen wird, wie doof das Mädel eigentlich sei. Lieschen Müller versteht zum Beispiel nichts von covered warrants oder Cross Border Leasing, Stadtkämmerer übrigens auch nicht.

Völlig aus der Mode gekommen ist übrigens die Sitte, Börsianer als Pfeffersäcke zu bezeichnen. Gottlob, so scheint es, denn da könnten ja angesichts der zuweilen hysterischen Dispute um den Sexismus in unserer Sprache auch noch seltsame Fantasien aufkommen. Dabei hießen die Herren früher, also zu Zeiten der ostindischen Handelscompagnie im 17. Jahrhundert, halt schlicht deswegen so, weil sie ihren Reichtum mit dem Handel von Pfeffer und Gewürzen aller Art scheffelten. Honi soit qui mal y pense.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 2. März 2013 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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