ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2013Masern: Impfdefizite bei Kleinkindern und jungen Frauen

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Masern: Impfdefizite bei Kleinkindern und jungen Frauen

Dtsch Arztebl 2013; 110(8): A-298 / B-276 / C-276

Siegmund-Schultze, Nicola

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Zur Elimination der Masern sind gezielte Impfkampagnen erforderlich, vor allem für Jugendliche. Foto: picture alliance
Zur Elimination der Masern sind gezielte Impf­kampagnen erforderlich, vor allem für Jugendliche. Foto: picture alliance

Schon mehrfach hat die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) die Frist für die Elimination der Masern verschieben müssen. Nun will sie ihr Ziel bis spätestens 2015 erreichen: Es soll keine Infektionsketten mehr über zwölf Monate geben, und die Maserninzidenz soll unter eine Erkrankung pro Million Einwohner sinken.

Am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat sich eine „Nationale Verifizierungskommission zur Elimination der Masern und Röteln“ gebildet. „Die Kommission analysiert die Daten des RKI auf die Frage hin, ob sich die WHO-Ziele in Deutschland erreichen lassen“, erläuterte Dr. med. Dorothea Matysiak-Klose vom Fachgebiet Impfprävention am RKI dem Deutschen Ärzteblatt. Die Expertin ist nicht sicher, dass dies in Europa binnen drei Jahren gelingen kann. In Frankreich waren in einer Welle 2010/2011 circa 15 000 Fälle gemeldet worden, und Großbritannien meldete steigende Masern-Fallzahlen (BMJ 2013; 346: 1662).

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2011 verzeichnete das RKI 1 607 Erkrankungen, 2012 nur noch 168 Fälle. Gleichwohl sei dies keine Entwarnung, die Zahlen könnten wieder ansteigen, sagte Matysiak-Klose: Nur etwa 92 Prozent der Schulanfänger hätten beide Impfungen, angestrebt würden mindestens 95 Prozent. Vor allem die Zweitimpfung im Kindesalter erfolge oft zu spät. Von den Maserninfektionen seien Kleinkinder und zu etwa der Hälfte auch Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, die meisten ungeimpft. Es bedürfe gezielter Impfkampagnen.

Große Impflücken bestünden in Gruppen, die medizinischer Versorgung schlecht zugänglich seien, zum Beispiel Migranten wie Roma. „Nichtimmunisierte gefährden Neugeborene und Säuglinge“, sagte Matysiak-Klose. „Kinder bis zum ersten Lebensjahr sind am häufigsten von Komplikationen wie Otitiden, Pneumonien und schweren Enzephalitiden betroffen.“ nsi

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