ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2013Dr. Schwester: Ideale Adressaten der Delegation
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Der Wunsch nach zunehmender Akademisierung der Pflegeberufe ist aus Sicht der betroffenen Berufsgruppe nachvollziehbar, versprechen doch Akademisierung und Professionalisierung mehr Einkommen, aber auch mehr Macht in der arbeitsteiligen modernen Medizin. Juristisch gilt, wie in Ihrem Artikel ausdrücklich erwähnt, der Facharztstandard als absoluter Mindeststandard in der Heilbehandlung. Darüber hinaus fordert die Rechtsprechung seit langem die Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft. Dies erfordert über den Facharztstatus hinaus einen Wissensstand, der im Einzelfall sogar aktueller als der Stand der einschlägigen Leitlinien sein muss. Diesen juristischen und für uns Ärzte selbstverständlichen Qualitätsstandard können Angehörige von akademisierten Pflegeberufen denknotwendig niemals erfüllen.

Eine selbstständige Übernahme beziehungsweise Substitution von Heilbehandlungsmaßnahmen durch Nichtärzte ist daher – wenn überhaupt – nur bezüglich einfacherer Verrichtungen möglich, was sich auch in den Konzepten zu Modellvorhaben nach § 63 Abs. 1 SGB V und dem entsprechend restriktiven G-BA-Maßnahmenkatalog widerspiegelt.

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Dennoch wird uns der Fachärztemangel früher oder später zwingen, bestimmte ärztliche Maßnahmen zu delegieren. Eine solche Delegation ist im Gegensatz zur Substitution rechtlich grundsätzlich möglich (u. a. § 15 Abs. 1 SGB V sowie § 15 Bundesmantelvertrag-Ärzte). Voraussetzungen sind unter anderem die Qualifikation des Ausführenden sowie die ärztliche Überwachung. Angehörige des pflegerischen Dienstes sind in der Regel ungeeignete Adressaten der Delegation, da sie dem ärztlichen Dienst nicht unmittelbar unterstehen. Kein vernünftiger Fach- oder Chefarzt wird das Risiko eingehen, eine Delegation an Personen zu richten, denen gegenüber keine direkte Weisungsbefugnis besteht und die seinem direkten disziplinarischen Durchgriff entzogen sind. Schließlich trägt er persönlich die primäre straf- und haftungsrechtliche Verantwortung.

Die idealen Adressaten der Delegation sind daher ärztlich unterstellte Angehörige eines akademisch qualifizierten Gesundheitsberufes, wie beispielsweise die im angloamerikanischen Raum etablierten Physician Assistants. Das in Deutschland noch weitgehend unbekannte, aber bereits durch hiesige Fachhochschulen und auch in der Praxis eingeführte Berufsbild setzt in Deutschland in der Regel ein sechssemestriges Studium voraus. Durch frei werdende Mittel aus nicht besetzten Assistenzarztstellen können Physician Assistants unproblematisch finanziert werden. Gleichzeitig werden sie direkt dem ärztlichen Dienst unterstellt. Somit bleiben akademisierte Pflegekräfte außerhalb der Bereiche Pflegemanagement und Pflegepädagogik weitgehend entbehrlich.

Prof. Dr. med. Wolf Rommel, LL.M.,
Mathias Hochschule Rheine, 48431 Rheine

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