ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2013Bankgeschäfte: Mehr Struktur im „Bankenordner“

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Bankgeschäfte: Mehr Struktur im „Bankenordner“

Dtsch Arztebl 2013; 110(8): [75]

Vetter, Michael

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Eine Überarbeitung der bestehenden Bankverbindungen bietet sich zu Beginn des Jahres an.

Das noch frische Jahr wird für Arztpraxen bankseitig vor allem im Zeichen der neuen Eigenkapitalanforderungen der Kreditinstitute („Basel III“) und deren Auswirkungen auf die mittelständischen Finanzierungen stehen. Darüber hinaus gibt es aber weitere Geschäftsfelder im Umgang mit den jeweiligen Hausbanken, bei denen eine Neuordnung je nach Praxis möglicherweise dringend erforderlich ist.

Zu einer solchen Neuordnung gehört zunächst einmal eine aktuelle Übersicht der Bankverbindungen. So ist immer wieder festzustellen, dass Ärzte an der einen oder anderen Geschäftsverbindung festhalten, obwohl dort längst kaum mehr Umsätze verbucht werden und in der Vergangenheit abgewickelte Anlage- oder Kreditgeschäfte längst erledigt sind. Was meist bleibt, ist ein im Einzelfall relativ hoher Kostenfaktor, der in der Summe aller überflüssigen Bankverbindungen erheblich sein kann. Häufig resultieren diese Kontakte auf Darlehensverpflichtungen, bei denen der Kreditgeber darauf bestand, Praxisumsätze vor allem über ihn verbuchen zu lassen. Da diese Darlehen meist aber längst zurückgezahlt sind, sollte geprüft werden, ob es noch sinnvoll ist, die Bankverbindung aufrechtzuerhalten.

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Als Entscheidungsgrundlage sollte dabei auch eine Kostenermittlung aller Bankverbindungen stattfinden, die dem möglichen Nutzen gegenüberzustellen ist. Erst bei sorgfältiger Prüfung jedes Einzelfalls kann entschieden werden, welches Kreditinstitut tatsächlich entbehrlich ist. Dabei muss nach den Erfahrungen des Autors nicht mehr wie früher auf angebliche Vorteile einer Geschäftsbank, einer Sparkasse oder einer Volksbank geachtet werden. Heutzutage sind nahezu alle Bankinstitute in der Lage, die komplexer werdenden Wünsche von Arztpraxen zu erfüllen.

Auch bei der Geldanlage lohnt sich eine kritische Prüfung der bisher getätigten Geschäfte, der damit verbundenen Kosten und des jeweiligen persönlichen Kundennutzens. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen ist es wichtig, die wesentlichen Anlageprodukte der Banken zu kennen und diese vor allem richtig einzuschätzen. Je nach Anlagehorizont des Arztes kann es sich zinsseitig lohnen, über den Tellerrand der meist angebotenen Tages- und Termingelder hinauszusehen. Festverzinsliche Wertpapiere mit seriösen Schuldnern und kurzen Restlaufzeiten können sich als ergänzende Anlagealternative ebenso eignen wie beispielsweise variabel verzinste Anlagekonten.

„Basel III“ führt zu steigenden Kreditzinsen

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die eigene Altersvorsorge des Arztes, deren Wertentwicklung einschließlich der Versorgungskasse mindestens zweimal im Jahr überprüft werden sollte. Niedrigzinsen sind selbstverständlich nicht nur ein Problem für Versorgungskassen, sondern auch ein für Anbieter beispielsweise von Renten- und Lebensversicherungen, so dass mancher Arzt von den ursprünglichen Ertragszielen Abschied nehmen muss. Hier muss seitens des Arztes je nach Situation reagiert werden, um gegebenenfalls gegenzusteuern. Ob dies durch eine erhöhte Rücklage, durch spekulativere Anlageformen oder durch weitere Maßnahmen geschieht, ist im Einzelfall zu entscheiden. Wichtig ist zunächst einmal, das Thema überhaupt zu problematisieren und sich damit auseinanderzusetzen.

Ab 2013 führt kein Weg mehr an der mit „Basel III“ bezeichneten höheren Eigenkapitalausstattung der Bankinstitute vorbei. Es ist absehbar, dass die durch Basel III verursachten und sich für die Kreditinstitute abzeichnenden höheren Kosten direkt an die Kreditkunden „durchgereicht“ werden. Vor allem höhere Kreditzinsen wären die Folge. Die Frage ist eigentlich nur noch, in welchem Umfang aufgrund der jeweiligen Konkurrenzsituation der Banken vor Ort dies der Fall sein wird. Umso wichtiger ist es für Ärzte, dieses Szenario zu akzeptieren und den „Bankenordner“ auch hier zu überarbeiten. Die dazu erforderliche Bestandsaufnahme sollte einhergehen mit einem Sicherheitenregister, in dem sämtliche Kreditsicherheiten nicht nur aufgeführt, sondern nach den einzelnen Kriterien wie Höhe, Laufzeit und Sicherungszweck strukturiert werden. Dazu gehört eine fortlaufende Entwicklung sowohl der jeweiligen Kreditverbindlichkeiten und der damit verbundenen Sicherheitenwerte. Anzustreben ist ein Verhältnis von etwa eins zu eins. Übersteigt das Sicherheitenvolumen die Kreditbeträge nachhaltig, ist ein Gespräch mit der kreditgebenden Bank auf Rückübertragung eines Teils der jeweiligen Sicherheiten zu empfehlen. Hinzu kommt eine regelmäßige Abstimmung mit den wichtigsten kreditgebenden Banken über die Weiterentwicklung des Ratings oder Scorings, also der Bewertungsmethoden im Hinblick auf die Kreditwürdigkeit oder Bonität des Arztes. Das ist äußerst wichtig, da sowohl von Höhe und Qualität der Kreditsicherheiten als auch von Rating- und Scoringnote in hohem Maß die jeweiligen Kreditkonditionen abhängen.

Michael Vetter

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