ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2013Kreuzbandruptur: Junge Patienten können mit der Operation abwarten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kreuzbandruptur: Junge Patienten können mit der Operation abwarten

Dtsch Arztebl 2013; 110(8): A-322 / B-297 / C-297

Meyer, Rüdiger

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Ein vorderer Kreuzbandriss gehört zu den häufigsten Sportverletzungen. Den meist jungen Patienten wird in der Regel zu einer zeitnahen Kreuzbandplastik geraten, um die Mobilität wiederherzustellen und spätere Arthrosen zu vermeiden. Die Operation ist jedoch keine Garantie gegen spätere Gelenkschäden. Der schwedische Sportorthopäde Prof. Richard Frobell (Universität Lund) hat gemeinsam mit Kollegen zwei Strategien bei 121 Patienten (Alter 18 bis 35 Jahre) in einer randomisierten Studie geprüft: Rehabilitation plus frühe Kreuzbandplastik (Patellarsehne oder „Hamstring“) im Zeitraum bis 10 Wochen nach Verletzung versus Physiotherapie und Operation nur dann, wenn sich mit konservativem Vorgehen eine Instabilität des Kniegelenks entwickelte oder der Patient die Operation wünschte (1).

Nun liegen Fünfjahresdaten für den Vergleich vor. Danach haben sich von 59 Patienten aus der Gruppe „wait and see“ 30 operieren lassen. Bei den Nichtoperierten gab es weder schlechtere funktionelle Ergebnisse noch mehr Hinweise auf eine beginnende Arthrose in der radiologischen Diagnostik als bei den früh operierten Patienten. Infolge der geringen Teilnehmerzahl wurde das Signifikanzniveau jedoch nicht erreicht. Unklar bleibt, ob der Verzicht auf eine Operation auch langfristig gleich gute Ergebnisse erzielt.

Fazit: Ein isolierter Kreuzbandriss bei einem jungen, sportlich aktiven Patienten muss nicht zeitnah operiert werden. Eine zunächst abwartende Haltung und eine Kreuzbandplastik bei Bedarf ist ebenfalls vertretbar und würde statistisch jedem zweiten Patienten die Operation ersparen.

„Bei jungen Patienten ist Abwarten dann sinnvoll, wenn sich im Zeitvergleich keine stärkere Instabilität des Knies und keine Schäden an Knorpel und Meniskus feststellen lassen“, kommentiert Prof. Dr. med. Holger Schmitt von der Atos-Klinik Heidelberg. Rüdiger Meyer

  1. Frobell RB, Roos EM, et al.: A randomized trial of treatment for acute anterior cruciate ligament tear. NEJM 2010; 363: 331–42. MEDLINE
  2. Frobell RB, Roos HP, Roos EM, et al.: Treatment of acute anterior cruciate ligament tear: five year outcome of randomized trial. BMJ 2013; 346: e-pub before print: doi: 10.1136bmjf232 MEDLINE

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