ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2013Depotabsicherung: Geldwerter Schutz in labilen Börsenzeiten

SUPPLEMENT: PRAXiS

Depotabsicherung: Geldwerter Schutz in labilen Börsenzeiten

Dtsch Arztebl 2013; 110(8): [16]

Jobst, Peter

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Foto: Fotolia/Composer
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Eine laufende Beobachtung des Depotbestands ist wichtiger denn je – eine Erfordernis, die während des hektischen Berufslebens und erst recht im Urlaub zum Problem werden kann.

Der 1999 verstorbene Börsenaltmeister André Kostolany hat es auf den Punkt gebracht: „Es ist besser, eine Stunde über Geld nachzudenken, als eine Stunde für Geld zu arbeiten.“ Dies gilt im besonderen Maße für Aktien, die in den vergangenen Monaten viel Freude gemacht haben. Wurde mit einem Wert gut verdient, ist es durchaus sinnvoll, auch einmal über eine Gewinnmitnahme nachzudenken – sofern der Wert selbst nur noch geringe Chancen verspricht oder man eine eher schwächere Börsentendenz erwartet. Aber auch Papiere, die mehr oder weniger vor sich hin dümpeln, sollte man verkaufen, wenn das aktuelle Zuwachspotenzial allenfalls mäßig ist oder gar größere Risiken als Chancen bestehen. Eine – zumindest vorübergehende – Trennung ist meist auch sinnvoll, wenn ein Papier bereits deutlich abgerutscht ist und noch keine Erholungstendenzen sichtbar sind.

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Allerdings ist der sofortige Verkauf die zwar radikalste, aber nicht immer beste Lösung. Alternativ dazu bietet sich der limitierte Verkaufsauftrag an. Ist man von einem Wert überzeugt und wartet nur darauf, dass er ein bestimmtes Kursniveau erreicht, kann man ein Verkaufslimit nahe dem Zielkurs platzieren. Wird es erreicht, erfolgt ein umgehender Verkauf, und der Gewinn ist gesichert. Nachteil dabei: Sollte sich der letzte Kursaufschwung erst als der Beginn einer neuen Haussephase darstellen, zum Beispiel, weil das Unternehmen positive Zahlen meldet, vergibt sich der Anleger damit die Chancen auf weitere Gewinne.

Günstiger ist hingegen die Lage, wenn ein Wert bereits deutlich im Plus ist und man das Engagement im Interesse weiterer Chancen beibehalten möchte. Hier hat sich das Stop-Loss-Limit bewährt, das circa zehn bis 20 Prozent unter dem aktuellen Kurs oder – wenn dieser höher war – unter dem Einstandspreis angesiedelt wird. Sollte die Notierung deutlich fallen, wird die Aktie nach Erreichen des Limits zum nächsten verfügbaren Kurs automatisch verkauft. Selbst im Fall eines Börsenkrachs kann der Anleger auf diese Weise sein Risiko im überschaubaren Rahmen halten und zum Beispiel auf zehn Prozent des aktuell in Aktien investierten Geldes begrenzen. Allerdings sollten die Stop-Loss-Marken regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Solange der Kurs steigt, wird die Marke im gleichen prozentualen Abstand heraufgesetzt. Bei fallendem Kurs wird das Limit festgeschrieben. Einige Broker bieten diesen Service auch automatisch an, so dass man sich als Anleger um nichts mehr kümmern muss.

Gerade der Höhe des anfänglichen Stop-Loss-Limits kommt jedoch erhebliche Bedeutung zu. So hat es sich bewährt, einen Kurs im Bereich charttechnischer oder psychologischer Widerstandsmarken zu setzen. Hat sich die Notierung beispielsweise monatelang über 100 Euro behauptet und fällt sie danach für mehrere Tage knapp unter diese Marke zurück, ist die Wahrscheinlichkeit eines Verfalls auf 90 Euro oder noch weniger relativ groß. Vorsichtige Anleger setzen daher ein Limit zum Beispiel bei 98 Euro, risikofreudigere Investoren werden die Grenze bei 94 bis 96 Euro ziehen, um allzu große Verluste auf jeden Fall auszuschließen. Denn ein zu knapp bemessenes Limit (hier zum Beispiel bei 99 Euro) birgt stets die Gefahr, dass die Aktie nur kurz den angegebenen Kurs erreicht, daraufhin verkauft wird und der Kurs danach wieder steigt. Der Anleger wird also – wie dies in der Fachsprache heißt – „ausgestoppt“ mit der Folge, dass die Papiere in der Regel unter Wert veräußert werden. Vorsicht ist in diesem Zusammenhang vor allem bei „marktengen“ Werten geboten. Da Börsenprofis Möglichkeiten haben, das Orderbuch der Börse mit allen erteilten Aufträgen einzusehen, sind für sie entsprechende Kursmanipulationen ein Leichtes.

Daneben bietet die Börse für zahlreiche Werte Absicherungsmöglichkeiten über Termingeschäfte, etwa über Verkaufsoptionen. Hier bezahlt der Anleger die Optionsprämie dafür, das Papier in jedem Fall zu einem festen Preis verkaufen zu können – ganz gleich, wie sich sein Börsenkurs entwickelt. Damit ist der Erlös in jedem Fall sichergestellt, einen Kursverfall muss der Anleger nicht mehr befürchten. Der bezahlte Optionspreis ist dann nichts anderes als die „Versicherungsprämie“, die den Kurs garantiert, ohne dass sich der Anleger die Chancen weiterer Kurssteigerungen vergibt. Über die Wahl des passenden Basispreises lassen sich die Risiken weiter begrenzen. Je näher er am Marktkurs liegt, umso sicherer, aber auch umso teurer ist diese Strategie. Ein deutlich unter dem Tageskurs liegender Basispreis schützt indes recht preiswert vor den teuersten Risiken. Notiert eine Aktie zum Beispiel bei 100 Euro, kostet die Absicherung eines Verkaufspreises von beispielsweise 96 Euro an der Börse derzeit circa vier Euro pro Aktie. Wird hingegen ein Verkaufspreis von zum Beispiel nur 80 Euro gewählt, schlägt das „Sicherungsnetz“ lediglich mit etwa 1,20 Euro zu Buche – und „versichert“ dafür auch nur Kursverluste von mehr als 20 Prozent.

Weniger problematisch ist die Situation bei allen Papieren, die aus strategischen Gründen unter langfristigen Gesichtspunkten erworben wurden. Hier sind vor allem festverzinsliche Wertpapiere zu nennen, aber auch Indexpapiere und Fonds, deren Verkauf ohnehin nicht zur Disposition steht. Hier sollten Anleger lediglich ab und zu einen Blick auf die einzelnen Wertpapiere werfen und Chancen und Risiken gegeneinander abwägen. In den meisten Fällen wird die Entscheidung „halten“ lauten, lediglich bei kritischen Papieren kann der frühzeitige Ausstieg eine sinnvolle Lösung darstellen. Peter Jobst

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