ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2013Zinsanlagen: Strategien bei steigendem Zins

SUPPLEMENT: PRAXiS

Zinsanlagen: Strategien bei steigendem Zins

Dtsch Arztebl 2013; 110(8): [12]

Jobst, Peter

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Foto: Fotolia/Rrraum
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Deutlich unter einem Prozent Zinsen bringen derzeit Bundesanleihen mit fünf Jahren Laufzeit. Doch die Niedrigzinsphase könnte bald enden.

Sollte die Inflationsrate demnächst wirklich steigen, werden auch die Zinsen schnell klettern. Gerade bei Rentenwerten lohnt daher jetzt eine sorgfältige Planung. Denn zum einen besteht eine enge Korrelation zwischen Inflationsrate und Zins: Je höher die Geldentwertungsrate eines Landes, umso höher liegen auch die Renditen der ausgegebenen Anleihen. Sobald die Inflationsrate anzieht, steigen auch die Zinsen. Zum anderen besteht ein enges Wechselspiel zwischen Zinsen und Kursen: Wenn die Zinsen steigen, fallen die Notierungen der ausgegebenen Papiere. Gehen die Kapitalmarktzinsen zurück, klettern auch die Preise.

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Der Grund ist leicht erklärt: Wurde zum Beispiel eine Anleihe vor einigen Jahren mit drei Prozent Nominalzinssatz zum Kurs von 100 Prozent ausgegeben und liegt das aktuelle Zinsniveau für einen vergleichbaren Titel bei lediglich 1,5 Prozent, wäre der Dreiprozenter ein wahres Schnäppchen. Ein Ausgleich wird durch den Kurs geschaffen, der in diesem Fall zum Beispiel aktuell bei 105 Prozent liegen wird. Da die Rückzahlung der Anleihe zu 100 Prozent erfolgt, „verliert“ der Anleger bis dahin fünf Prozentpunkte, denen ein jährlicher Zinsertrag von drei Prozent gegenübersteht. Per saldo rentiert die Anleihe damit auch „nur“ mit der aktuellen Marktrendite von 1,5 Prozent. Die Schwankungen fallen dabei umso größer aus, je länger die Papiere noch laufen, denn schließlich muss der Zinsausgleich für die gesamte Laufzeit in den Kurs eingerechnet werden.

Kurze Laufzeiten wählen

Umgekehrt funktioniert die Rechnung ebenso. Wird heute eine Anleihe zu 100 Prozent mit einer jährlichen Zinszahlung von 1,5 Prozent ausgegeben, liegt die Rendite bei marktgerechten 1,5 Prozent. Steigt nun aber der Marktzins zum Beispiel auf drei Prozent, so geht der Kurs des Papiers soweit zurück, dass auch diese Emission unter Berücksichtigung von Zinsen und Kursveränderungen wiederum drei Prozent abwirft. Je nach Restlaufzeit kostet die Anleihe dann also zum Beispiel nur noch 97 Prozent oder auch 95 Prozent.

Erste Wahl sind derzeit Papiere mit überschaubaren Laufzeiten. Investoren, die etwa eine vierjährige Anleihe mit einer aktuellen Rendite von 1,8 Prozent erwerben, müssen kaum ein Kursrisiko fürchten. Denn selbst wenn die durchschnittliche Umlaufrendite in den kommenden beiden Jahren zum Beispiel auf 2,5 Prozent steigen sollte, dürfte die Marktrendite für zweijährige Papiere, die für den gewählten Titel dann maßgeblich ist, kaum wesentlich über den genannten 1,8 Prozent liegen. Zum Ende der Laufzeit wird die Anleihe in jedem Fall zum vollen Nennwert von 100 Prozent getilgt, so dass sich für Daueranleger ohnehin kein Kursrisiko ergibt.

Zurückhaltung ist hingegen bei der von Banken und Sparkassen derzeit propagierten Strategie des „Zwischenparkens“ freier Gelder auf Festgeldkonten und in Geldmarktfonds geboten. Denn im kurzfristigen Geldmarktbereich werden heute allenfalls 0,25 bis 1,25 Prozent bezahlt – mithin deutlich weniger als am Rentenmarkt. Vergleiche zeigen sogar, dass eine solche „Park-Anlage“ selbst mit kursreagibleren Papieren mit längeren Restlaufzeiten nicht mithalten kann. Da Geldmarktkonten heute meist gerade einmal ein Prozent abwerfen, lässt sich mit siebenjährigen Papieren Jahr für Jahr ein Renditevorsprung erreichen, der das bestehende Kursrisiko meist problemlos ausgleichen kann. Sollte das Zinsniveau gar auf heutigem Niveau verharren oder sogar nochmals sinken, ist das siebenjährige Papier ganz klar im Vorteil. Andererseits sollte der „Laufzeitenspielraum“ auch nicht überreizt werden. Zwar bringen Papiere mit zehn oder mehr Jahren Restlaufzeit derzeit die höchsten Renditen, allerdings drohen hier im Fall des vorzeitigen Verkaufs auch die größten Risiken.

Ohnehin sollten Anleger vorsichtig agieren, wenn das Kapital zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder benötigt wird. Um Verlustrisiken zu vermeiden, sollte die Fälligkeit nahe dem Zeitpunkt der voraussichtlichen Verfügung liegen. Bei ungewissem Termin kann die Auswahl variabel verzinster Anleihen interessant sein, deren Zinssatz sich zum Beispiel nach dem Euribor richtet – dem Zinssatz, der zwischen Großbanken für kurzfristige Anlagen gezahlt wird. Da sie in regelmäßigem Turnus, meist halbjährlich, an die aktuelle Marktentwicklung angepasst wird, beschränkt sich das Kursrisiko allenfalls auf kurzzeitige Schwankungen.

Besondere Vorsicht ist schließlich bei deutschen Staatsanleihen geboten. Hierzulande muss die Regierung nur eine Anleihe auf den Markt bringen, um binnen weniger Tage Milliardenbeträge einzusammeln. Eine auch nur annähernd angemessene Verzinsung ist jedoch nicht erforderlich, weil immer noch viele Anleger bereit sind, ihr Geld zinslos oder für weniger als ein Prozent Zinsen an den deutschen Staat zu vergeben. Der Sicherheitsaspekt hat momentan Vorrang.

Trendwende in Sicht

Vor allem unter institutionellen Anlegern, die den Großteil der deutschen Staatsschulden finanzieren, zeichnet sich mittlerweile jedoch eine Trendwende ab. Warum soll man Geld „vernichten“, indem man es bei einer Inflationsrate von mehr als zwei Prozent praktisch zinslos ausleiht – so lautet die Kernfrage in den Vorstandsetagen vieler Geldhäuser. Auch bei den Versicherungen regt sich zunehmender Widerstand. Sie müssen die Policen ihrer Lebensversicherungskunden oft mit mehr als vier Prozent verzinsen, während sie auf der Anlegerseite kaum einen nennenswerten Ertrag erwirtschaften können.

Die Folgen dieser Entwicklung könnten fatal sein. Wenn sich die milliardenschweren Finanzierer wie bereits aus Italien oder Spanien in größerem Umfang auch aus dem deutschen Markt zurückziehen, dürften sich kaum ausreichend Nachfolger finden lassen, die in die niedrig verzinsten Papiere einsteigen wollen. Ein massiver Zinsanstieg wäre die Folge, der nicht nur dem deutschen Staatshaushalt schadet, sondern auch bestehende Investments unter Druck setzt. Schon ein Anstieg des Zinsniveaus für Staatsanleihen von aktuell durchschnittlich 1,3 Prozent auf zum Beispiel 2,5 Prozent würde den Kurs der ausgegebenen Papiere um bis zu zehn Prozent nachgeben lassen. Peter Jobst

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