ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2013Brandschutz in Arztpraxen: Vorbeugen ist besser als heilen

SUPPLEMENT: PRAXiS

Brandschutz in Arztpraxen: Vorbeugen ist besser als heilen

Dtsch Arztebl 2013; 110(8): [6]

Dutz, Jörn

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Die Tatsache, dass es in vielen Arztpraxen bis jetzt noch nicht gebrannt hat, verleitet zu der Annahme, dass es auch künftig nicht dazu kommen wird.

Foto: Fotolia/Poosan
Foto: Fotolia/Poosan

Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes nahezu jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen außerordentlichen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss.“ (Oberverwaltungsgericht Münster, Urteil vom 11. Dezember 1987, Az.: 10 A 363/86) Diese Erläuterung des Oberlandesgerichts Münster zu einer Rechtsstreitigkeit nach einem Gebäudebrand wird von vielen Brandschützern gerne als Einleitung für redaktionelle Beiträge genutzt. Trifft sie mit ihrer Formulierung doch den Nagel auf den Kopf.

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Rauchmelder retten Leben. Foto: Fotolia/Berthold Werkmann
Rauchmelder retten Leben. Foto: Fotolia/Berthold Werkmann

Rettende Rauchmelder

In der Realität sieht es so aus: Alle zwei Minuten wird in einer der deutschen Feuerwehrleitstellen ein Brand gemeldet. Die Sachschäden durch Brände beziffern sich auf jährlich circa sechs Milliarden Euro, viel schlimmer ist jedoch die hohe Zahl von 60 000 Verletzten, von denen etwa zehn Prozent bleibende Schäden zurückbehalten. 600 Menschen verlieren jedes Jahr ihr Leben, zwei Drittel hiervon sind Kinder. Haupttodesursache sind überwiegend Rauchvergiftungen, schon wenige Atemzüge Rauchgas haben eine solch hohe Toxizität, dass selbst bei einer zügigen Rettung aus dem Gefahrenbereich mit gesundheitlichen Schäden gerechnet werden muss. Vorrangig ist Kohlenmonoxid als Haupttoxin zu nennen. Es entsteht durch die unvollkommene Verbrennung, die in Gebäuden stattfindet, und besitzt eine hohe Affinität zu den Thrombozyten. Weiter findet man Salzsäuredämpfe, Cyanid, Blausäure und Schwefeldioxid in Brandgasen, um nur einige weitere Giftstoffe zu nennen.

Gerade nachts brechen die meisten aller Brände aus, in Privathaushalten verschlafen die Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes die Möglichkeit, sich zu retten. Nur wenigen Menschen ist bekannt, dass auch die Nase nachts schläft und man im REM-Schlaf nichts riechen kann. Aus diesem Grund haben in den vergangenen Jahren immer mehr Bundesländer die Rauchmelderpflicht eingeführt, und die Feuerwehren betreiben eine massive Aufklärungskampagne, deren Nachhaltigkeit durch die häufigen positiven Rückmeldungen durch die Tagespresse bestätigt wird. Neben der Einführung von Rauchwarnmeldern für Privathaushalte bekommt der vorbeugende Brandschutz in Betrieben einen immer höheren Stellenwert eingeräumt. Auch in Arztpraxen gibt es oft Verbesserungsbedarf.

Die Gefährdungsanalyse

Nun, es lässt sich vieles versichern, jedoch, was passiert eigentlich, wenn es in der eigenen Praxis brennt? Selbst wenn es außerhalb der Sprechzeiten sein sollte und gesundheitlich niemand zu Schaden kommt, ist der Verlust aus unternehmerischer Sicht immens. Die Sachversicherung wird einige Tage für die Schadensregulierung benötigen. Die Praxisräume sind mit hoher Wahrscheinlichkeit für mehrere Wochen wegen der Renovierungsarbeiten nicht nutzbar. So manches medizinische Gerät hat eine längere Lieferzeit. Patientendaten gehen, wenn sie nicht auf einem externen Server gesichert wurden, verloren, Löhne müssen fortgezahlt werden und vieles mehr. Hinzu droht die Abwanderung von Patienten und hieraus entstehende dauerhafte Umsatzeinbußen. Zum Vergleich: Bei mittelständischen Betrieben bedeutet dies in zwei Drittel aller Fälle den Gang in die Insolvenz.

Genauso wie in der Medizin ist es beim Brandschutz: Wer vorbeugt, ist vor bösen Überraschungen meist gefeit. Dies beginnt mit einer Gefährdungsanalyse. Hierzu ist es ratsam, sich an die „Technische Regel für Gefahrstoffe 800 (TRGS 800) Brandschutzmaßnahmen“ zu halten. In dieser werden die Brandrisiken des Arbeitsbereiches im Einzelnen bewertet und daraus resultierend die Maßnahmen definiert. Dies dient, um der Entstehung eines Brandes vorzubeugen beziehungsweise bei Brandausbruch eine Brandbekämpfung und sichere Rettung zu ermöglichen.

Der Notfallplan

Bei Unsicherheiten mit der Umsetzung der TRGS 800 empfiehlt sich die Beauftragung eines externen Brandschutzbeauftragten. Dieser kann einmalig für die Gefährdungsbeurteilung oder auch wiederkehrend im Rahmen regelmäßiger Betriebsbegehungen beauftragt werden. Brandschutz sollte auch als Thema in der jährlichen Sicherheitsunterweisung nicht vernachlässigt werden. Das Wechseln einer Sauerstoffflasche mit gerade erst eingecremten Händen oder die „Pausenzigarette“, nachdem eine größere Flächendesinfektion durchgeführt wurde, haben schon fatale Folgen nach sich gezogen.

Neben einer Gefährdungsbeurteilung und der Sicherheitsunterweisung nach § 10 Arbeitsschutzgesetz ist ein Notfallplan zu erstellen. Inhaltlich sollten hier keine fest definierten Aufgaben auf bestimmte Personen übertragen werden, sondern vielmehr ein allgemeines Ablaufschema mit der Reihenfolge der zu ergreifenden Maßnahmen festgelegt werden.

Den Umgang üben: Türwächter mit elektromechanischer Verriegelung (Dorma). Foto:Fotolia/m-buehner
Den Umgang üben: Türwächter mit elektromechanischer Verriegelung (Dorma). Foto:Fotolia/m-buehner

Das ausschließliche Erstellen und Aushängen eines Notfallplanes bringt nichts, wenn nicht auch regelmäßig danach geübt wird. Nur wenn das Szenario auch von allen praktisch durchgespielt wurde, lassen sich Unsicherheiten beseitigen und Fehler aufzeigen. Gerade das Evakuieren von mobilitätseingeschränkten Personen wird gerne unterschätzt. Man muss sich nur einmal vorstellen, welche Problematik sich für einen Rollator-gestützten Patienten ergibt, wenn dieser zügig die Praxis über das Treppenhaus verlassen soll. Noch schwieriger verhält es sich in Praxisbetrieben, die mit Liegendpatienten arbeiten (zum Beispiel in der Radiologie). Hier sind die Mitarbeiter schnell an ihrer Belastungsgrenze, und eine geordnete Patientenevakuierung ist nur schwer möglich. Erfahrungsgemäß sollten Räumungsübungen alle ein bis drei Jahre durchgeführt werden. Insbesondere im Anschluss an größere Umbaumaßnahmen oder bei Personalveränderungen sollten die Abläufe erneut eingespielt werden.

Notausgänge frei halten

Abhängig von der Größe eines Gebäudes können Notausgänge baulich vorgeschrieben sein. Diese sollen bei Gefahr das schnelle Verlassen ermöglichen. Bei der Gestaltung sind die besonderen Anforderungen hinsichtlich der Nutzung durch mobilitätseingeschränkte Patienten zu berücksichtigen beziehungsweise auch die Möglichkeit, mit Patientenliegen oder Fahrtragen diese passieren zu können. Elementar ist eine regelmäßige Kontrolle, um sicherzustellen, dass die Türen nicht zugestellt werden und funktionsfähig bleiben. Auch die Flure, insofern sie zu den Flucht- und Rettungswegen zählen, müssen in voller Breite als Rettungsweg nutzbar bleiben. Hier findet man häufig Brandlasten in Form von Kartons oder auch Warenlieferungen, die im Brandfall eine Ausweitung des Brandes erleichtern und letztendlich den Fluchtweg unpassierbar machen. Die Notwendigkeit dieser Kontrollen wird leider allzu häufig vernachlässigt, so dass es bei Eintreten eines Notfalls immer wieder zu vermeidbaren Zwischenfällen mit Verletzungsfolge kommt.

Der Fluchtweg endet nicht an der Tür nach draußen. Nach Verlassen des Gebäudes sollten sich alle Personen zu einem Sammelplatz begeben, der barrierefrei erreichbar ist und sich in einem ausreichenden Sicherheitsabstand zum Gebäude befindet. Hierbei sind auch die Anfahrtsflächen für Feuerwehr und Rettungsdienst zu berücksichtigen, um diese nicht zu behindern. Ein Hinweisschild kann zusätzlich den Standort markieren, damit auch Betriebsfremde diesen problemlos auffinden können. Dort ist dann zu überprüfen, ob Personen vermisst werden. Sollte dies der Fall sein, muss das dem Feuerwehreinsatzleiter sofort gemeldet werden. Sehr hilfreich sind hier Angaben, wo sich die vermisste Person zuletzt aufgehalten hat, damit eine schnelle Rettung eingeleitet werden kann. Auch wenn niemand vermisst wird, muss der Feuerwehreinsatzleiter sofort informiert werden, da der Einsatzschwerpunkt dann von der Menschenrettung auf die Brandbekämpfung gelenkt werden kann.

Die Brandschutzordnung

Ab einer bestimmten Gebäudegröße (Pflegeheime, Krankenhäuser) kann es sein, dass man sich mit speziellen Sicherungseinrichtungen auskennen muss, wie zum Beispiel manueller Rauchabzug, Türwächter mit Dorma. Der Umgang mit diesen Einrichtungen muss allen Mitarbeitern bekannt sein. Gerade bei Gebäuderäumungen hat der Autor mehrfach schon beobachten müssen, dass es zu Stauungen in den Fluchttreppenhäusern kam, weil die Mitarbeiter nicht wussten, wie sich eine Notausgangstür mit Türwächter freischalten lässt.

Abhängig von der Größe des Gebäudes können Notausgänge baulich vorgeschrieben sein. Foto: dpa
Abhängig von der Größe des Gebäudes können Notausgänge baulich vorgeschrieben sein. Foto: dpa

Eine Brandschutzordnung ist eine klare Handlungsanweisung, in der festgeschrieben wird, wie Brände vermieden werden beziehungsweise wie sich alle Personen bei einem Brandausbruch zu verhalten haben. Die Verpflichtung zur Erstellung einer Brandschutzordnung ist länderspezifisch sehr unterschiedlich geregelt, jedoch können betriebliche Belange eine Brandschutzordnung erforderlich machen.

Eine Brandschutzordnung gliedert sich in der Regel in drei Teile:

  • Teil A richtet sich an alle Personen im Gebäude und gibt allgemeine Handlungsanweisungen bei einem Brandfall.
  • Teil B ist an die Beschäftigten adressiert und beschreibt umfassend die Maßnahmen des vorbeugenden Brandschutzes sowie detailliert, was bei einem Brandausbruch zu tun ist.
  • Teil C wendet sich zu guter Letzt an die Mitarbeiter im Unternehmen, die mit speziellen Aufgaben bei einem Brand betraut sind, wie zum Beispiel Brandschutz- und Evakuierungshelfer oder auch Betriebsfeuerwehren.

In jeder Praxis sollte zumindest die Brandschutzordnung A ausgehängt werden. Diese können Sie bei den meisten Berufsgenossenschaften kostenfrei herunterladen. In den Brandschutzordnungen B und C werden alle Sonderregelungen festgehalten. Es können zum Beispiel vor Feuerwehrfahrstühlen Wartezonen für Gehbehinderte beschrieben werden, um eine Evakuierung durch die Einsatzkräfte der Feuerwehren zu ermöglichen. Speziell ausgebildete Mitarbeiter können als Selbsthilfekräfte in der Brandbekämpfung und Rettung mit entsprechenden Aufgaben betraut werden. Ob es für den eigenen Praxisbetrieb erforderlich ist, eine Brandschutzordnung zu erstellen, lässt sich am einfachsten durch einen Brandschutzbeauftragten beantworten.

In den vergangenen Jahren hat sich bei Gefahrenschauen der Feuerwehren immer wieder eine vermehrte Ansammlung von Feuerlöschern bei Betrieben beobachten lassen. Die gehäufte Vorhaltung von Feuerlöschern vermittelt jedoch ein falsches Sicherheitsgefühl. Was helfen die besten Löschgeräte, wenn das Personal nicht im Umgang damit regelmäßig geschult wird? Dies ist einer der Gründe, der die Berufsgenossenschaften zu einer Grundsatzentscheidung im November 2011 geführt hat. Hier wurde die Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) A2.2 beschlossen, die die bisherige ASR 13/2,3 ablöst. Hierin wird unter anderem die Ausbildung von Brandschutzhelfern in Betrieben genauer als bisher definiert.

Viel hilft nicht immer viel

Für die Ausbildung der Brandschutzhelfer bedeutet dies:

  • Mindestanzahl der Brandschutzhelfer von fünf Prozent in Bürobetrieben
  • Bei erhöhter Gefährdung Aufstockung der Helferzahl
  • Zeitliche Dauer der Ausbildung inklusive der Themeninhalte
  • Praktische Ausbildung mit dem Feuerlöscher.

Die Schulungen werden teilweise von Brandschutzbeauftragten oder auch einigen Branddirektionen der Städte durchgeführt. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass die Unterrichtsinhalte der ASR A2.2 vermittelt werden. Diese stellt den Mindeststandard, den die Berufsgenossenschaften fordern, dar. Alternativ kann man auch die Brandschutzhelferausbildung nach den VDS-/CFPA-Richtlinien besuchen. Diese bieten den derzeit höchsten Ausbildungsstandard und überzeugen durch fundierte praktische und theoretische Wissensvermittlung auf höchstem Niveau.

Während durch die Bauordnungen der bauliche Brandschutz in Gebäuden geregelt wird, sind es in Betrieben die Arbeitsschutzgesetze, berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen, die den organisatorischen Brandschutz definieren. Für deren Umsetzung sind die Unternehmer zuständig und verantwortlich. Dies beinhaltet auch die unmittelbare Haftung im Schadensfall. So kann es schneller passieren, als einem lieb ist, dass man sich wegen „Verletzung der Sorgfaltspflicht“ oder sogar dem „Herbeiführen einer Brandgefahr“ (§ 306 ff. StGB) vor Gericht rechtfertigen muss. Noch wesentlich härter werden die Fälle geahndet, bei denen Personenschäden zu beklagen sind. Erwähnenswert ist auch, dass bei räumlichen Veränderungen (Umbaumaßnahmen) jedes Mal eine erneute Beurteilung zu erfolgen hat. Bestehende Notfall- und Brandschutzpläne müssen entsprechend gepflegt und fortgeführt werden. Eine Überprüfung sollte alle zwei Jahre stattfinden.

Aufgrund der Fülle an Vorschriften und Regeln empfiehlt sich abschließend für den Arzt, wie schon vormals erwähnt, die Befragung eines Brandschutzbeauftragten. Dieser berät zu allen brandschutzrelevanten Fragen und erspart gegebenenfalls viel Geld und Ärger. Jörn Dutz

Freier Brandschutzbeauftragter

Fachreferent für Brandschutz

Hauptstraße 23a, 61194 Niddatal

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Avatar #4332
Alexander.Korte
am Freitag, 18. Oktober 2019, 13:00

wenig hilfreich

viel Text, wenig Informatonsgehalt. einzige Quintessenz des Artikels: Arzt, gebe Geld für einen externen Brandschutzbeauftragten aus. Die Lektüre dieses Werbeartikels war vertane Zeit.

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