ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2013CeBIT 2013, 5. bis 9. März in Hannover: Mobile Dienste als Treiber

SUPPLEMENT: PRAXiS

CeBIT 2013, 5. bis 9. März in Hannover: Mobile Dienste als Treiber

Dtsch Arztebl 2013; 110(8): [22]

Krüger-Brand, Heike E.

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Die IT-Branche wächst vor allem durch den Absatz mobiler Endgeräte. Weitere Kernthemen der Hightech-Messe sind Cloud Computing, „Big Data“ und soziale Technologien.

Foto: Fotolia/vladgrin
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Das Motto der diesjährigen CeBIT lautet „Shareconomy“. Damit wird der Trend weg vom Besitzen und hin zum gemeinsamen Nutzen von Ressourcen, Inhalten und Erfahrungen bezeichnet. Ein handfestes Beispiel hierfür präsentiert etwa Microsoft in Halle 4 mit einem innovativen Fahrradverleih: Mit der Suchmaschine Bing Maps kann man ein Fahrrad in der Nähe finden, per NFC-Smartphone (Near Field Communication) das Schloss öffnen und automatisch bezahlen. Ein cloudbasiertes Datacenter übernimmt im Hintergrund das Datenmanagement.

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Einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zufolge teilt inzwischen fast die Hälfte der Internetnutzer (44 Prozent) Erfahrungen mit Produkten und Dienstleistungen öffentlich mit anderen. Ebenso viele veröffentlichen ihre Fotos im Netz. Nur jeder sechste (17 Prozent) Internetnutzer gibt an, keine Inhalte im Netz zu teilen. Dieser Anteil ist vor allem bei den Jüngeren noch geringer, denn 97 Prozent der 14- bis 29-Jährigen nutzen laut Umfrage das Netz als Ort zum Teilen. Das Teilen mit anderen werde in wenigen Jahren ganz selbstverständlich sein, daher sei es gut, sich intensiv mit der Shareconomy zu beschäftigen, also auch mit allen Fragen, die künftige Geschäftsmodelle betreffen, erklärte Heinz-Paul Bonn, Bitkom-Vizepräsident.

Hightech-Branche wächst

Generell ist die Stimmung bei den Hightech-Unternehmen gut, denn fast drei Viertel rechnen für dieses Jahr mit steigenden Umsätzen. „Der Branchenumsatz wird voraussichtlich um 1,6 Prozent auf einen Rekordwert von 154 Milliarden Euro wachsen“, sagte Bonn im Vorfeld der Messe. Zu den wichtigsten Trends zählt der Verband die Themen Cloud Computing, mobile Lösungen, Big Data und Sicherheit.

Für das Wachstum der IT-Branche sorgt vor allem der Absatz mobiler Endgeräte. Insbesondere Mini-Tablets wie das iPad Mini oder das Nexus 7 von Google sind stark nachgefragt. Zudem werden Windows-8-Tablets in diesem Jahr verstärkt auf den Markt kommen. Experten des Marktforschungsunternehmens Gartner erwarten darüber hinaus, dass Smartphones schon in diesem Jahr den PC als das am häufigsten verwendete Gerät für den Internetzugang ablösen werden. Wie wirkt sich die mobile Datennutzung im beruflichen und privaten Alltag aus? Welche Vorteile und Risiken sind mit dem Zugriff auf Unternehmenssysteme per Smartphone oder Tablet-PC verbunden? Diese Fragen sollen im neuen Ausstellungsbereich „Mobile Business Solutions“ (Halle 6) erörtert werden. Die sichere Integration mobiler Endgeräte in die Unternehmens-IT steht in einem begleitenden Fachforum ebenso auf dem Programm wie das Thema „Bring your own device“ (= die Nutzung privater Geräte für Unternehmenszwecke), das auch im Krankenhausbereich diskutiert wird.

Foto: Fotolia/S.John
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Im „Future Center Security Park“ (Halle 12) zeigen die Aussteller neue Kartentechnologien sowie Systeme zur Videoüberwachung, zur biometrischen und mechanischen Zutrittskontrolle, Fußbodensensorik und Lösungen zum Brand- und Feuerschutz. In einer Art Test-Parcours sollen die Besucher die Exponate auch live ausprobieren und sich individuell beraten lassen können. 

Ein weiterer Themenschwerpunkt ist E-Government. Das Bundeskabinett hat im letzten Jahr das E-Government-Gesetz auf den Weg gebracht. Das Gesetz, das die weitgehende Standardisierung der Verwaltungs-IT und die Förderung der digitalen Verwaltung vorsieht, soll im ersten Halbjahr 2013 in Kraft treten. Bund, Länder und Kommunen sollen auf seiner Grundlage nutzerfreundlichere und effizientere elektronische Verwaltungsdienste anbieten können.

Rathaus im mobilen Web

Unter anderem regelt das Gesetz die Online-Ausweisfunktion des neuen Personalausweises (eID) und die Nutzung von De-Mail als Ersatz für die persönliche Unterschrift auf Papier. Die eID-Funktion ermöglicht den sicheren elektronischen Identitätsnachweis im Internet sowie an öffentlichen Terminals und Automaten. Mit De-Mail können Firmen oder Bürger beispielsweise elektronische Nachrichten verschlüsselt versenden.

Zu den Exponaten, die im Rahmen gemeinsamer Projekte und Initiativen von Bund und Ländern auf der Messe vorgestellt werden, zählen zwei Bürgerterminals, Informationen zu verschiedenen Kartenlesegeräten und die elektronische Übermittlung von Lichtbildern per De-Mail. Ergänzt wird die Präsentation durch Fachinformationen des Bundesverwaltungsamtes und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Auf der neu geschaffenen Plattform www.GovApps.de finden Interessenten zudem Apps für Smartphones, die von staatlichen Stellen bereitgestellt werden. „Wenn man Angebote von Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen sucht, wird man mittlerweile auch im mobilen Internet fündig“, erklärte die Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe. „Mit GovApps haben diese mobilen Angebote nun einen gemeinsamen Platz – sozusagen das Rathaus im mobilen Internet.“

Foto: iStockphoto
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Wie Kommunen mit dem Bürger ins Gespräch kommen können, ist auch ein Thema der Wer denkt was GmbH, einer Ausgründung der Technischen Universität Darmstadt (Halle 9/D20): Die Software „Dialog Digital“ unterstützt die digitale Partizipation und ermöglicht Abstimmungen, Ideenwettbewerbe, E-Panels und Beteiligungsverfahren in der Stadtplanung. Komplexe Informationen, wie etwa Planungsunterlagen oder Haushaltsdaten werden mit innovativen Tools verständlich aufbereitet. Beispiele sind der Darmstädter Bürgerhaushalt (http://da-bei.darmstadt.de) oder der Bürgerhaushalt Monheim am Rhein (http://beteiligung.monheim.de).

Medizin im CeBIT lab

Im CeBIT lab, dem Forschungsbereich der Messe in Halle 9, sind darüber hinaus auch einige Projekte aus dem medizinischen Bereich zu finden.

So präsentiert das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut den Einsatz intelligenter Datenbanktechnologien, die ursprünglich für schnelle Analysen riesiger Mengen von Unternehmensdaten entwickelt worden sind („In-Memory-Technologie“), für die personalisierte Medizin (Halle 9/A34, www.hpi.uni-potsdam.de). Im Projekt ,,HIG“ (High-Performance In-Memory Genome) geht es darum, Therapieentscheidungen künftig auf Basis möglichst umfassender patientenspezifischer Informationen treffen zu können. Das betrifft zunächst die Analyse der DNS im Hinblick auf genetische Veränderungen. Die circa 3,2 Milliarden Erbinformationen, die jeder Mensch in sich trägt, untersuchen die Forscher mit einem 1 000-Kerne-Hochleistungsrechner. Zusätzlich kombinieren sie die Forschungsergebnisse weltweiter medizinischer Datenbanken in einer Wissensdatenbank. So lassen sich bekannte genetische Dispositionen identifizieren und behandlungsrelevante Zusatzinformationen interaktiv sekundenschnell ermitteln. Ziel ist es, Genomdaten über eine Cloud-Anwendung so schnell zu analysieren, dass das jeweils aktuellste Wissen über eine Erkrankung sofort in die Behandlung einfließen kann.

Das Oldenburger Forschungsinstitut OFFIS (Halle 9/C50) zeigt Informations- und Kommunikationstechnik, die im Rahmen des niedersächsischen Forschungsverbunds Gestaltung altersgerechter Lebenswelten (GAL; www.altersgerechte-lebenswelten.de) entwickelt worden sind. Nach fünfjähriger Projektlaufzeit werden unter anderem ein persönlicher Aktivitäts- und Haushaltsassistent, ein Verhaltensmonitoringsystem zur Erkennung einer Verschlechterung der Gesundheit und von Notfällen sowie eine Sturzerkennung vorgestellt.

Foto: g.tec medical engineering
Foto: g.tec medical engineering

Die Technische Universität Kaiserslautern (www.uni-kl.de) forscht ebenfalls im Bereich altersgerechter Assistenzsysteme und zeigt ein mobiles ambientes Teletherapiesystem (MATS). Es wurde für ältere Menschen, Schlaganfallpatienten und Menschen in einer Rehabilitationsphase entwickelt. Das System verbindet Patienten, Therapeuten, Ärzte sowie Pflegedienste und unterstützt Anwendungen wie Telerehabilitation, Telemonitoring und Telekonsultation. Es umfasst spezielle Eigenschaften, wie eine Notruffunktion und eine adaptive Benutzerschnittstelle, und soll für alle gängigen Plattformen wie iPhone, iPad, Android und webbasierte Systeme zur Verfügung stehen.

Die Universität Potsdam (Halle 9/C20; http://uni-potsdam.de/portrait/profil/kognition.html) hat eine fächerübergreifende kognitionswissenschaftliche Forschungsinitiative aufgebaut, an der sich das Interdisziplinäre Zentrum für Kognitive Studien, der linguistische Sonderforschungsbereich „Informationsstruktur“ und die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät beteiligen. Psychologen, Mathematiker, Linguisten, Physiker, Biologen und Informatiker arbeiten zusammen, um die Leistungen des Gehirns besser zu verstehen. Erforscht werden unter anderem die hochkomplexen Abläufe des Lesens anhand der Untersuchung von Blickbewegungen. Während Probanden auf einem Bildschirm einfache Sätze lesen, zeichnet eine Kamera den Weg auf, den ihre Augen dabei nehmen. Die Analyse dieses dynamischen Prozesses soll dazu beitragen, dass man zum Beispiel Leseschwächen besser ausgleichen und das Lesenlernen generell erleichtern kann. Ein anderes Anwendungsgebiet ist die Patholinguistik. Kinder mit Sprachstörungen sollen wirksamer therapiert werden und Schlaganfallpatienten mit effektiveren Methoden schneller ihr Sprachvermögen zurückerlangen können.

Im europäischen Forschungsprojekt „MultiScaleHuman“ (http://multiscalehuman.miralab.ch), an dem auch die Universität Hannover beteiligt ist, arbeiten Forscher daran, die Funktionalität des menschlichen Körpers in einem dreidimensionalen Multi-Skalen-Ansatz zu visualisieren (Halle 9/C50). Ziel ist es, die Entstehung und den Verlauf von Gelenkbeschwerden zu verstehen, Diagnosemöglichkeiten zu verbessern und neue Behandlungsstrategien zu entwickeln. Die Forscher konzipieren hierzu Daten- und Visualisierungsmodelle, die von der Molekularebene über die Zellular-, Gewebe- und Organebene bis hin zur Verhaltensebene des Menschen reichen. Insbesondere das Institut für Orthopädische Bewegungsdiagnostik der Orthopädischen Klinik wird für diese Forschungen genutzt.

Die g.tec medical engineering GmbH, Graz (www.gtec.at), hat einen Verstärker entwickelt, der mittels EEG-Elektroden Gehirnströme misst, bestimmte Gedanken erkennt und somit das Schreiben durch Gedanken ermöglicht. Der Nutzer kann beliebige Texte eingeben, ohne eine Bewegung ausführen zu müssen. Durch den Einsatz von aktiven Elektroden, bei denen die Signale bereits in der Elektrode vorverstärkt werden, und einer speziellen Methode, die kein Training mehr erfordert, wurde die Geschwindigkeit weiter optimiert. Demonstriert wird außerdem, wie sich mit einem Brain-Computer-Interface (BCI) Signale im Gehirn in Steuerbefehle umwandeln lassen. Per Computer können diese Befehle bestimmten Aufgaben zugeordnet werden. Dadurch kann man beispielsweise nur mit gedanklicher Konzentration durch eine virtuelle Wohnung steuern. Das Unternehmen stellt unterschiedliche Kontrollmasken vor, mit denen Tätigkeiten, wie etwa die Bedienung des Fernsehgerätes oder das Schließen von Türen und Fenstern möglich sind (BCI-Vorführung in Halle 9/C89/3). Heike E. Krüger-Brand

Modell für den OP der Zukunft

Foto: Papirazzi, argioneta – Fotolia/Fraunhofer ISST
Foto: Papirazzi, argioneta – Fotolia/Fraunhofer ISST

Bei der CeBIT 2013 präsentiert der Fraunhofer-Forschungsbereich „Hospital Engineering“ Technologien, die Ärzten und Kliniken helfen sollen, Prozesse von der Notfallversorgung über die Operation bis hin zur Abrechnung leichter zu organisieren (Halle 9/E08).

Ein Beispiel ist die Unterstützung der Initiative „Kölner Infarkt Modell“ unter Leitung von Prof. Dr. med. Hans W. Höpp (Herzzentrum Uniklinik Köln), bei der es um die Zusammenarbeit von Rettungsdienst, Kliniken und Herzkatheter-Spezialisten bei Herzinfarktpatienten geht (www.koelner-infarktmodell.de). Ein Ergebnis der Zusammenarbeit: Das EKG des Patienten wird schon unterwegs aus dem Rettungswagen an die nächstliegende Klinik übermittelt. Dort beurteilt der diensthabende Herzspezialist, ob es sich um einen Herzinfarkt handelt und ob die Klinik aufnahmefähig ist. Gleichzeitig kann das OP-Team alarmiert werden. Unterstützung für diese Prozesskette leistet die Software, die das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST seit 2011 unter dem Namen „ECG Navigation Systems (ENAS)“ entwickelt.

Im Zentrum steht dabei die informationslogistische Infarktzentrale zur Datenübertragung und -verteilung. So ist wichtig, dass der Rettungswagen mit der nächstgelegenen Klinik Kontakt aufnimmt, damit die Transportwege so kurz wie möglich bleiben. Außerdem wählt das System anhand der Dienstpläne den richtigen Arzt im Interventionszentrum aus und leitet die Informationen an ihn weiter. Die EKG-Daten werden per Fax an eine zentrale Vermittlungsstelle übermittelt. Dort werden sie so aufbereitet, dass der Arzt im Interventionszentrum die Kurven und Daten auf dem Faxgerät der Station beurteilen kann.

Um Verwechslungen bei einer OP zu verhindern (falsche Person, falscher Eingriff oder falscher Eingriffsort), hat das ISST zudem ein elektronisches Überwachungssystem für den Operationssaal konzipiert. Es basiert auf dem Kinect-Sensor der Microsoft Spielekonsole X-Box. Der Sensor verfügt über eine Tiefen- und eine Farbbildkamera, die ein Skelettmodell der erfassten Personen erstellen können. Außerdem liefert der Sensor Daten, um Sprache und Gesichter zu erkennen. Derzeit wird der Sensor genutzt, um die Eingriffsstelle während der OP-Vorbereitung verifizieren zu lassen. Dazu zeigt der Patient auf die Körperstelle und bestätigt dies per Sprachbefehl. In der nächsten Stufe soll der Kinect-Sensor auch genutzt werden, um den Patienten anhand seiner Stimme und seines Gesichts zu identifizieren und weitere Informationen aus der Krankenakte abzurufen, wie etwa Eingriffsort und -art.

Sämtliche Innovationen werden im Hospital Engineering Lab, das im Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg entsteht, praktisch umgesetzt und erprobt (www.inhaus.fraunhofer.de). KBr

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