ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2013Biotechnologie: Eine Branche wird erwachsen

SUPPLEMENT: PRAXiS

Biotechnologie: Eine Branche wird erwachsen

Dtsch Arztebl 2013; 110(8): [18]

Fischer, Leo

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Biotechfonds haben inzwischen die Pharmafonds hinter sich gelassen. Das liegt vor allem daran, dass Biotech für die Innovationskraft im Gesundheitswesen steht.

Foto: picture alliance
Foto: picture alliance

Das zurückliegende Jahr war ein hervorragendes Jahr für die weltweite Biotechnologiebranche. 2012 wurden durch die US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) 39 neue Biotechmedikamente genehmigt – so viel, wie seit 1997 nicht mehr. Im Durchschnitt der elf Jahre zwischen 2001 und 2011 wurden pro Jahr lediglich 25 neue Biotechpräparate für den US-Markt zugelassen. Den neu zugelassenen Präparaten trauen die Experten ein Umsatzpotenzial von etwa neun Milliarden US-Dollar (6,7 Milliarden Euro) zu.

Anzeige

Das hat sich auch positiv auf die Kursentwicklung der Biotech-Aktien und der in diese investierenden Fonds ausgewirkt. Der Nasdaq-Biotechnologie-Index, der die großen marktbreiten Biotechfirmen umfasst, liegt heute fast 40 Prozent über dem Niveau von Anfang 2012. Spitzenreiter war ein aus Deutschland stammender Fonds, der „UniSector Gentech A“, der seit Anfang 2012 fast 50 Prozent zulegte. Der Fonds aus dem Haus Union Investment setzt auch auf deutsche und schweizerische Aktien, hat aber wie alle Biotechfonds den Anlageschwerpunkt in den USA, dem Mekka der Biotechnologie.

Eindeutig haben die Biotechfonds inzwischen die Pharmafonds hinter sich gelassen. Das liegt vor allem daran, dass Biotech für die Innovationskraft im Gesundheitswesen steht. „Fünf der zehn umsatzstärksten Medikamente sind biotechnologischen Ursprungs“, konstatiert Thomas Hartauer, Vorstand der Lacuna AG. Das sind Remicade, Enbrei und Humira (alle gegen Arthritis) sowie Avastin und Rituxan (gegen Krebs), die auf Jahresumsätze von 6,1 bis 7,4 Milliarden US-Dollar kommen.

Neue Medikamente zu finden, ist die größte Herausforderung für die Pharmaunternehmen. Denn bis zu eine Milliarde US-Dollar sind an Entwicklungskosten für ein neues Medikament erforderlich, etwa zehn Jahre dauert es von der Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung, und von zehn neuen Arzneimitteln, die in den Köpfen der Wissenschaftler entstehen, schaffen es am Ende nur neun bis zur Zulassung durch die FDA. Während die Pharmaunternehmen unter Patentabläufen leiden – in den USA traf dies im Jahr 2012 Arzneimittel mit einem Umsatzvolumen von 35 Milliarden US-Dollar –, gibt es diese bei Biotech nicht, weil die Patente noch jung sind. Die großen Pharmaunternehmen sind dazu übergegangen, Biotechunternehmen zu erwerben, wenn sich der Erfolg eines neu entwickelten Medikaments abzeichnet. Daher ist es verstärkt zu Übernahmen gekommen, die kurssteigernd wirken. Aber auch große Biotechfirmen erwerben gern kleine Konkurrenten, wenn diese aussichtsreiche Entwicklungen in der Pipeline haben.

In der Vergangenheit wurde die Innovationskraft der Branche sehr oft von der restriktiven Genehmigungspraxis der FDA beeinträchtigt. Das hat sich geändert. Die FDA hat in den letzten Jahren organisatorische Maßnahmen ergriffen, um den Zulassungsprozess zu verkürzen und eine höhere Zahl von Zulassungen zu ermöglichen. In den nächsten fünf Jahren wird eine Steigerung der Zulassungen um 30 Prozent gegenüber dem vorangehenden Fünf-Jahres-Zeitraum erwartet. Das würde 160 bis 185 neue Medikamente in den kommenden fünf Jahren bedeuten. Getragen wurde die Hausse im Biotechsektor 2012 vor allem von den großen Werten, daher sind Fonds, die auf die kleinen Werte setzen, wie der OP Medical BioHealthTrend, etwas zurückgeblieben. Die Experten glauben indes, dass sich das Interesse wieder verstärkt den kleinen und mittelgroßen Werten (Small- und Mid-Caps) zuwenden wird. Auf die Kleinen zu setzen, hat sich in der Vergangenheit gelohnt. Seit seiner Auflegung konnte der OP Medical BioHealthTrend den Nasdaq-Biotech-Index, der die größeren Werte enthält, um 50 Prozent übertreffen. Beraten wird der Fonds in seiner Anlagepolitik von dem Team um Dr. Michael Fischer, einem Arzt, der sich der Analyse der Biotechbranche verschrieben hat. Seit seiner Auflegung vor etwa zehn Jahren brachte der Fonds den Anlegern einen Wertzuwachs von 138,9 Prozent.

Biotech steht heute fundamental deutlich besser da als etwa während der Spekulationsblase um die Jahrtausendwende, als die Bewertung bei über 100 lag. Es heißt, Biotech ist erwachsen geworden, die Bewertung der Unternehmen mit dem 15-Fachen des Gewinns gilt als konservativ. Für die Jahre 2011 bis 2014 erwarten die großen Biotechunternehmen ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von 16 Prozent. Bei Übernahmen werden aber Aufpreise gegenüber dem letzten Börsenkurs oder im Vergleich zum inneren Wert von 30 bis 100 Prozent gezahlt. Eine innovative Produktpipeline über Zukäufe von Biotechfirmen zu erwerben, ist also für die nicht forschenden Firmen vergleichsweise teuer.

Für die Biotechbranche spricht vor allem, dass sie für bisher nicht therapierbare Krankheiten neue Behandlungsmöglichkeiten und Therapiechancen bietet. Zu nennen sind Krebs, ZNS-Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson, Schlaganfall), Autoimmunerkrankungen (chronische Polyarthritis, multiple Sklerose, entzündliche Darm­er­krank­ung) und Infektionen. Dr. Leo Fischer

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema