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Wie Herr Dr. Gorzny korrekterweise anmerkt, sollte vor der Diagnosestellung einer Rechenstörung das Vorhandensein sensorischer Defizite (wie zum Beispiel Sehstörungen) ausgeschlossen werden. Anekdotischen Fallberichten zufolge scheinen Lernstörungen manchmal mit der von Dr. Gorzny erwähnten sogenannten Winkelfehlsichtigkeit assoziiert zu sein. Hervorzuheben ist, dass viele Kinder mit Diagnose Rechenstörung keine Sehstörungen aufweisen und die Hauptsymptome der Rechenstörung – nämlich die massiven Schwierigkeiten beim Erwerb grundlegender Rechenfertigkeiten trotz adäquater Beschulung und guter intellektueller Leistungsfähigkeit (1) – daher unabhängig von Sehstörungen auftreten können. In diesem Zusammenhang erwähnenswert sind die Resultate neuerer psychophysischer Untersuchungen, wonach Kinder mit gravierenden Rechenproblemen (das heißt Leistungen mit einem PR < 10) eine reduzierte Sensitivität für kohärente Bewegungswahrnehmung haben sollen (2). Diese diffizilen visuellen Verarbeitungsprobleme sind allerdings nur mit speziellen experimentellen Testverfahren messbar und scheinen nicht spezifisch für Rechenstörungen zu sein (das heißt können mit verschiedenen Lernstörungen assoziiert sein). Ob diese reduzierte Sensitivität für Bewegungswahrnehmung mit der von Dr. Gorzny erwähnten Winkelfehlsichtigkeit verbunden ist, bleibt derzeit offen.

Der zweite Leserbrief von Dr. Calia bezieht sich auf die häufig mit Lernstörungen assoziierten psychosozialen Schwierigkeiten und ist ein Plädoyer für die verstärkte Beachtung dieser sekundären Probleme vor allem auch im schulischen Umfeld. Wir möchten uns bei Dr. Calia für diese engagierte Stellungnahme bedanken. Die häufig mit Lernstörungen assoziierten psycho-emotionalen und sozialen Schwierigkeiten (3) sollten bei der Diagnose und vor allem bei der Behandlungsplanung von Lernstörungen dieselbe Wertigkeit erhalten wie die kognitiven (Lern-)Schwierigkeiten im engeren Sinne.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0146c

Prof. Dr. rer. nat. Liane Kaufmann

Institut für Angewandte Psychologie
UMIT-Universität für Gesundheitswissenschaften,
Medizinische Informatik und Technik
Hall in Tirol
liane.kaufmann@tilak.at

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Dilling H, Mombour W, Schmidt MH: Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien (6., vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Huber 2008.
2.
Sigmundsson H, Anholt SK, Talcott J: Are poor mathematical skills associated with visual deficits in temporal processing? Neuroscience Letters 2010; 469: 248–50. CrossRef MEDLINE
3.
Kohn J, Wyschkon A, Esser G: Psychische Auffälligkeiten bei umschriebenen Entwicklungsstörungen: Gibt es Unterschiede zwischen Lese-Rechtschreib- und Rechenstörungen? Lernen und Lernstörungen 2013; 2: 7–20. CrossRef
4.
Kaufmann L, von Aster M: The diagnosis and management of dyscalculia. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(45): 767–78. VOLLTEXT
1.Dilling H, Mombour W, Schmidt MH: Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien (6., vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Huber 2008.
2.Sigmundsson H, Anholt SK, Talcott J: Are poor mathematical skills associated with visual deficits in temporal processing? Neuroscience Letters 2010; 469: 248–50. CrossRef MEDLINE
3.Kohn J, Wyschkon A, Esser G: Psychische Auffälligkeiten bei umschriebenen Entwicklungsstörungen: Gibt es Unterschiede zwischen Lese-Rechtschreib- und Rechenstörungen? Lernen und Lernstörungen 2013; 2: 7–20. CrossRef
4.Kaufmann L, von Aster M: The diagnosis and management of dyscalculia. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(45): 767–78. VOLLTEXT

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