ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2013Familienroman: Wurzeln, die fesseln und erden

KULTUR

Familienroman: Wurzeln, die fesseln und erden

Dtsch Arztebl 2013; 110(9): A-396 / B-362 / C-362

Korzilius, Heike

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War es ein Unfall? War es Selbstmord? Nach dem Tod ihres Bruders versucht Rixa, Berlin, den Rest ihrer Familie, Trauer und Schmerz hinter sich zu lassen und tingelt als Barpianistin auf Kreuzfahrtschiffen um die Welt. Jetzt, zwölf Jahre später, kehrt sie zurück. Ihre Mutter ist an fast derselben Stelle wie der Bruder bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Bei dem Versuch, das Geschehene zu verstehen, taucht Rixa tief in ihre Erinnerungen und die Geschichte ihrer Familie ein, einer evangelischen Pfarrersfamilie in Mecklenburg-Vorpommern. Sie stößt dabei auf „acht dunkle Jahre“ – 1942 bis 1950 –, über die die noch lebenden Familienmitglieder eisern schweigen.

„Das Lied der Stare vor dem Frost“ spielt auf zwei Zeitebenen. Rixas Suche nach der Wahrheit wird verwoben mit der Geschichte der geliebten Großeltern, Theodor und Elise, während des Ersten Weltkriegs und in der Zeit des Nationalsozialismus. Protestantische Moral und die Verstrickungen des gestrengen Pfarrers mit dem Naziregime werfen dabei ihre Schatten bis in die Gegenwart.

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„Aber die Stare haben keine eigenen Lieder, mein Kind, sie äffen nur nach, was die anderen Vögel singen“, sagt Theodor einmal bei einem ihrer Sommerspaziergänge zur kleinen Rixa. Der Satz ist eine Art Blaupause für den Roman. Rixa sucht nach ihrem eigenen „Lied“, sucht neben Antworten in ihrer Familiengeschichte auch nach Antworten für ihr eigenes Leben: dem Umgang mit dem Tod des geliebten Bruders, dem schwierigen Verhältnis zur verstorbenen Mutter, dem geplatzten Traum von einer Karriere als Konzertpianistin. Für Rixa ist es ein langer Weg nach Hause.

„Das Lied der Stare vor dem Frost“ ist Gisa Klönnes erster Roman, der viele Berührungspunkte mit ihrer Biografie hat. Sie erzählt darin eine packende Familiengeschichte mit starken, authentischen Figuren und einem gut recherchierten historischen Hintergrund. Wie ihre Krimireihe um die Kommissare Judith Krieger und Manni Korzilius möchte man auch diesen Roman nicht mehr aus der Hand legen, wenn man einmal mit dem Lesen angefangen hat. Heike Korzilius

Gisa Klönne: Das Lied der Stare nach dem Frost. Pendo, München, Zürich, 2013, 480 Seiten, gebunden, 19,99 Euro

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