ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2013Praxisführung: Das Team als Star

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Praxisführung: Das Team als Star

Dtsch Arztebl 2013; 110(9): A-413 / B-373 / C-373

Kutscher, Patric P.

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Toll, ein anderer macht`s? Diese Übersetzung von Team ist natürlich kontraproduktiv. Foto: Fotolia/apops
Toll, ein anderer macht`s? Diese Übersetzung von Team ist natürlich kontraproduktiv. Foto: Fotolia/apops

Teamarbeit leicht gemacht

Die Mitarbeiter müssen zunächst einmal von der Sinnhaftigkeit der Teamarbeit überzeugt werden und die richtige Einstellung zu dieser Arbeitsweise aufbauen. Erst dann kann der Arzt einen Teamgeist entfachen, der die Mitarbeiter dazu bewegt, sich engagiert für die Teamaufgabe einzusetzen. „Die Mitarbeiter und natürlich auch der Arzt sollten nachvollziehen, dass ein gutes Team mehr leistet, als die Summe der Kompetenzen der Teammitglieder vermuten lässt“, erläutert Dr. Jürgen Hampf, Allgemeinmediziner mit Praxis im sächsischen Meißen. Was kann der Arzt tun, damit das Team als Star anerkannt wird?

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Wenn es in der Absicht des Arztes liegt, das Team aufs Podest zu heben, sind allzu starre Hierarchien kontraproduktiv. Sicher: Der Arzt ist der Chef mit Weisungs- und Delegationsbefugnis – und derjenige, der disziplinarische Maßnahmen ergreift. Für die Teamproduktivität jedoch hat es sich als zielführend erwiesen, die Hierarchien in der Zeit der Teamarbeit weitgehend „abzuschaffen“, also mit möglichst wenigen Hierarchiestrukturen zu arbeiten. Entscheidungen zum Beispiel werden im Konsens und mit der Zustimmung der Mehrheit gefällt.

Wo es möglich ist, werden Entscheidungen demokratisch getroffen. Sobald das Team eigenständige Entscheidungen fällen darf, ist es eher bereit, sich zu engagieren, weil es die Teamaufgabe zur eigenen Angelegenheit erheben kann. Und wer sich mit dem, was er tut, identifiziert, will und kann mehr leisten.

Die Demokratisierung der Teamarbeit verlangt von den Teammitgliedern hohe Disziplin. In einem Meeting kann der Arzt die Vorteile der Teamarbeit erläutern und gemeinsam mit den Mitarbeitern Verhaltensregeln aufstellen. „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann; frage, was du für dein Land tun kannst“ – warum nicht den berühmten Spruch von John F. Kennedy abwandeln und die Teammitglieder auffordern, sich die Frage zu stellen, wie sie sich für das Team und die Praxis engagieren wollen?

„In einem funktionierenden Team stellen die Mitglieder ihre Einzelinteressen hintan und rücken die Teaminteressen in den Vordergrund“, meint Allgemeinarzt Hampf. Dies gelte insbesondere für den Arzt: „Er ist der Chef, und darum fällt es ihm als Führungskraft ganz besonders schwer, sich bei der Teamarbeit zurückzunehmen und eine Entscheidung zu akzeptieren, die die Teammehrheit als richtig ansieht – im Gegensatz zum Chef.“ Eine bewährte Vorgehensweise dabei: Der Arzt formuliert zwar die Teamziele und gibt sie vor – der Weg zur Zielerreichung ist aber Sache des Teams. Der Chef wird nur hinzugezogen, wenn sich die Mitarbeiter in einer Sackgasse befinden und Unterstützung benötigen.

Weitere wichtige Verhaltensregeln sind das Zuhören und das Ausreden lassen, aber auch die Bereitschaft, sich auf andere Perspektiven einzulassen und sich Problemlösungen anzuhören, denen man zunächst ablehnend gegenübersteht. Jeder Mensch hat seinen eigenen Wahrnehmungsfilter – das erschwert die Teamarbeit zuweilen, macht aber zugleich ihren Reiz aus: Individuen mit verschiedenen Erfahrungshintergründen bringen ihre Individualität ein, die sie jedoch zuweilen zurücknehmen müssen.

„Alle Teammitglieder müssen anerkennen: Die Problemlösung und die Erledigung der Teamaufgabe stehen im Mittelpunkt und sind notwendig, um das gemeinsame höhere Ziel, etwa den Erhalt der Praxis, zu erreichen“, führt Hampf aus. Weniger wichtig ist die unfruchtbare Auseinandersetzung, wer im Recht ist: Im intelligenten Team siegt das Argument, das zuallererst geeignet ist, die Teamaufgabe zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Darf es im Team also keinen Streit geben? Nein. Der Streit muss aber produktiv und zukunftsorientiert ausgerichtet sein. Die Intention liegt im konstruktiven Austausch auf dem Weg zur gemeinsamen Zielerreichung. Das mag zuweilen idealistisch anmuten. Darum darf der Anspruch darauf jedoch nicht aufgegeben werden.

Der Arzt wappnet sich gegen Enttäuschungen, indem er sich verdeutlicht, dass sich ein Team entwickeln muss und die Teammitglieder die Fähigkeit zur Arbeit im Team sukzessive erwerben müssen. Ein leistungsfähiges Team entwickelt sich im Laufe der Zeit, weil es immer wieder Teamaufgaben erfolgreich bewältigt, aus seinen Fehlern lernt und bemüht ist, sich in den Dienst des allgemeinen Ganzen zu stellen.

Der Arzt unterstützt den Teambildungsprozess, indem er den Teamreifegrad der einzelnen Teammitglieder berücksichtigt und den Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, fehlende Teamkompetenzen aufzubauen, auch durch entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen. Des Weiteren überträgt er nicht gleich die „ganz große Aufgabe“, sondern beginnt mit kleineren Teamaufträgen, die Erfolgserlebnisse nach sich ziehen. Hampf: „Erste positive Erfahrungen motivieren die Mitarbeiter und beweisen ihnen, wie viel Spaß die Arbeit im Team macht. Das Team wächst mit seinen Aufgaben, die Teammitglieder erbringen Höchstleistungen, die ihnen außerhalb der Teamarbeit versagt geblieben wären.“

Patric P. Kutscher

MasterClass Education, Zellertal

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