ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2013Clostridium-difficile-Infektion: Wenig Rezidive unter Fidaxomicin

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Clostridium-difficile-Infektion: Wenig Rezidive unter Fidaxomicin

Dtsch Arztebl 2013; 110(9): A-397

Zylka-Menhorn, Vera

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Die Heilungsraten des makrozyklischen Antibiotikums Fidaxomicin sind mit circa 90 Prozent vergleichbar wie bei Vancomycin. Deutlich seltener aber gibt es Rezidive.

Clostridium difficile ist der Hauptverursacher nosokomialer Diarrhöen. Die demografische Alterung der Patienten und die damit verbundene Zunahme von Komorbidität und Polymedikation begünstigten Clostridium-difficile-Infektionen (CDI), sagte Dr. med. Alexander Shimabukuro-Vornhagen von der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln beim Dresdner Symposium Hämatologie und Onkologie. Hinzu komme eine Verschiebung im Erregerspektrum, die in den letzten Jahren auffällig wurde: „Wir sehen gehäuft aggressive C.-difficile-Stämme, die mit schweren Krankheitsverläufen einhergehen“, so Shimabukuro-Vornhagen. Um lebensbedrohliche Verläufe zu verhindern, müsse die Erkrankung möglichst rasch diagnostiziert und effektiv behandelt werden.

Toxintest oft nicht zuverlässig

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Bei der Diagnostik verlassen sich viele Ärzte auf den Nachweis der Clostridien-Toxine A und B in Stuhlproben. Doch dieser Test kann in die Irre führen. Sind Clostridien-Toxine nachweisbar, ist die Diagnose einer CDI zwar gesichert. „Ein negatives Testergebnis schließt dagegen eine CDI in keiner Weise aus“, betonte Shimabukuro-Vornhagen. Im Zweifel müsse der Arzt sich immer am klinischen Erscheinungsbild und der individuellen Risikokonstellation orientieren, wenn er seine Therapieentscheidung treffe, so der Experte. Alter ab 65 Jahren, Komorbidität und die Gabe von Antibiotika in den drei Monaten vor Symptombeginn sind wichtige prädisponierende Faktoren.

Für die Therapie von CDI-Patienten ist seit Januar in Deutschland das Makrozyklin-Antibiotikum Fidaxomicin (Dificlir®, Astellas) erhältlich. Belegt wurde die Effektivität des speziell für CDI-Patienten entwickelten Antibiotikums in zwei multizentrischen Phase-III-Studien im Head-to-head-Vergleich mit dem bisherigen Goldstandard Vancomycin. Die Studien zeigen, dass die CDI bei einer zehntägigen Behandlung mit Fidaxomicin 200 mg zweimal täglich oral genauso effektiv abheilt wie bei der Therapie mit Vancomycin: Die initialen Heilungsraten liegen jeweils bei etwa 90 Prozent. Die Daten hatten Ende 2011 zur europäischen Zulassung von Fidaxomicin für die Indikation CDI geführt.

Signifikante Vorteile hat Fidaxomicin bei der Verhinderung von Rezidiven. Bisherige antibiotische Standardtherapien führen bei etwa 20 bis 25 Prozent der Patienten zu einem Rezidiv. In der europäisch-nordamerikanischen Studie, an der 535 CDI-Patienten teilnahmen, erlitten nur 12,7 Prozent der Patienten in der Fidaxomicin-Gruppe innerhalb von 30 Tagen einen Rückfall, gegenüber 26,9 Prozent in der Kontrollgruppe. Auch in der rein nordamerikanischen Phase-III-Studie, an der 629 CDI-Patienten teilnahmen, war die Rezidivrate unter Fidaxomicin um 39 Prozent geringer. „Dieser signifikante Vorteil besteht auch dann, wenn die Patienten zusätzlich eine Antibiotikatherapie aus anderer Ursache erhalten“, sagte Shimabukuro-Vornhagen. Gerade auf Intensivstationen sei das nicht selten.

Schonung der Darmflora

Ein Grund für den besseren Schutz vor Rezidiven unter Fidaxomicin-Therapie könnte sein, ,,dass das Makrozyklin vergleichsweise selektiv gegen C. difficile wirkt. Dadurch werden die negativen Wirkungen der Antibiotikatherapie auf die übrige Darmflora begrenzt. So nahm die Zahl kolonieformender Einheiten wichtiger Darmbakterien wie Bacteroides oder Prevotella in einer mikrobiologischen Untersuchungsreihe im Zusammenhang mit den Fidaxomicin-Zulassungsstudien bei Behandlung mit Vancomycin um mehrere Log-Stufen ab, nicht aber im gleichen Ausmaß bei Behandlung mit Fidaxomicin.

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

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