ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2013116. Deutscher Ärztetag vom 28. bis 31. Mai 2013 in Hannover: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

DEUTSCHER ÄRZTETAG

116. Deutscher Ärztetag vom 28. bis 31. Mai 2013 in Hannover: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in der Gesundheitspolitik vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht eine große Gesundheitsreform geplant oder beschlossen wird. Dabei haben sich Deutsche Ärztetage immer wieder in Gesetzgebungsprozesse einschalten und der Position der Ärzteschaft Gehör verschaffen können. Insofern bildet das laufende Jahr eine Ausnahme. Die Politik wird vor der Bundestagswahl keine große Gesundheitsreform mehr auf den Weg bringen. Das kann man bedauern oder auch begrüßen – in jedem Fall bietet es dem Ärztetag die Möglichkeit, genau zu analysieren, was die von der Koalition eingeleiteten strukturpolitischen Maßnahmen gebracht haben und wo es bei der praktischen Umsetzung hakt. Vor allem aber werden wir die in Nürnberg begonnene Finanzierungsdebatte über eine zukunftsfeste Ausgestaltung unseres Gesundheitssystems fortführen.

Das Hannover Congress Centrum stellt mit mehreren Gebäuden die Stadthalle der niedersächsischen Landeshauptstadt dar. Es zählt wegen des Kuppelsaals, in dem die Eröffungsveranstaltung des 116. Deutschen Ärztetages stattfindet, zu den markanten Bauwerken der Stadt. Foto: dpa
Das Hannover Congress Centrum stellt mit mehreren Gebäuden die Stadthalle der niedersächsischen Landeshauptstadt dar. Es zählt wegen des Kuppelsaals, in dem die Eröffungsveranstaltung des 116. Deutschen Ärztetages stattfindet, zu den markanten Bauwerken der Stadt. Foto: dpa
Anzeige

Auch ohne großen gesundheitspolitischen Wurf gibt es für die Selbstverwaltung in Bund und Ländern viel zu tun. Zu Jahresbeginn 2012 trat das Versorgungsstrukturgesetz zur Bekämpfung des Ärztemangels in Kraft. Für viele der dar- in angelegten Neuerungen hat der Gesetzgeber lediglich Aufträge an die Selbstverwaltung vergeben, die diese sukzessive abarbeitet. Man muss der Koalition attestieren, dass sie mit dem Versorgungsstrukturgesetz zumindest den Versuch unternommen hat, ernsthafte Schritte gegen den Ärztemangel einzuleiten. Das gilt auch für die im Jahr 2012 beschlossene Neuordnung der ärztlichen Approbationsordnung. Mit ihr hat der Verordnungsgeber einen Beitrag dafür geleistet, dass aus motivierten Medizinstudierenden praxisnah ausgebildete Medizinabsolventen werden können.

Ob auch das vom Bundestag beschlossene Patientenrechtegesetz zu einer Verbesserung der Versorgung beiträgt, bleibt abzuwarten. Günstigstenfalls schafft es für Ärzte mehr Rechtssicherheit und für Patienten mehr Transparenz über die ihnen zustehenden Rechte. Das Gesetz ändert aber nichts daran, dass die Politik andere Bewertungsperspektiven von Patientenrechten einnehmen muss. Es geht um die Schutzfunktion von Patientenrechten zur Absicherung einer bedarfsgerechten Versorgung auf der Grundlage von rechtlich durchsetzbaren Leistungsansprüchen. Die Politik muss endlich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es Ärzten möglich ist, den Anspruch der Patienten auf eine individuelle, nach ihren Bedürfnissen ausgerichtete Behandlung und Betreuung, zu gewährleisten.

Das Leineschloss in Hannover ist eine klassizistische Schlossanlage, in der der Niedersächsische Landtag seit 1962 seinen Sitz hat. Foto: Hannover Marketing und Tourismus GmbH
Das Leineschloss in Hannover ist eine klassizistische Schlossanlage, in der der Niedersächsische Landtag seit 1962 seinen Sitz hat. Foto: Hannover Marketing und Tourismus GmbH

Dies kann aber nur gelingen, wenn Politik und Gesellschaft offen und ehrlich essenzielle Finanzierungsfragen für unser Gesundheitssystem diskutieren. Auf dem Deutschen Ärztetag in Hannover werden wir deshalb darüber beraten, wie wir in einer älter werdenden Gesellschaft mit steigendem Versorgungs- und Finanzierungsbedarf eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung der Bevölkerung noch auf Dauer sicherstellen können. Demografischer Wandel und medizinischer Fortschritt sind grundlegende Herausforderungen unserer Gesellschaft des langen Lebens und erfordern die Entwicklung von Versorgungsstrukturen, die nachhaltig und stabil finanziert sind.

An dieser Diskussion – das hat der Deutsche Ärztetag 2012 in Nürnberg unmissverständlich klargestellt – wird sich auch die Ärzteschaft beteiligen. Die Delegierten haben sich nicht nur mit großer Mehrheit für den Erhalt des dualen Kran­ken­ver­siche­rungssystems mit gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung ausgesprochen. Sie haben darüber hinaus die Bundes­ärzte­kammer beauftragt, in Zusammenarbeit mit einem gesundheitsökonomischen Beirat ein Finanzierungskonzept zu entwickeln. Dabei ist unser Ziel, Politik und Bürgern, jenseits jeglicher Parteiideologie mit den hinlänglich bekannten Reformmodellen, ein Modell an die Hand zu geben, das sowohl den Grundsätzen der ärztlichen Freiberuflichkeit gerecht wird als auch die Versorgung auf Dauer sicherstellt.

Der Ärztetag wird sich darüber hinaus vielen weiteren versorgungsrelevanten Themen widmen. Wir werden unter anderem beraten, wie wir die ärztliche Fortbildung in Deutschland weiter optimieren können und widmen uns den Auswirkungen von Armut auf die Gesundheit. Studien belegen, dass arme Menschen ein besonders hohes Risiko haben, schwer zu erkranken oder sogar vorzeitig zu sterben. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müssen wir insbesondere Möglichkeiten diskutieren, wie wir auch unseren älteren Mitbürgern ein längeres gesundes und aktives Leben ermöglichen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Themen des vor uns liegenden Ärztetages sind ebenso spannend wie vielfältig. Ich hoffe, dass Sie am Rande der Plenarsitzungen ein wenig Zeit finden, Hannover zu entdecken. Errichtet auf einem Hügel, mit Türmen, Schlosskapelle und fantasievoll bemalten Gewölben lädt Schloss Marienburg zu einem Ausflug ein. Erholung und Zerstreuung nach langen Sitzungstagen finden Sie sicher auch bei einem Spaziergang durch das Ensemble der Herrenhäuser Gärten, einem bemerkenswertem Beispiel europäischer Gartenkunst.

Wenn neben den Delegierten und den Vertreterinnen und Vertretern ärztlicher Organisationen und Verbände möglichst viele Ärztinnen und Ärzte aus allen Regionen Deutschlands am 116. Deutschen Ärztetag in Hannover teilnehmen können, würde mich das sehr freuen.

In diesem Sinne die besten Wünsche und einen herzlichen Gruß

Ihr

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery

Präsident der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote