ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2013Recherche: Fragwürdig
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Wir freuen uns, dass das wichtige Thema des wissenschaftlichen Literatur-Retrievals im DÄ thematisiert wird. Auch wir sehen der Entwicklung neuer Werkzeuge für die wissenschaftliche Literaturrecherche hoffnungsvoll entgegen, da sie bereits heute erweiterte Möglichkeiten für Nutzer über die klassischen Suchtools hinaus bereitstellen.

Unserer Meinung nach verkürzt aber Ihre Darstellung die Studie sehr stark zugunsten von Google Scholar, so dass fast der Eindruck entstehen könnte, eine Suche in den klassischen Literaturdatenbanken würde keinen zusätzlichen Gewinn bringen, und man könnte bald auf diese verzichten. Aus mehreren Gründen möchten wir deshalb Ihre Argumentation ergänzen und davor warnen, Google Scholar als einzige Quelle der Literaturrecherche zu nutzen:

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1. Über die Vollständigkeit von Google Scholar kann zu keinem Zeitpunkt eine eindeutige Aussage getroffen werden. Es ist nicht bekannt und kann nicht abgefragt werden, welche Publikationen in Google Scholar enthalten sind. Google Scholar selbst behauptet über sich auch nicht, die Artikel bestimmter Zeitschriften vollständig zu indexieren, sondern dokumentiert explizit, dass nicht Zeitschriften, sondern Artikel indexiert werden.

2. Da Google Scholar nur wenige Suchoptionen zur Verfügung stellt, können Suchstrategien nur bedingt strukturiert aufgebaut und schrittweise verfeinert werden. Die eingeschränkten Möglichkeiten, Suchbegriffe und Suchstrategien mit Google Scholar stärker einzuschränken, führen dazu, dass Suchergebnisse nicht so zu präzisieren sind, wie das für ein wissenschaftliches Retrieval nötig ist.

3. Mit diesen Einschränkungen erlaubt Google Scholar nicht, systematische Suchen so aufzubauen, wie sie in vielen Bereichen der Medizin nötig sind. Ein strukturiertes Vorgehen ist aber für eine standardisierte Suche und ihre Dokumentation in reporting guidelines für viele Studientypen gefordert, beispielsweise im PRISMA-Statement für Systematische Übersichtsarbeiten. Die Suche, wie sie mit Google Scholar ausgeführt werden kann, bleibt derzeitig mehr oder weniger explorativ. Sie kann nur in wenigen Fällen aktuellen Kriterien für wissenschaftliche Publikationen genügen.

Aus unserer Sicht ist es deshalb fragwürdig, in Ihrem Kommentar zu signalisieren, dass es möglich ist, so gute Suchergebnisse mit Google Scholar zu erhalten, wie sie mit systematischer Recherche in PubMed oder in anderen spezialisierten Datenbanken erreicht werden . . .

Literatur bei den Verfassern

Dr. med. Martin Boeker,
Prof. Dr. rer. nat. Werner Vach,
Edith Motschall,
Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg, 79104 Freiburg

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