ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2013Randnotiz: Villa Sana versus Pranger

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Randnotiz: Villa Sana versus Pranger

Dtsch Arztebl 2013; 110(9): A-357 / B-329 / C-329

Bühring, Petra

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„Villa Sana für alle“ – die abschließende Forderung des Referenten, Dr. Wilfried Kunstmann, stieß bei den Teilnehmern des 37. Interdisziplinären Forums der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) auf Begeisterung. Das „Resource Center“ exklusiv für Ärzte im idyllischen Modum Bad in Norwegen bietet nicht nur Interventionsprogramme für suchtkranke Ärzte und Therapiemöglichkeiten bei Burn-out
– beides Themen der diesjährigen Fortbildungsveranstaltung der BÄK –, sondern auch einfach die Möglichkeit zum „Retreat“. Ärzte können eine individuelle Beratung in Anspruch nehmen oder mehrtägige Gruppenkurse belegen. Der Partner kann mitkommen. Das Angebot im staatlichen Gesundheitssystem Norwegens ist kostenfrei – ein Luxus, den es für deutsche Ärzte so nicht gibt.

Beim Vergleich verschiedener Interventionsprogramme für suchtkranke Ärzte – Großbritannien, Kanada, Norwegen, USA und die Schweiz standen im Fokus –, konnte BÄK-Referent Kunstmann zwar keinen unmittelbaren Zusammenhang zu staatlichen oder privatwirtschaftlich organisierten Gesundheitssystemen feststellen. Die USA fallen jedoch auf durch die Rigidität bei datenschutzrechtlichen Bestimmungen einerseits und großzügige Offenlegung beziehungsweise Bloßstellung andererseits. Dort werden in einigen Staaten Ärzte regelrecht an den Pranger gestellt: Im Internet für alle frei zugänglich listet das State Medical Board die Namen der Ärzte auf, gegen die berufsrechtliche Sanktionen vorliegen. So können Patienten zwar Ärzte mit Suchtproblemen meiden und sich möglicherweise vor Behandlungsfehlern schützen. Aber ist so ein Vorgehen kollegial und hilft es Suchtkranken? Für Deutschland ist es jedenfalls unvorstellbar.

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