ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2013Bei Harnblasenkarzinom kritisch zu bewerten
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Paget beschrieb bereits im vorletzten Jahrhundert den Vorgang der Metastasierung nicht als zufälliges Ereignis, sondern als eine Systemerkrankung, die einer Gesetzmäßigkeit unterliegt (Seed and Soil theory) (1). Lokale Therapiemaßnahmen wie die Metastasenchirurgie können nur dann von kurativer Intention sein, wenn die Gesetzmäßigkeit der Metastasierung bekannt ist, oder eine effektive Systemtherapie (zum Beispiel Chemotherapie) vorhanden ist, die eine Metastasenchirurgie auf minimale Tumorresiduen begrenzt. Ungünstig ist die Prognose stets dann, wenn die Systemtherapie keinen oder einen nur unzureichenden Effekt aufweist. Dies trifft auch für die ansonsten mit exzellenter Prognose behafteten Hodentumor-Patienten zu (2).

Zum Stellenwert der Metastasenchirurgie des metastasierten Harnblasenkarzinoms möchte ich eine der wenigen prospektiven Untersuchungen an 70 Patienten mit Chemotherapie refraktärem (MVAC), metastasierten Urothelkarzinom diskutieren (3). 19/70 Patienten haben asymptomatische und 51/70 Patienten symptomatische (multifokale) Metastasen. Nur Patienten mit symptomatischen Metastasen profitierten hinsichtlich der Lebensqualität. Bei 83 % der Patienten bessert sich das Allgemeinbefinden (WHO-Kriterien, 3,3 versus 2,1, p = 0,005). Das mittlere Überleben im Rahmen der prospektiven Analyse beträgt unabhängig von der Symptomatik 7 Monate und unterscheidet sich deutlich von den angegebenen positiven Überlebensraten retrospektiver Daten und Registeranalysen (mittleres Überleben 38 Monate). Die Indikation für einen derartigen Eingriff bleibt selektionierten Einzelfällen vorbehalten. Die Lebensqualität steht im Vordergrund.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0176a

Prof. Dr. med. Thomas Otto
Urologische Klinik, Städtische Kliniken Neuss

Rheinisch Westfälisches Zentrum für Beckenchirurgie e.V.

Deutsches Zentrum zur Entwicklung und Prüfung
innovativer Techniken in der Medizin e.V.
thomas_otto@lukasneuss.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Paget S: The distribution of secondary growths in cancer of the breast. Lancet 1889; 1: 571–3 CrossRef MEDLINE
2.
Wood DP, Herr HW, Motzer PR, Reuter V, Sogani PC, Morse MJ, Bosl GJ: Surgical resection of solitary metastases after chemotherapy in patients with non seminomatous germ cell tumors and elevated serum tumor markers. Cancer 1992; 60: 2354–7 CrossRef MEDLINE
3.
Otto T, Krege S, Suhr J, Rübben H: Impact of surgical resection of bladder cancer metastases refractory to systemic therapy on performance score—a phase II trial. Urology 2001; 57: 55–9 CrossRef MEDLINE
4.
Heidenreich A, Wilop S, Pinkawa M, Porres D, Pfister D: Surgical resection of urological tumor metastases following medical treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(39): 631–7 VOLLTEXT
1.Paget S: The distribution of secondary growths in cancer of the breast. Lancet 1889; 1: 571–3 CrossRef MEDLINE
2.Wood DP, Herr HW, Motzer PR, Reuter V, Sogani PC, Morse MJ, Bosl GJ: Surgical resection of solitary metastases after chemotherapy in patients with non seminomatous germ cell tumors and elevated serum tumor markers. Cancer 1992; 60: 2354–7 CrossRef MEDLINE
3.Otto T, Krege S, Suhr J, Rübben H: Impact of surgical resection of bladder cancer metastases refractory to systemic therapy on performance score—a phase II trial. Urology 2001; 57: 55–9 CrossRef MEDLINE
4.Heidenreich A, Wilop S, Pinkawa M, Porres D, Pfister D: Surgical resection of urological tumor metastases following medical treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(39): 631–7 VOLLTEXT

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