ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2013Wissenschaftliche Daten fehlen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Dass man eine Substanz, die seit Jahrtausenden als Heilmittel bekannt ist, supportiv in der Behandlung von Krebs, Immundefizitsyndrom und muskulärer Spastik einsetzt, erscheint nachvollziehbar.

Hingegen erscheint es völlig unverständlich, bei chronisch Kranken eine Studie mit gerauchtem Cannabis zu initiieren, weil die bronchialschädigende Wirkung offenbar die des Tabaks übersteigt.

Es ist zwar nicht ein Novum, dass eine potenziell halluzinogene Pflanzendroge Zugang zur Therapie gefunden hat, aber es bestehen aus meiner Sicht in der supportiven Behandlung von Patienten mit Kachexie, Schmerzen und Übelkeit potente Behandlungsoptionen – auch bezüglich aus reichender Erfahrung in der Kombination mit Opiaten.

Das Problem in der Behandlung von Spastik bei neurologischen Grunderkrankungen – und darauf weisen die Autoren in der Tabelle auch indirekt hin – besteht in der Induktion zentralnervöser Nebenwirkungen bis hin zum Delir.

Dass der aufgeklärte Patient die Verantwortung alleine trägt, ist sonst nur bei der Selbstmedikation üblich.

Die Unterschreitung einer halluzinogenen Schwelle ist insbesondere bei Einzelgabe durchaus möglich, die Pharmakodynamik jedoch ohne Blutspiegelkontrolle aus meiner Sicht kaum reproduzierbar. Dies bezüglich fehlen im Artikel wissenschaftliche Daten. Solange diese nicht vorliegen, käme bei therapierefraktären Symptomen gegebenenfalls eine medikamentöse Einstellung unter stationärer Kontrolle infrage.

Sicherlich würde man sich dann auch zu einem Drugmonitoring entschließen, denn bezüglich des Wirkungsprofiles erscheint es durchaus vorstellbar, einen therapeutischen Nutzen zu erzielen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0174a

Dr. med. Sigurd-Gerd Hagmann

Wambachstraße 202
56077 Koblenz

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Grotenhermen F, Müller-Vahl K: The therapeutic potential of cannabis and cannabinoids. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 495–501. VOLLTEXT
1.Grotenhermen F, Müller-Vahl K: The therapeutic potential of cannabis and cannabinoids. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 495–501. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige