ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2013Enger Indikationsbereich für Cannabis
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In meiner Tätigkeit als Neurologe und Psychiater mit dem relativ neuen Gebiet der Schmerzmedizin besteht seit vielen Jahren ein Schwerpunkt meiner Arbeit in Schadensverhütung – von Analgetikanephropathie, gastrointestinalen NSAR-Komplikationen wie Blutung und Perforation, von toxischer Hepatopathie und medikamentöser Kopfschmerzchronifizierung mit Komplikationen (1). Dabei ergab die Langzeitbehandlung mit Opioidanalgetika – nach Ermittlung von Ansprechen und Verträglichkeit, bei regelmäßigen und systematischen Kontrollen – eine weitaus günstigere Ergebnisbilanz als die von Nicht-Opioiden (2). Während NSAR in der Akutbehandlung recht wirkungsvoll und sinnvoll sind, ist die chronische Verabreichung komplikationsbelastet.

Bei Cannabinoiden sind die Auslösung von Psychosen, von Schizophrenien und kognitive Einbußen bedeutungsvolle Risiken (3), auf die auch die Autoren hingewiesen haben (4). Zu unterstreichen ist auch, dass Cannabis und Cannabinoide bei den möglichen Indikationen wie Dauerschmerz bei Multipler Sklerose oder anderweitigen neuropathischen Schmerzzuständen oder bei schwerer Spastik nur bei einem Teil der Betroffenen wirksam sind.

Diese Kontingenz (das Nicht-Notwendige, was sein kann oder nicht, das Mögliche), die sich durch die gesamte Schmerzmedizin zieht, kann also nicht zu gesetzesartigen Schlussfolgerungen führen wie: „Es gilt heute als erwiesen, dass Cannabinoide bei verschiedenen Erkrankungen einen therapeutischen Nutzen besitzen“, sondern eben nur besitzen können. Weiter: „Der Einsatz dieser Präparate (Cannabinoide) kann demnach bei Patienten, die unter einer konventionellen Behandlung keine ausreichende Linderung von Symptomen wie Spastik, Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Appetitmangel haben, sinnvoll sein“ ist zwar im Prinzip richtig, enthält jedoch keine Definition einer „konventionellen Behandlung“. Der rationale Indikationsbereich ist deshalb für Cannabis/Cannabinoide recht begrenzt.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0174b

PD Dr. med. Roland Wörz

Bad Schönborn, woerz.roland@t-online.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Hackenthal E, Wörz R: Analgetika: Irrationale Anwendung, Missbrauch und Abhängigkeit. In: Hackenthal E, Wörz R (eds.): Medikamentöse Schmerzbehandlung in der Praxis. Stuttgart, New York: Gustav Fischer 1985: 325–73.
2.
Wörz R (ed.): Differenzierte medikamentöse Schmerztherapie, 2nd edition; München, Jena: Urban & Vogel 2001.
3.
Schneider U, et al.: Die Bedeutung des endogenen Cannabinoidsystems bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen. Fortschr Neurol Psychiat 2000; 68: 433–8 CrossRef MEDLINE
4.
Grotenhermen F, Müller-Vahl K: The therapeutic potential of cannabis and cannabinoids. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 495–501. VOLLTEXT
1.Hackenthal E, Wörz R: Analgetika: Irrationale Anwendung, Missbrauch und Abhängigkeit. In: Hackenthal E, Wörz R (eds.): Medikamentöse Schmerzbehandlung in der Praxis. Stuttgart, New York: Gustav Fischer 1985: 325–73.
2.Wörz R (ed.): Differenzierte medikamentöse Schmerztherapie, 2nd edition; München, Jena: Urban & Vogel 2001.
3.Schneider U, et al.: Die Bedeutung des endogenen Cannabinoidsystems bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen. Fortschr Neurol Psychiat 2000; 68: 433–8 CrossRef MEDLINE
4.Grotenhermen F, Müller-Vahl K: The therapeutic potential of cannabis and cannabinoids. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 495–501. VOLLTEXT

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