ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996Pflegeversicherung: Begutachtungsergebnis mitteilen
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LNSLNS . . . Sicherlich ist bei einem nicht kleinen Teil der krankheits-/altersbedingt irgendwie Hilfebedürftigen eine gewisse Anspruchserwartung auf Grund der Rede und Schreibe von Politikern und Journalisten vorhanden.
Trotzdem obliegt dem Gutachter . . . nicht nur eine ärztliche Aufgabe, sondern auch die einer objektiven Beurteilung, die sein Dienstherr und dessen Auftraggeber erwarten. Der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) hat eine Richtlinie beschlossen (Paragraph 282 SGB V) als Begutachtungsanleitung Pflegebedürftigkeit. Ergänzend haben die Spitzenverbände der Pflegekassen eine weitere Richtlinie über die Abgrenzung der Merkmale der Pflegebedürftigkeit (PfIRi) beschlossen. Diese liegen hier vor.
Ob sie auch dem Gutachter vorliegen, muß wohl dahingestellt werden. Beide schreiben dem Gutachter vor, bei der Begutachtung bei bestimmten Personenkreisen den Pflegenden zu hören, bestimmte Parameter auch bei diesem abzufragen. Erstaunlicherweise geschieht das nicht immer. Als Beispiel: Der Gutachter sagt sich für 11 Uhr an. Die Pflegende ist da – und wartet mit ihrem Schützling vergebens. Gegen 17 Uhr erscheint der Gutachter, beginnt seine Prozedur und verschwindet wieder, während die Pflegende im Nachbarhaus vergeblich wartet und obwohl im Antrag auf die Notwendigkeit der Anwesenheit des Pflegenden ebenso wie in den beiden Richtlinien hingewiesen wurde. Wohl weil ihm die Neigung zu Dissimilation, besonders bei Störungen der Ausscheidungsfunktionen einer 88jährigen, nicht erinnerlich oder bekannt war/ist, auf die in
beiden genannten Richtlinien deutlichst hingewiesen wurde. Ergebnis: Ablehnung (Widerspruch läuft seit langem).
Hängt das vielleicht mit der Großzügigkeit der MDK im Umgang mit gesetzlichen Vorgaben zusammen? Denn diese sind nicht etwa nur gehalten, sondern gesetzlich (Paragraph 277 SGB V, Satz 1) verpflichtet, in bestimmten Gutachtensfällen Ärzten und Leistungserbringern, über deren Leistungen sie eine gutachterliche Stellungnahme abgeben, selbst das Ergebnis der Begutachtung mitzuteilen, was aber nach hiesiger Feststellung im Gegensatz zum früheren Zustand nie bis seltenst geschieht . . .
Dr. med. H. O. Hardt, Fasanenweg 52, 58313 Herdecke
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