ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2013Universitätsmedizin: Die Notfallversorgung besser honorieren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Albrecht et al. führen in ihrem Beitrag acht Tatbestände an, die in der Summe einen pauschalen Systemzuschlag für die Universitätsmedizin rechtfertigten. Die Autoren fordern dieses pauschalierte Vorgehen mit dem Argument, dass dieser Ansatz „methodisch nicht anspruchsvoll und bürokratisch nicht anfällig ist“. So einfach und reizvoll diese Argumentation auch ist, so birgt sie doch erhebliche Gefahren, und zwar insbesondere für die Notfallversorgung. Die Autoren haben zu Recht ausgeführt, dass die Universitätskliniken nahezu als einzige Einrichtungen eine Notfallversorgung rund um die Uhr und in allen Spezialdisziplinen vorhalten. Zusätzlich übernimmt die Notaufnahme häufig die ambulante Versorgung von Akutfällen der Spezialdisziplinen, die in den Hochschulambulanzen wegen der geringen Ambulanzpauschalen keinen Platz finden. Ein Systemzuschlag, der die Notfallversorgung einschließt, birgt die Gefahr, dass das bereits jetzt verbreitete Grundverständnis, die Notaufnahme der Universitätsklinik müsse immer und jeden Patienten annehmen, zementiert und damit die ungleiche Belastung zwischen „selektiven“ (wie in dem Artikel von Albrecht et al. ausgeführt) und „vollständigen“ maximalen Notfallversorgern weiter verschärft wird. Dazu kommt, dass eine „Systempauschale“ typischerweise niedriger ausfallen wird als erwünscht und dann innerhalb der Universitätsklinika zu einem neuerlichen Verteilungskampf führte, dessen Verlierer allemal die Notaufnahmen sein würden: Wegen des Fehlens einer akademischen Notfallmedizin in Deutschland fristen die Notaufnahmen an den Universitätsklinika trotz ihrer großen Bedeutung für die Patientenversorgung und Belegungssteuerung ein Schattendasein. Aus der Sicht vieler universitärer Fachdisziplinen sind sie eigentlich bereits jetzt überdimensioniert und werden für die Hochleistungsmedizin als störend empfunden, obwohl beispielsweise nur hier wesentliche klinische Weiterbildungsinhalte aller Disziplinen vermittelt werden. Aufgrund dieses Widerspruchs zwischen faktisch großer Bedeutung, jedoch untergeordneter Stellung muss die Finanzierung der Notfallversorgung allgemein und insbesondere an den Universitätskliniken neu geregelt und nicht mit einem pauschalen Systemzuschlag abgegolten werden. Dabei sollte grundsätzlich eine Linie gefunden werden, welche Rolle die Notfallmedizin an den Universitätsklinika künftig spielen soll. Die momentane Organisation als keine Spezialdisziplin, aber auch nicht mehr einer akademischen Fachdisziplin zugehörig, kann auf Dauer nicht funktionieren.

Im Hinblick auf die Finanzierung könnte der Systemzuschlag „Universitätsmedizin“ eine eigene, vor Begehrlichkeiten geschützte Komponente „maximale Notfallversorgung“ haben. Diese wäre jeweils regional angemessen zu kalkulieren und auch für außeruniversitäre Krankenhäuser mit einem entsprechend umfangreichen Leistungsspektrum anwendbar. Die bessere und leistungsgerechte ökonomische Abbildung der Notfallversorgung käme auch den Spezialdisziplinen zugute, die mit zusätzlichen Aufgaben der Akutmedizin neben ihren Kernaufgaben in der Hochleistungsmedizin überfordert sind.

Anzeige

Univ.-Prof. Dr. med. Martin Möckel, FESC, FAHA,
Ärztlicher Leiter, Notfallmedizin/Rettungsstellen/CPU, Campus Virchow-Klinikum und Campus Mitte, 10117 Berlin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige