ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2013Neue Studien zur Rekanalisation bei Schlaganfall

AKTUELL: Akut

Neue Studien zur Rekanalisation bei Schlaganfall

Dtsch Arztebl 2013; 110(10): A-420 / B-380 / C-380

Zylka-Menhorn, Vera

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Die Therapie der Wahl bei einem akuten ischämischen Schlaganfall ist die intravenöse Thrombolyse mit rt-PA (rekombinanter Tissue Plasminogen Activator, Alteplase) innerhalb des 4,5 h-Zeitfensters. Bei größeren Thromben in der distalen A. carotis interna oder im M1- oder M2-Segment der A. cerebri media kommen verschiedene Kathetersysteme zum Einsatz, mit denen der Thrombus entfernt wird. Drei aktuelle Studien (IMS-III, Synthesis, MR Rescue) zeigen nun, dass die endovaskuläre Behandlung im Vergleich zur intravenösen Thrombolyse keine Vorteile erbringt (NEJM online 6. und 7. Februar 2013). „Doch in diesen Studien wurden veraltete Thrombektomiesysteme eingesetzt, die den neuen Stent-Retrievern nach den Ergebnissen von randomisierten Studien unterlegen sind“, wie die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Neurologie, die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie sowie der Berufsverband Deutscher Neuroradiologen e.V. kommentieren.

Wenn der einen Schlaganfall auslösende Thrombus zu groß ist, reicht die Standardtherapie mit der intravenösen Thrombolyse nicht aus, um das Gefäß zu rekanalisieren. Ältere Katheterverfahren versuchten, den Thrombus durch die intraarterielle, lokale Verabreichung eines Thrombolytikums aufzulösen, neue Kathetersysteme hingegen bergen den Thrombus und saugen ihn als Ganzes ab. Für die deutschen Fachgesellschaften haben die älteren Katheterverfahren bei der endovaskulären Therapie daher keinen Stellenwert mehr. Die modernen Stent-Retriever müssten jedoch dringend in randomisierten Studien evaluiert werden.

Die Stent-Retriever haben den Vorteil, dass sie direkt im Gerinnsel ein Maschendrahtröhrchen entfalten, das sich gegen die Gefäßwand presst und das Gerinnsel einfängt. Zusammen mit dem Stent wird der Thrombus zurückgezogen. Dass die neuen Systeme bessere Ergebnisse als die älteren erzielen, haben zwei randomisierte Studien (TREVO 2, SWIFT) nachgewiesen (Lancet online 26. August 2012). Eingeschlossen wurden Patienten mit einem bleibenden Gefäßverschluss nach IV-Lyse. Die SWIFT-Studie wurde aufgrund der signifikant besseren klinischen Ergebnisse vorzeitig beendet. Mit beiden Retriever-Systemen konnte nahezu doppelt so häufig eine Rekanalisation erreicht werden wie mit dem Merci-Retriever, der in den aktuell publizierten Studien unter anderem zum Einsatz kam – bei zudem deutlich niedrigeren Blutungskomplikationen. zyl

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