ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2013Enterale Ernährung bei künstlicher Beatmung: Monitoring des Magenvolumens zur Prävention der Pneumonie nicht notwendig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Enterale Ernährung bei künstlicher Beatmung: Monitoring des Magenvolumens zur Prävention der Pneumonie nicht notwendig

Dtsch Arztebl 2013; 110(10): A-448 / B-401 / C-401

Vetter, Christine

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In einer offenen, randomisierten Studie bei 449 Patienten, die länger als zwei Tage mechanisch beatmet werden mussten und innerhalb von 36 Stunden nach der Intubation eine enterale Ernährung erhielten, wurde geprüft, ob ein Monitoring des residualen Magenvolumens das Risiko einer Beatmungspneumonie tatsächlich senkt. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass das Risiko für eine Beatmungspneumonie nicht steigt, wenn das Monitoring unterbleibt, wobei die Studie auf den Nachweis der Nichtunterlegenheit des fehlenden Monitorings ausgelegt war.

Dieser Nachweis wurde erbracht: In der Interventionsgruppe entwickelten 38 von 227 Patienten (16,7 %) und in der Gruppe ohne Monitoring 35 von 222 Patienten (15,8 %) mindestens eine Episode einer Beatmungspneumonie (Differenz: 0,9 %; 90-%-Konfidenzintervall [KI], –4,8 % bis 6,7 %). Es gab außerdem zwischen den beiden Gruppen keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich anderer nosokomialer Infektionen und auch nicht hinsichtlich der Beatmungsdauer, der Liegezeit auf der Intensivstation oder der Mortalität. Allerdings war der Anteil der Patienten, bei denen das vorgegebene Ziel der Kalorienaufnahme zu 100 % erfüllt wurde, in der Interventionsgruppe etwas höher (Odds Ratio 1,77; 90-%-KI 1,25–2,51; p = 0,008).

Kumulative Inzidenz der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP) mit und ohne Monitoring des Magenvolumens
Kumulative Inzidenz der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP) mit und ohne Monitoring des Magenvolumens
Grafik
Kumulative Inzidenz der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP) mit und ohne Monitoring des Magenvolumens

Fazit: „Die Studie zeigt, dass das Monitoring des gastralen Residualvolumens bei enteral ernährten Patienten ohne anamnestische oder akute chirurgische Eingriffe im oberen Gastrointestinaltrakt keine erhöhte Sicherheit für die Prävention der Beatmungspneumonie bietet, sondern sogar zu unnötiger Unterbrechung der Ernährung führt“, kommentiert Prof. Dr. med. Thea Koch, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie der Universität Dresden. „Daher sollte aufgrund der aktuellen Daten dieses in der klinischen Routine übliche Monitoring neu überdacht und nicht mehr standardmäßig bei allen enteral ernährten Patienten durchgeführt werden.“ Christine Vetter

Reignier J, et al.: Effect of not monitoring residual gastric volume on risk of ventilator-associated pneumonia in adults receiving mechanical ventilation and early enteral feeding, JAMA 2013, 309: 249–56. MEDLINE

Kumulative Inzidenz der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP) mit und ohne Monitoring des Magenvolumens
Kumulative Inzidenz der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP) mit und ohne Monitoring des Magenvolumens
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Kumulative Inzidenz der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP) mit und ohne Monitoring des Magenvolumens

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