ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2013Arp-Museum: Winterpracht und das Künstler-Ich im Wandel der Zeit

KULTUR

Arp-Museum: Winterpracht und das Künstler-Ich im Wandel der Zeit

Dtsch Arztebl 2013; 110(10): A-457 / B-409 / C-409

Wanner, Ernst

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Claude Monet, Le train dans la neige. La locomotive, 1875. Foto: © Paris, Musée Marmottan Monet
Claude Monet, Le train dans la neige. La locomotive, 1875. Foto: © Paris, Musée Marmottan Monet

Zwei Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung Rau für UNICEF im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck

Die Wetteraufzeichnungen für Paris in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zeigen Tiefsttemperaturen bis zu minus 23,9 Grad Celsius. Diese strengen Winter veranlassten die Impressionisten, ganze Tage malend im Schnee zu verbringen. Dabei fiel ihnen auf, dass Schnee neben dem dominierenden Weiß auch blaue und rosa Farbtöne enthält. Die auf diese Weise entstandenen Winterbilder, vor allem von Claude Monet, aber auch von Sisley, Courbet, van Gogh, Gauguin und den deutschen Impressionisten sind erstmals im Arp-Museum eindrucksvoll zusammengefasst („Lichtgestöber. Der Winter im Impressionismus, bis 14. April“). Grundstock sind Werke aus der Sammlung Rau für UNICEF. Die Sammlung des Kinderarztes, der sein Fabrikantendasein zugunsten seiner ärztlichen Hilfstätigkeit in einem von ihm finanzierten Kinderkrankenhaus in Afrika aufgab, zeigt sein Gespür für Qualität und Schönheit in der Malerei. Das gilt auch für die 57 zusätzlichen hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Museen. Claude Monet war so vom Winter fasziniert, dass er eigens nach Norwegen fuhr, um die Farbwirkung von Schnee dort zu studieren. Unvergleichlich seine Lokomotive im Schnee aus dem Jahr 1875. Gauguin setzt mit einem Winterbild einen Kontrapunkt zu seinen Südseebildern. Auch die deutschen Impressionisten Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth überzeugen in ihren Winterbildern. Ergänzt werden die Wintergemälde durch frühe Fotografien, die sich mit dem strengen Winter auseinandersetzen. Besonders eindrucksvoll sind die Fotografien von Eugène Cuvelier, den Brüdern Bisson, sowie dem Amerikaner Alfred Stieglitz und dem Deutschen Albert Renger-Patzsch.

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Kees van Dongen, Mädchen mit Matrosenkragen, 1912. Foto: Sammlung Rau für UNICEF/P. Schälchli, Zürich
Kees van Dongen, Mädchen mit Matrosenkragen, 1912. Foto: Sammlung Rau für UNICEF/P. Schälchli, Zürich

Ausgehend von fünf herausragenden Porträts der Sammlung Rau für UNICEF von Delyen über Degas bis zu Vuillard, beleuchtet die Ausstellung „Kunstkammer Rau. Der Künstler und sein Modell“ vom 17. Mai bis 30. März 2014 das Künstler-Ich im Wandel der Zeit. In einem weiten Panorama vom 15. bis zum 20. Jahrhundert erlebt der Betrachter die Lebenswelten von Malern und ihren Modellen und lernt im Künstleratelier den Auftraggeber in seinen verschiedenen Rollen kennen. Doch inwieweit kann ein Porträt das Versprechen einlösen, auch ein Seelenbildnis zu sein? Seit der Antike beschäftigt diese Frage Philosophen, Künstler und schließlich die Psychoanalyse. Menschliche Sehnsüchte zeigen sich in den idealen Frauenbildnissen von Cranach bis Renoir. Intime Familienporträts der Künstler – ob nun von Leyster, Gainsborough, Degas oder van Dongen gemalt, verleihen der Seele des geliebten Menschen in ihrem Abbild ewige Dauer.

Ernst Wanner

Informationen

Arp-Museum Bahnhof Rolandseck, Hans-Arp-Allee 1, 53424 Remagen, Telefon: 02228 94250; www.arpmuseum.org; Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags und feiertags 11 bis 18 Uhr; Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6,50 Euro.

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