ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2013Männergesundheit: Männer leben gefährlicher

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Männergesundheit: Männer leben gefährlicher

PP 12, Ausgabe März 2013, Seite 107

Meißner, Marc

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Sie sind Vorsorgemuffel, gehen selten zum Arzt und ernähren sich schlecht – Gründe, warum Männer nicht so lange leben wie Frauen, scheinen schnell gefunden. Ein genauerer Blick auf die Todesursachen zeigt jedoch: So einfach ist es nicht.

Zu wenig Bewegung ist vor allem bei Akademikern ein Problem. Sie arbeiten meist im Sitzen und können den Bewegungsmangel kaum kompensieren. „Bildungsfernere“ Berufe bieten hingegen oft ausreichend körperliche Aktivität. Fotos: dapd/picture alliance
Zu wenig Bewegung ist vor allem bei Akademikern ein Problem. Sie arbeiten meist im Sitzen und können den Bewegungsmangel kaum kompensieren. „Bildungsfernere“ Berufe bieten hingegen oft ausreichend körperliche Aktivität. Fotos: dapd/picture alliance

Wird heute ein Junge geboren, so hat er im Durchschnitt 78 Jahre vor sich. Auch wenn das nach einem langen Leben klingt: Ein Mädchen wird fünf Jahre älter. Die unterschiedliche Lebenserwartung der Geschlechter ist aber nicht naturgegeben, wie Prof. Dr. med. Theodor Klotz vom Klinikum Weiden auf dem ersten Männergesundheitskongress der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung klarstellte: „Bei gleichen Lebensumständen haben Männer und Frauen fast die gleiche Lebenserwartung.“

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Mönche so alt wie Nonnen

Dies belegt eine Studie, für die die Sterbedaten von Nonnen und Mönchen verglichen wurden. Während sich die Lebenserwartung der Nonnen genauso entwickelt wie die der Allgemeinbevölkerung, leben Mönche fünf Jahre länger als Männer außerhalb von Klöstern. Ihre Lebenserwartung ist lediglich ein bis zwei Jahre geringer als die von Nonnen.

Klotz zog hieraus den Schluss, dass die biologische und genetische Disposition dafür sorgt, dass Frauen im Durchschnitt gerade einmal ein Jahr länger leben würden als Männer. Doch warum sterben diese im Durchschnitt fünf Jahre früher? Erklärungen sind scheinbar schnell gefunden: Männer essen ungesünder, rauchen häufiger und nehmen Vorsorgeuntersuchungen seltener wahr als Frauen.

Zwar stimmt das alles. Doch diese Erklärungen genügen nur zum Teil. Denn einer der Hauptgründe für die statistisch geringere Lebenserwartung von Männern ist, dass sie häufiger als Frauen schon im Alter zwischen 20 und 40 Jahren sterben – einem Alter, in dem beispielsweise Vorsorgeuntersuchungen noch keinen wesentlichen Einfluss auf die Lebenserwartung haben.

Für den Urologen Klotz lautet einer der Gründe: „Männer haben die gefährlicheren Berufe.“ Die Emanzipation in der Arbeitswelt habe sich vor allem auf sozial positiv besetzte Berufe konzentriert: „Es gibt keine Initiativen für mehr Berg- oder Hochofenarbeiterinnen“, sagte Klotz. Entsprechend führen Männer nach wie vor die Unfallstatistiken an: So sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 80 Prozent der meldepflichtigen Arbeitsunfälle Männer betroffen, bei den tödlichen Arbeitsunfällen sogar 90 Prozent.

Darüber hinaus neigen Männer eher zum Suizid: Ihre Selbsttötungsrate ist in allen Altersgruppen drei- bis achtmal höher als bei Frauen.

Prävention muss früh ansetzen

Sinnvolle Prävention müsse deshalb schon vor dem 20. Lebensjahr ansetzen, betonte Klotz. Denn viele der Todesursachen wie Unfälle und Suizide seien durch Verhaltens- und Verhältnisprävention zumindest zum Teil vermeidbar.

Ein wichtiger Faktor in der Prävention ist Bewegung: Fünfmal pro Woche 20 bis 30 Minuten körperliche Aktivität empfiehlt die Welt­gesund­heits­organi­sation. Ein Wert, den 45 Prozent der Menschen in Deutschland nicht erreichten, erklärte Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln: „Nur 54 Prozent der Männer und Frauen setzen das um.“ Der größte Teil der körperlichen Aktivität werde bei der Arbeit erzielt, wobei körperliche Aktivität nicht gleich Sport bedeute. „Bildungsferne Berufe sind mit ganz viel Bewegung auf der Arbeit verbunden“, erklärte Froböse. „Die müssen sich gar nicht viel Sorgen machen.“ Problematischer sei die Arbeit von Akademikern, die meist im Sitzen stattfinde. Der so entstehende Bewegungsmangel sei kaum auszugleichen: „Auch wenn man sich fünfmal die Woche abends bewegt, kann man die Schäden durch das ganztägige Sitzen nicht mehr kompensieren.“

Insgesamt ist das Fazit des ersten Männergesundheitskongresses positiv: Männern geht es trotz der geringeren Lebenserwartung gut. Es fehlen jedoch auf sie zugeschnittene Präventionsangebote.

Dr. rer. nat. Marc Meißner

@Weitere Informationen im Internet:
www.maennergesundheitsportal.de

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